Nach Mängeln in der Pflege  Neues zur Lage in der Seniorenwohnanlage Heisfelde

Jonas Bothe
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Von Jonas Bothe
| 09.11.2023 18:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In der Seniorenwohnanlage Heisfelde leben derzeit 49 Personen. Foto: Cordsen/Archiv
In der Seniorenwohnanlage Heisfelde leben derzeit 49 Personen. Foto: Cordsen/Archiv
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Nachdem im Sommer gravierende Mängel in der Seniorenwohnanlage Heisfelde öffentlich wurden, wird an einer Verbesserung der Situation gearbeitet. Wir haben nachgefragt, wie der aktuelle Stand ist.

Leer - Im August wurden gravierende Mängel in der Seniorenwohnanlage Heisfelde öffentlich. Die Aufregung und Kritik war groß, weil der Landkreis als Betreiber der Einrichtung die Zustände nicht eher kommunizierte. Gleichzeitig ist er aber auch Aufsichtsbehörde. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen hatte die Seniorenwohnanlage bereits im Mai 2022 geprüft. Heraus kam ein katastrophales Ergebnis. Im Juni 2023 war die Einrichtung wieder dran. Die Ergebnisse waren im September einer Ausschusssitzung vorgestellt worden. Bei der Staatsanwaltschaft waren zudem Strafanzeigen eingegangen. Wir haben nachgefragt, wie die derzeitige Situation in der Seniorenwohnanlage ist.

Was und warum

Darum geht es: In der Seniorenwohnanlage wird weiter an der Verbesserung der Pflege gearbeitet.

Vor allem interessant für: Angehörige von Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Menschen, die sich für soziale Themen interessieren

Deshalb berichten wir: Wir haben uns gefragt, wie die derzeitige Situation in der Seniorenwohnanlage ist und was aus den Strafanzeigen geworden ist.

Den Autor erreichen Sie unter: j.bothe@zgo.de

Was ist mit den eingegangenen Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft?

Laut Staatsanwalt Stefan Gleissner, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Aurich, sind im Zusammenhang mit der Berichterstattung über Pflegemängel in der Seniorenwohnanlage in Heisfelde bislang zwei Strafanzeigen eingegangen. Allerdings sei die Aufnahme von Ermittlungen jeweils abgelehnt worden, „da sich keine zureichenden tatsächlichen Anhaltspunkte für eine Straftat ergaben“, teilt der Sprecher mit.

Allerdings sei noch ein Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit der Seniorenwohnanlage Heisfelde bei der Staatsanwaltschaft anhängig. Dieses betreffe ein mögliches pflegerisches Fehlverhalten. „In diesem Verfahren dauern die Ermittlungen an“, so Stefan Gleissner, Staatsanwalt. Die entsprechende Anzeige war im Februar 2022 bei der Polizei eingegangen.

Kann der neueste Bericht des Medizinischen Dienstes von jedem eingesehen werden?

Das ist noch nicht der Fall. Der Bericht des Medizinischen Dienstes vom 6. Juli lag bereits bei der Ausschusssitzung vor, erklärt Landkreis-Sprecher Philipp Koenen auf Nachfrage. Auch die Anordnungen der Heimaufsicht lagen vor und wurden im Ausschuss im Einzelnen vorgestellt. „Worauf der Landkreis keinen Einfluss hat, ist, wann der Medizinische Dienst den Prüfungsbericht im Internet veröffentlicht“, so Koenen. Auf der Internetseite „AOK Pflegeheimsuche“ ist unter anderem ein Prüfbericht aus März 2023 veröffentlicht. Dem liege noch die externe Prüfung aus dem Mai 2022 zugrunde, so Koenen. Abrufbar ist er unter https://link.zgo.de/Seniorenwohnanlage.

Der Medizinische Dienst der Krankenkassen hatte die Einrichtung in diesem Jahr erneut geprüft. Foto: Wolters/Archiv
Der Medizinische Dienst der Krankenkassen hatte die Einrichtung in diesem Jahr erneut geprüft. Foto: Wolters/Archiv

Wie häufig besucht derzeit die Heimaufsicht die Seniorenwohnanlage?

Laut Koenen ist die Heimaufsicht weiterhin einmal wöchentlich in der Seniorenwohnanlage zur „unterstützenden Überprüfung“. Dabei würden auch immer wieder ein bis zwei Personen begutachtet, um die Qualität der Pflege festzustellen, erläutert der Sprecher. „Diese Maßnahme dient dazu, bereits erzielte Fortschritte zu sichern und weitere Verbesserungen zu erzielen, sofern dies noch erforderlich ist.“

Wann besucht der Medizinische Dienst das nächste Mal die Einrichtung?

Der Medizinische Dienst kontrolliere Pflegeeinrichtungen in regelmäßigen Abständen, üblicherweise jährlich, erläutert Koenen. Es gebe sowohl angekündigte Überprüfungen als auch unangekündigte Kontrollen aufgrund von Hinweisen. Nur bei guten Prüfergebnissen in der Vergangenheit erfolge die Prüfung alle zwei Jahre. Für die Seniorenwohnanlage Heisfelde sei bisher keine erneute Prüfung angekündigt, teilt der Landkreis-Sprecher mit.

Besteht weiterhin ein Aufnahmestopp für neue Bewohnerinnen und Bewohner?

„Ja, dieser Aufnahmestopp gilt zunächst weiter“, teilt Koenen mit. Eine Prognose, ob und wann der Belegungsstopp aufgehoben werde, sei derzeit nicht möglich. Derzeit leben in der Seniorenwohnanlage 49 Bewohnerinnen und Bewohner. Die Heimaufsicht hat laut Koenen aber inzwischen eine andere Anordnung aufgehoben: Die Seniorenwohnanlage müsse für die Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner nicht länger zwei zusätzliche Pflegefachkräfte über den festgelegten Personalschlüssel hinaus beschäftigen. Die jetzt erreichte Pflegequalität solle auch mit einer Normalbesetzung nachgewiesen werden.

Wie läuft es mit der neuen Pflegedienstleitung?

„Sie hat sich gut eingearbeitet“, so Koenen. „Der Landkreis Leer ist sehr zufrieden.“

Welche weiteren Maßnahmen werden derzeit umgesetzt, um die Pflege zu verbessern?

Es gibt nach Angaben der Kreisverwaltung eine ganze Reihe von Maßnahmen, die umgesetzt würden, „um den Bewohnerinnen und Bewohnern eine gute Pflege und Betreuung zu bieten“. Dazu gehören laut Koenen zum Beispiel:

  • wöchentliche „Heimleitungsvisiten“ von Heimleitung und Pflegedienstleitung
  • Fortbildungen der Mitarbeitenden
  • Umsetzung des neuen Konzepts für die Betreuung
  • Intensivierung der Pflegevisiten und Fallbesprechungen
  • Neuregelung der Kommunikation mit Ärzten
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