Nordhorn  Trauer um kleine Hündin Lotte: Beim Spaziergang von anderem Hund totgebissen

Marcel Brandt
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Von Marcel Brandt
| 18.11.2023 11:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Bei einer Gasse-Runde wurde der Hund von Anita Schröder und Heinz Podschaske von einem anderen Hund getötet. Foto: Marcel Brandt
Bei einer Gasse-Runde wurde der Hund von Anita Schröder und Heinz Podschaske von einem anderen Hund getötet. Foto: Marcel Brandt
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An einem Abend im Oktober geht Anita Schröder wie immer mit ihrer kleinen Hündin Lotte spazieren. Dann wird sie von einem anderen Hund angegriffen. Lotte stirbt. Der angreifende Hund war dem Veterinäramt wegen anderer Vorfälle bereits bekannt.

Es ist ein Oktober-Nachmittag, wie jeder andere. Anita Schröder kommt von ihrer Arbeit, begrüßt ihre Hündin und geht wie jeden Tag mit ihr spazieren. Die kleine Lotte ist seit gut fünf Jahren Teil der Familie: „Ich habe sie gehütet wie meinen Augapfel“, sagt Anita Schröder. Doch an diesem Donnerstag ist alles anders – der kurze Spaziergang der Nordhornerin endet in einer Tragödie.

Anfang 2018 sind die erwachsenen Söhne von Anita Schröder aus dem Haus. Sie lebt zusammen mit ihrem Lebensgefährten Heinz Podschaske in Nordhorn. Sie sehnt sich nach einer neuen Aufgabe, nach einem Nesthäkchen: „Ich wollte unbedingt einen kleinen Hund haben und musste Heinz richtig überreden“, erklärt die 56-Jährige.

Podschaske kommt ursprünglich von einem Bauernhof und ist zuerst dagegen: „Hunde gehörten für mich auf den Hof und nicht ins Haus“, erklärt er. Doch seine Frau setzt sich durch und im Sommer 2018 bekommen die beiden die kleine Lotte, einen Malteser-Chihuahua-Mix.

„Es war so toll. Ganz typisch, so wie man das kennt: ein älteres Pärchen, das alleine wohnt und sich einen kleinen Hund zulegt. Mein Umfeld hat oft gesagt, wie gut ich darin aufgehe“, erklärt Schröder. Und auch ihr heute 62-jähriger Lebensgefährte sei schnell in der Rolle des Hunde-Papas angekommen: „Ich habe mit der Kleinen Tricks geübt und abends lag sie immer bei mir auf der Couch“, beschreibt er das Zusammenleben. Im vergangenen Jahr hat sich das Paar sogar ein Wohnmobil gekauft, um Lotte auch im Urlaub immer mit dabei haben zu können.

Alles schien also perfekt zu sein, bis zur Gassi-Runde am 26. Oktober dieses Jahres. „Mit so einem kleinen Hund geht man ja eher kleinere Runden und dafür dann häufiger“, sagt Anita Schröder und berichtet weiter: „Ich wollte nur eben die Straße hoch und runter.“

Auf dem Rückweg kommt ihr dann eine Frau mit Hund entgegen: „Ich habe die beiden beobachtet und geguckt, was sie machen. Sie haben mich auch gesehen, die Frau hat ,Sitz‘ gesagt und der Hund hat direkt gehört.“ Zudem meint Schröder, eine Leine an dem Hund gesehen zu haben. Das war für sie das Zeichen, dass sie auf ihrer Straßenseite weiterlaufen kann. An dieser Stelle gibt es keine Fußwege und der Oorder Weg ist nicht besonders breit.

Gerade als Anita Schröder und Lotte auf der gleichen Höhe sind, passiert es: Der andere Hund reißt sich los und rennt über die Straße. „Alles ging so schnell, der Hund brauchte zwei große Sätze, da war er schon bei uns“, beschreibt sie. Schröder schafft es noch, Lotte hochzunehmen, doch der große Hund springt sie nun an: „Ich bin gestürzt, mit den Knien auf die Straße und dem Kopf auf einen Grünstreifen.“ Sie ist sogar kurzzeitig bewusstlos und Lotte dem anderen Hund schutzlos ausgeliefert.

Kurz danach schreit Anita Schröder nach Hilfe, diese eilte auch schnell herbei: „Der Bauer von nebenan kam mit seinem Sohn und zwei Leute von der Pferdewiese daneben kamen auch dazu.“ Die Helfer handeln mutig, einer greift dem großen Hund ins Maul, damit dieser Lotte loslässt. Kurzzeitig gelingt das, doch der große Hund greift den Malteser erneut an.

Erst als der Landwirt den schwerverletzten kleinen Hund in das Auto eines weiteren Ersthelfers bringt, kann der Angreifer beruhigt werden. Mittlerweile ist auch ein Begleiter der anderen Halterin dabei. Diese hat nach Angaben Schröders ein paar Mal gerufen, aber während des Angriffs nichts ausrichten können.

Nachbarn haben bereits während des Vorfalls einen Tierarzt aus der Nähe kontaktiert, dort wird Anita Schröder mit Lotte sofort hingebracht: „Alle Helfer sagten zu mir, ich müsse ins Krankenhaus gehen, aber ich wollte nur bei Lotte bleiben“, erklärt Schröder, die aufgrund ihrer Verletzungen durch den Angriff nur am Straßenrand sitzen konnte.

Der Tierarzt versucht dann noch, Lotte zu stabilisieren – doch es kommt jede Hilfe zu spät: „Zehn Minuten danach kam er zu uns und sagte, dass Lotte es nicht geschafft hat“, sagt die 56-Jährige unter Tränen.

Sie selbst muss umgehend ins Krankenhaus gebracht werden. Bei dem Sturz hat sich die Nordhornerin den Schienbeinkopf gebrochen, wenige Tage nach dem Vorfall muss sie operiert werden. Nun darf sie mit dem Bein sechs Wochen lang nicht auftreten. So liegt sie aktuell immer noch auf einem provisorischen Bett im heimischen Esszimmer: „Das alles ist so schlimm für mich. Ich vermisse unsere Lotti so sehr.“ Immer wieder fängt die 56-Jährige an zu weinen: „Warum ich? Warum bin ich da laufen gegangen? Diese Fragen kommen immer wieder hoch. Die Leute wissen gar nicht, was sie uns angetan haben.“

Die Besitzerin des anderen Hundes sei während des Vorfalls nicht auf Anita Schröder zugekommen. Im Krankenhaus haben sich die Frauen zwar gesehen. Aber auch dort gab es keine Kontaktaufnahme: „Fünf Tage später haben sie wohl nach unserer Nummer gefragt, aber das war mir einfach zu spät.“ Anita Schröder hat große Probleme, das Geschehene zu verarbeiten. Neben Behandlungen bei der Physiotherapie hat sie auch Termine bei einem Psychotherapeuten: „Freunde und mein Lebensgefährte helfen mir bei den Terminen, ich bekomme große Unterstützung, das ist toll. Es gibt aber auch Tage, da verkrafte ich keinen Besuch, weil das alles immer wieder hochholt.“

Für Lottes Besitzer ist das alles nur schwer zu akzeptieren, besonders weil sie gehört haben, dass der Hund in der Vergangenheit bereits auffällig gewesen sein soll. Das Veterinäramt bestätigt das: „Bei diesem Hund wurde bereits ein Angriff angezeigt.“

Eine Veterinärmedizinerin habe sich den Hund daraufhin im April dieses Jahres angesehen. „Die Kollegin hat in keinem Falle leichtsinnig gehandelt. In der Beobachtung kam aber raus, dass der Hund nicht gut erzogen sei und die Halterin überfordert – aber auch, dass keine Gefahr von ihm ausgehe“, erklärt Dr. Hermann Kramer, Leiter des Veterinäramtes des Landkreises. Der Halterin sei aufgetragen worden, eine Hundetrainerin zu besuchen.

Nach dem aktuellen Vorfall läuft nun das nächste Verfahren gegen den Hundehalter. Dass es sich dabei um einen Staffordshire-Terrier handelt und damit um einen „Listenhund“, ist für Kramer nicht ausschlaggebend: „Wir verzeichnen einen generellen Anstieg der Hundebisse. Meist handelt es sich dabei um nicht ausgelastete oder falsch erzogene Hunde“, es gehe um viele verschiedene Rassen, sodass das Klischee des „Listenhundes“ generell nicht zutreffe.

Für Anita Schröder und Heinz Podschaske ist das alles egal. Anita Schröder hat wohl noch einige Monate mit den körperlichen Folgen dieses Angriffes zu kämpfen. Und auch die seelischen Verletzungen sind nicht zu unterschätzen: „Wo vorher Lottis Körbchen war, steht jetzt mein Rollstuhl. Das ist alles so schlimm. Sie haben mir meinen Puschel genommen“, sagt sie verzweifelt. Das Paar hat alle möglichen Schritte gegen die Hundehalterin eingeleitet. Neben einem Anwalt und einer Anzeige bei der Polizei ist auch das Veterinäramt aktiv geworden. Sofortiger Maulkorb- und Leinenzwang für den Hund sind die ersten Schritte. Schlussendlich drohen der Halterin aber vor allem die Wegnahme des Hundes und ein Haltungsverbot.

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