Skandal um Nabu-Weideprojekt  Sollen tragende Heckrinder in die Niederlande gebracht werden?

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 16.11.2023 20:19 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Insgesamt 42 Tiere warten noch auf einen neuen Besitzer. Foto: Gettkowski
Insgesamt 42 Tiere warten noch auf einen neuen Besitzer. Foto: Gettkowski
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Der Landkreis Leer will ein zügiges Ende der Nabu-Beweidungsprojekte. Er soll den Verkauf der tragenden Heckrinder in die Niederlande vorgeschlagen haben. Wir haben gefragt, was dahinter steckt.

Nüttermoor - Eigentlich sollten die Herden der Beweidungsprojekte des Nabu bis Ende Oktober aufgelöst sein. Doch der Nabu Niedersachsen hatte bereits unmittelbar nach der Anordnung deutlich gemacht, diese Frist nicht einhalten zu können. Während die Heckrinder von der Weide in Coldam schon vor einigen Wochen zu neuen Besitzern gebracht oder geschlachtet wurden, stehen 42 Rinder aus dem Beweidungsprojekt Thedingaer Vorwerk in Nüttermoor vor einer ungewissen Zukunft.

Was und warum

Darum geht es: In Nüttermoor stehen 42 Heckrinder des Nabu vor einer ungewissen Zukunft.

Vor allem interessant für: alle, die den Skandal um die Nabu-Beweidungsprojekte mitverfolgen, und alle Tierfreunde

Deshalb berichten wir: Es gab Hinweise, dass tragende Heckrinder in die Niederlande verkauft werden sollen.

Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de

„Das Veterinäramt hält den Druck natürlich weiter aufrecht, damit die Herden zügig aufgelöst werden“, teilte Landkreissprecher Philipp Koenen auf Nachfrage mit. Nachdem im Frühjahr auf den Weiden mehrere Tiere zu Tode gekommen und vom Veterinäramt des Landkreises Leer Haltungs- und Ernährungsmängel festgestellt worden waren, hatte das Veterinäramt des Landkreises Leer den Nabu Niedersachsen aufgefordert, die Weideprojekte zu beenden. Ein Teil der Rinder steht immer noch auf einer Fläche beim Futterplatz auf der Weide in Nüttermoor. Die Redaktion hat jetzt einen Hinweis bekommen, dass die Rinder offenbar in die Niederlande verkauft und dort möglicherweise geschlachtet werden sollen. „Der Vorschlag kam vom Veterinäramt Leer“, bestätigte Gina Briehl, Pressesprecherin des Nabu Niedersachsen, auf Nachfrage.

Keine Interessenten aus den Niederlanden

Wegen des Ausbruchs der Blauzungenkrankheit in Niedersachsen gibt es Schwierigkeiten, die Tiere an Halter in (Bundes-)Länder zu bringen, in der es bislang noch keine Fälle dieser Krankheit gibt. In betroffene Regionen wie Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Belgien und die Niederlande dürfen die Tiere allerdings transportiert werden. „Wir haben in den Niederlanden versucht, mögliche Abnehmer zu finden, haben aber keine Rückmeldung erhalten“, so Gina Briehl. Philipp Koenen, Sprecher des Landkreises Leer, bestätigt das: „Auch wenn Niedersachsen nun eine Blauzungen-Krankheits-Zone mit Transportbeschränkungen ist, dürfen Rinder ohne besondere Auflagen in die Niederlande gebracht werden, da im Nachbarland eine ähnliche Seuchensituation besteht.“

Unabhängig davon dürften nach seinen Angaben aber nur Tiere transportiert werden, die weniger als 90 Prozent der Trächtigkeit hinter sich haben. Grundsätzlich muss vor einem Transport geprüft werden, ob sie transportfähig sind oder nicht. Bei den verbliebenen 42 Rindern auf der Weide Thedingaer Vorwerk sind 25 trächtige Kühe, vier Kühe mit unklarem Trächtigkeitsstatus und 13 Jungrinder in einem alter zwischen drei und sechs Monaten.

Die Heckrinder auf der Weide in Nüttermoor sind tragend. Foto: Gettkowski
Die Heckrinder auf der Weide in Nüttermoor sind tragend. Foto: Gettkowski

Was passiert mit den Koniks?

Im letzten Drittel der Trächtigkeit dürfen die Rinder nicht zur Schlachtung abgegeben werden. „Geschieht dies dennoch, handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit“, so Koenen. Eine Verladung für einen Transport in ein anderes EU-Land werde immer von einem amtlichen Tierarzt überwacht. „Ein amtliches Gesundheitszeugnis muss dafür ausgestellt werden und begleitet die Tiere zum neuen Halter. Bislang ist beim Landkreis keine Anmeldung eingegangen, dass eine solche Verbringung geplant ist“, so Koenen.

Und wie sieht die Zukunft der Konikpferde aus? In Coldam stehen noch 15 Pferde, im Bereich Thedingaer Vorwerk noch 24. Nach Auskunft des Landkreissprechers habe der Nabu nach eigenen Angaben für 95 Prozent der Pferde bereits Käufer. Auch die Pferde, die im Hessepark weiden, sollen verkauft werden. Bevor die Tiere zu ihren neuen Besitzern gebracht werden können, müssten die Hengste noch kastriert und mit einem Chip gekennzeichnet werden, damit ein Equidenpass ausgestellt werden kann.

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