ÖPNV im Nordkreis Cloppenburg  Wie stehen die Chancen auf Reaktivierung der Bahnlinien?

roland kühn
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Von roland kühn
| 07.11.2023 15:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Unterstützung: Cloppenburgs Landrat Johann Wimberg (mit Gutachten, links) und Emslands Kreisrat Michael Steffens (vorne rechts) überreichten ihre Prüfungsergebnisse an Minister Olaf Lies (Mitte). Foto: Kühn
Unterstützung: Cloppenburgs Landrat Johann Wimberg (mit Gutachten, links) und Emslands Kreisrat Michael Steffens (vorne rechts) überreichten ihre Prüfungsergebnisse an Minister Olaf Lies (Mitte). Foto: Kühn
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Eine Wirtschaftlichkeitsprüfung ergab, dass es sehr teuer werden dürfte, die Schienenstrecken Cloppenburg-Friesoythe und Essen/Oldenburg-Meppen zu reaktivieren. Das ist Thema im Verkehrsausschuss..

Cloppenburg/Friesoythe - Die Chancen für eine weitergehende Überprüfung der Reaktivierung der ehemaligen Bahnstrecken zwischen Cloppenburg und Friesoythe sowie Essen/Oldenburg und Meppen dürften seit dem vergangenen Freitag gestiegen sein. Cloppenburgs Landrat Johann Wimberg und Emslands Kreisrat Michael Steffens überreichten Olaf Lies, Niedersächsischer Minister für Wirtschaft, Bauen, Verkehr und Digitalisierung, ein druckfrisch vorliegendes Kosten- und Nutzungs-Gutachten zu den beiden Strecken. Dabei herausgekommen ist „auch ein für uns überraschend positives Ergebnis“, so Wimberg. Bei der Übergabe des Werks waren auch mehrere kommunale Vertreter und Landtagsabgeordnete beider Landkreise anwesend.

Der Cloppenburger Kreistag, in dessen Verkehrsausschusssitzung an diesem Dienstag, 5. November, die Gutachten besprochen werden sollten, hatte zuletzt an das Büro „PTV Transport Consult“ in Karlsruhe eine Bewertung für Betriebskonzepte auf beiden Strecken beauftragt, nachdem bereits vor zwei Jahren das Institut für Verkehrswesen, Eisenbahnbau und –betrieb der TUBraunschweig in einer Studie zur Reaktivierung des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) auf beiden Linien zu einem positiven Ergebnis gekommen war.

Nicht mal ein Viertel schaffte es in die Endauswahl

„Große Überraschung herrschte dann bei uns“, so Wimberg an Lies gewandt, als das Land von 54 zur Reaktivierung vorgeschlagenen Bahnstrecken lediglich 14 in die zweite Prüfungsstufe hob. Im gesamten Nordwesten blieb allerdings ein „weißer Fleck“. Um in die nächste Stufe zu gelangen, mussten 19 Punkte erreicht werden. Die Strecken in den Kreisen Cloppenburg kamen auf 11 Punkte (Essen-Meppen) sowie 18 Punkte (Cloppenburg-Friesoythe). Kritisch sah der parlamentarische Lenkungsausschuss insbesondere die hohen Infrastrukturkosten. Damit sind vor allem die Erneuerung der eigentlichen Strecke, die Einrichtung von Haltestationen sowie die Sicherung von Straßenübergängen gemeint.

Mit einem „Sicherheitszuschlag“ von 30 Prozent veranschlagt PVT für die Strecke zwischen Kreisstadt und Hansestadt auf rund 19 Millionen Euro, kommt eine Verlängerung über den Küstenkanal nach Sedelsberg und Ocholt hinzu, sind 38 Millionen Euro fällig. Würde lediglich zwischen Sedelsberg und Ocholt gebaut, würde das 23,6 Millionen Euro kosten. Laut Gutachten etwa 23 Millionen Euro müssten Bund und Land für die Strecke Essen/Ol. nach Meppen auf den Tisch legen. Die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung, die beide Kreise nun vorlegten, sieht Wimberg als „konkreten Anlass“ für das Land, die bisherige Einstufung der beiden Linien noch einmal zu überdenken. Ab einem Kosten-/Nutzen-Faktor von 1,0 kann grundsätzlich die Reaktivierung einer Strecke in Erwägung gezogen werden.

Hoher Kosten-Nutzen-Faktor

Die PVT-Analyse schreibt der Strecke Cloppenburg-Friesoythe einen Faktor 4,18 zu, wird sie länger, liegt dieser Faktor bei 2,25. Für die Linie Essen/Ol. nach Meppen ist der Faktor mit 4,57 sehr hoch. Lies versprach eine Überprüfung der bisherigen Entscheidungen, und bemängelte grundsätzlich den Kriterienkatalog des Bundes, der hinsichtlich der Einzugsgebiete sowie der Zustiegs- und Beförderungszahlen fast „ausschließlich auf urbane Räume“ abstelle. Das müsse geändert werden.

Letztlich sei die jetzige Einstufung nicht das Ende aller Planungen. Er versprach, sichten zu lassen, wo denn der eine oder andere Punkt gefehlt habe. Mit ihren eigenen Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen seien die beiden Landkreise jedenfalls weit vorne. Sie könnten auch als gutes Beispiel in den Gesprächen mit Berlin nützen, und wie sich die SPNV-Beziehungskreise in Flächenlandkreisen darstellen.

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