Burladingen  Ein Unternehmer, der gern aneckt: Rückblick auf die Ära Wolfgang Grupp

Leonie Heinrichs
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Von Leonie Heinrichs
| 07.11.2023 17:22 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Wolfgang Grupp steht am Trigema-Firmensitz in Burladingen. Foto: dpa/Bernd Weißbrod
Wolfgang Grupp steht am Trigema-Firmensitz in Burladingen. Foto: dpa/Bernd Weißbrod
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Trigema-Chef Wolfgang Grupp ist eine der schillerndsten Persönlichkeiten der deutschen Wirtschaft. Bekannt ist der 81-Jährige unter anderem für seine provokanten Aussagen. Wir werfen einen Blick darauf, was den Unternehmer ausmacht.

Wolfgang Grupp, Geschäftsführer des Bekleidungsunternehmens Trigema, wird sich nach 54 Jahren zurückziehen. Der Firmen-Patriach übergibt die Unternehmensspitze ab dem 1. Januar 2024 an seine Kinder Bonita und Wolfgang. Anders als andere Unternehmer scheute sich Grupp nicht, Einblicke in sein Leben zu geben und seine Meinung kundzutun.

Der studierte Diplom-Kaufmann wurde 1942 in Burladingen, Baden-Württemberg, geboren und übernahm 1969 die Geschäftsführung des 1919 gegründeten Textilunternehmens. Mit eiserner Hand führte er es aus den roten Zahlen und legte einen konservativen Führungsstil an den Tag. Bis heute ist er seiner Heimat treu geblieben, seine Villa steht gegenüber seines Lebenswerks. Der SWR betitelte ihn als „König von Burladingen“.

Während viele Unternehmen ihre Produktionsstätten ins Ausland verlegten, stand für Grupp fest, er bleibt in Deutschland. Er wurde vor allem mithilfe eines Werbespots für diese Firmenphilosophie bekannt.

Der breiten Masse wurde Wolfgang Grupp durch den Trigema-Affen ein Begriff. Der Werbespot mit einem, ab 2018 animierten, Schimpansen in Business-Kleidung und einem Auftritt von Grupp in der Produktionsstätte in Burladingen wurde ab 1992 direkt vor der „Tagesschau“ in der ARD abgespielt. In den Videos spricht er sich für den Produktionsstandort Deutschland aus.

Der Textilunternehmer gibt, anders als andere reiche Unternehmerfamilien, immer wieder Einblicke in sein Privatleben. Zum Beispiel lud er Kamerateams zu sich nach Hause ein und zeigte in Talkshows private Aufnahmen.

Auch fällt er immer wieder durch seine provokanten und konservativen Aussagen auf. So fordert er unter anderem die Haftbarkeit großer Firmenchefs und hält nichts vom Homeoffice: „Je mehr Leute studiert haben, desto mehr Homeoffice wollen sie. Aber bei mir können sie sich dann auch gleich arbeitslos melden, weil sowieso keiner merkt, ob sie arbeiten oder nicht.“

Auch die Amerikaner kriegen ihr Fett weg. In der Talk-Show von Gregor Gysi „Missverstehen Sie mich richtig“ äußerte sich der Familienunternehmer mit den Worten: „Ich halte von den Amerikanern nichts”.

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Zum 100-jährigen Firmenjubiläum 2019 erhielt der Unternehmer, der sich stets in Anzug mit Krawatte und Einstecktuch präsentiert, das Bundesverdienstkreuz von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

Mit dpa-Material

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