Irres Fußballspiel  Väter von 36 Kindern feiern das Emder 8:7 in der 90. Minute

| | 14.11.2023 14:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die SuS-Mannschaft mit Familiensinn stellte sich vor der denkwürdigen Partie gegen Upleward für ein Foto ins Fußballtor. Auch Teamchef Andreas Ammersken (hinten, Fünfter von links) war nach langer Pause wieder dabei. Foto: Privat
Die SuS-Mannschaft mit Familiensinn stellte sich vor der denkwürdigen Partie gegen Upleward für ein Foto ins Fußballtor. Auch Teamchef Andreas Ammersken (hinten, Fünfter von links) war nach langer Pause wieder dabei. Foto: Privat
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Am Morgen nach dem Matsch-Spektakel bei Kickers gab es in Emden das nächste irre Spiel. Das 8:7 von SuS Emden gegen Upleward nach 5:7-Rückstand erzielte ein Akteur bei seinem Comeback nach 16 Monaten.

Emden - Das Matschspektakel zwischen Kickers Emden und TuS Bersenbrück vom Samstagabend ist in aller Munde. Der Emder Fußballwahnsinn setzte sich am nächsten Morgen um 11 Uhr auf dem Kunstrasen im Herrentorviertel nahtlos fort. Da trauten die knapp 40 Zuschauer der B-Klassen-Partie zwischen SuS Emden Ü30 und der Spielvereinigung Upleward ihren Augen nicht. Denn das Torefestival wollte einfach kein Ende nehmen. Auch nach dem 7:5 für Upleward war der Mittag der offenen Tore nicht entschieden. SuS glich zum 7:7 aus und krönte das Spektakel mit dem 8:7-Siegtor in der 90. Minute.

„Viele der Zuschauer waren am Abend zuvor bei Kickers gewesen“, erzählt SuS-Teamchef Andreas Ammersken von einem verdutzten Publikum. Diese Besucher erlebten zwei irre Fußball-Geschichten innerhalb von 17 Stunden. SuS hatte 2:0 geführt, dann 4:6 und 5:7 zurückgelegen, ehe die Partie eine nochmalige Wendung erfuhr. Ammersken war sprachlos. „Ich bin 34 Jahre und spiele seit 29 Jahren Fußball“, sagt der Familienvater. „Aber so etwas habe ich noch nie erlebt.“

Siegtorschütze spät eingewechselt

Als hätten die SuS-Kicker die geschichtsträchtigen 90 geahnt, posierten sie vor dem Anpfiff noch für ein Mannschaftsfoto. Da trug auch der Teamchef mal wieder das Trikot – erstmals nach seiner schweren Verletzung vor 16 Monaten. Und manche Geschichten schreibt eben nur der Fußball: Ammersken wurde in der 72. Minute eingewechselt und erzielte tatsächlich in der 90. Minute das 8:7-Siegtor. „Das ist verrückt“, sagt er selber.

Der Familienvater hatte sich im Sommer 2022 das linke Sprunggelenk gebrochen. Damit war an Fußball erstmal nicht mehr zu denken. Die Pause verlängerte sich, als noch der Hausbau begann und sich das zweite Kind der Familie ankündigte.

SuS hat viel Bezirksligaerfahrung

Nach der Geburt des Sohnes vor sechs Wochen kehrten so langsam die Gedanken an SuS zurück. „Vor dem Spiel hatte ich ein einziges Mal mittrainiert.“ Und dann fragte ihn Trainer Oliver Stümpert in der 72. Minute, ob seine Luft für 15 Minuten ausreiche. Der Gründer der Mannschaft nickte und war am Ende der gefeierte Mann. Ammersken gehörte 2020 zu den Initiatoren der Mannschaft, die sich aus zwei Freundeskreisen rekrutierte. „Wir sind alle über 30. Deshalb haben wir uns Ü30 genannt“, erzählt er. „Da sind viele gute Fußballer mit Bezirksligaerfahrung dabei.“ Kicker wie Thomas Kahl (früher Pewsum/Larrelt), Henning Schmidtke (Twixlum, Aurich), Ralf Kotecz (RSV Emden, Wolthusen) oder Timo Tjarksen (SF Larrelt) haben Spuren in der Fußballszene hinterlassen.

Kein Wunder, dass das Team gleich C-Klassen-Meister einer Saison wurde, die wegen Corona nicht in die Wertung kam. Im zweiten Versuch glückte dann der Aufstieg. Nun spielen die Emder mit einem 30-Mann-Kader in der B-Klasse eine gute Rolle. Alle haben Verständnis, wenn Akteure wegen privater Verpflichtungen mal absagen. Denn der Familiensinn ist laut Ammersken bei der Ü30 stark ausgeprägt. „Zusammen haben wir 36 Kinder. Nummer 37 ist unterwegs.“ Der verbreitete Nachwuchsmangel ist der SuS-Mannschaft wirklich nicht anzulasten.

Pech für den Vier-Tore-Mann

Die Väter von quasi zwei Schulklassen gingen am Sonntag mal wieder so richtig fleißig auf Torejagd. Sie führten nach 22 Minuten 4:2, als das Spiel erstmals kippte. Zur Pause hieß es 4:5. Und als die Uplewarder in der 61. Minute gar das 5:7 erzielten, schien die SuS-Niederlage besiegelt. Doch es kam anders. Ein Eigentor führte zum 6:7, ehe Sebastian Bockhorst zum 7:7 traf. Er verbuchte ebenso wie Alexander Kunz und Martin Wurps zwei Treffer. Zum Helden avancierte aber Andreas Ammersken mit dem viel umjubelten 8:7.

Besonders bitter war der Fußballtag für den Uplewarder Maik Heeren. Er hatte gleich vier Tore geschossen und verließ dennoch als Verlierer das Feld. Die überglücklichen SuS-Kicker aber ließen sich hinterher ein Bierchen schmecken. Danach folgte bei Ammersken zu Hause eine kleine Familienfeier. „Wir hatten Verwandtschaft zum Kinnertön eingeladen.“

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