Spontan ein Kunstwerk für immer Darf′s zum Pulli noch ein Tattoo sein?
Deutschlandweit gibt es bei Veranstaltungen immer häufiger Tattoo-Aktionen. Dieser Trend ist auch in Ostfriesland angekommen: In Leer konnten Kunden sich auf Shopping-Tour spontan tätowieren lassen.
Leer - Dieser Pulli, neue Schuhe, danach noch einen Kaffe – und ein kleines Tattoo dazu? Beim Shopping in Leer gab es in der Vergangenheit bereits zweimal die Möglichkeit, sich in der Innenstadt bei Veranstaltungen spontan tätowieren zu lassen. Wer lässt sich mehr oder weniger ungeplant ein Kunstwerk für immer unter die Haut stechen? Wie kamen die Geschäfte auf diese Idee? Und hat dieses Konzept Erfolg? Diese Zeitung hat nachgefragt.
Bei der Langen Modenacht im September in Leer konnten sich Kunden, die Waren im Wert von 250 Euro bei Leffers gekauft hatten, im Anschluss ein kostenloses Tattoo im Modehaus stechen lassen. Die Tätowiererin Leila Janssen hatte dafür ihr Equipment aufgebaut und rund 200 Motive vorbereitet. „Ich war überrascht, wie gut das angenommen worden ist“, sagt sie. 17 Leute hatten sich an dem Tag bei ihr unter die Nadel gelegt – mehr oder weniger spontan. „Einige hatten im Vorfeld von der Aktion gehört, andere waren aber tatsächlich einfach zum Shoppen unterwegs und haben sich dann ganz spontan noch für ein Tattoo entschieden.“
Die Tätowiererin hatte in der Vergangenheit ihre Ausbildung zur Dekorateurin in dem Leeraner Modehaus gemacht, dadurch sei auch der Kontakt zustande gekommen. Mareike Manssen, Mitarbeiterin bei Leffers in Leer, hatte im Vorfeld mit an der Idee gewirkt. „Wir wollten mal was Außergewöhnliches, Junges machen, was nicht so 08/15 ist“, sagt sie. Die Aktion sei so gut angekommen, dass bereits über eine Wiederholung nachgedacht werde. „Wahrscheinlich werden wie so etwas auch bei unserem VIP-Shopping im kommenden Jahr anbieten“, sagt Manssen. „Tattoos sind mittlerweile ein Modetrend“, sagt Tätowiererin Leila Janssen. Nicht immer müsse ein lange durchdachter Sinn hinter dem Motiv stecken. „Das macht jeder, wie er mag. Manchmal ist es vielleicht auch eine nette Erinnerung an einen schönen Tag“, sagt sie. Das wichtigste sei, dass auch bei solchen Aktionen, die nicht im Studio stattfinden, Hygienestandards eingehalten würden, so die Fachfrau.
Mit Blumenstrauß zur Neueröffnung, mit Tattoo wieder raus
Auch beim Tag der offenen Tür des Bettenhauses Feder und Bett in Leer hatte es eine ähnliche Aktion gegeben. „Die Bettenbranche hat ja eher ein etwas eingestaubtes Image“, sagt Inhaberin Thalea Schlosser, „wir wollten mit der Aktion zeigen, dass gute Qualität und Bodenständigkeit auch jung und modern sein kann.“ Die Tätowiererin Rena Hase aus Papenburg hatte für den Tag kleine Motive mit Schlafbezug angefertigt, beispielsweise kleine Eulen, einen Mond oder Sterne. Aber auch Herzen wurden unter die Haut gebracht. Anders als bei Leffers konnten sich Interessierte bei Feder und Bett kostenlos tätowieren lassen. „Wir hatten eine kleine Kasse für freiwillige Spenden aufgestellt. Das Geld haben wir anschließend dem Kinderschutzbund gespendet“, sagt Schlosser.
Eine der Kundinnen, die sich an dem Tag der offenen Tür ein kleines, spontanes Tattoo gegönnt hat, war Karolina Neuland. Die Leeranerin betreibt nur einige Meter weiter die Boutique Kalo und war zu ihren Nachbarn gegangen, um einen Blumenstrauß zur Neueröffnung vorbeizubringen. „Ich habe die Aktion gesehen und gar nicht lange überlegt“, sagt sie. Seitdem prangt ein kleiner Halbmond an ihrem Knöchel. „Ich finde die Idee super. Früher gab es Häppchen, heute gibt‘s eben Tattoos zum Tag der offenen Tür.“