Neue Beschilderung  Politik besteht auf Stop-Zeichen in Jheringsfehn

Karin Lüppen
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Von Karin Lüppen
| 07.11.2023 10:59 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
An den Kreuzungen der Verbindungsstraße, hier an der Altebeek in Höhe Grundschule, sollen die "Vorfahrt achten"-Schilder durch Stoppschilder ersetzt werden. Foto: Lüppen
An den Kreuzungen der Verbindungsstraße, hier an der Altebeek in Höhe Grundschule, sollen die "Vorfahrt achten"-Schilder durch Stoppschilder ersetzt werden. Foto: Lüppen
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An der Verbindungsstraße in Jheringsfehn sollen die alten „Vorfahrt achten“-Schilder ersetzt werden. Nur an einer Stelle nicht.

Jheringsfehn - Schnurgerade zieht sich die Verbindungsstraße quer durch Jheringsfehn und macht ihrem Namen dabei alle Ehre. Kein Wunder, dass diese Strecke gerne und häufig benutzt wird. Doch dabei soll künftig an jeder Kreuzung ein Stoppschild zum Anhalten zwingen.

Was und warum

Darum geht es: An der Verbindungsstraße in Jheringsfehn sollen an den Kreuzungen Stop-Schilder montiert werden.

Vor allem interessant für: Menschen, die durch Jheringsfehn fahren

Deshalb berichten wir: Es hat dazu einen Beschluss in einem Moormerländer Ratsgremium gegeben.

Die Autorin erreichen Sie unter: k.lueppen@zgo.de

Jedenfalls, wenn es nach den Mitgliedern des Ausschusses für öffentliche Sicherheit in Moormerland geht. Für die Gruppe SPD/FDP hatte Thomas Buß den Antrag gestellt, an den Kreuzungen der Verbindungsstraße mit Georgswieke, Rudolfswieke, Altebeek und Neuebeek jeweils Stoppschilder aufzustellen. Aktuell gilt dort „Vorfahrt achten“.

SPD-Ratsherr sieht Gefahren

Buß begründet den Antrag mit „gefährlichen Situationen und Unfällen“. Seine Beobachtung schildert er in dem Schriftstück an die Verwaltung wie folgt: „Durch die jetzige Vorfahrtsregelung fahren die Verkehrsteilnehmer*innen weit in den Kreuzungsbereich, um Sicht in die querenden Straßen zu erlangen oder direkt darüber, ohne vorher zu stoppen.“ Die Verbindungsstraße werde von vielen Grundschülerinnen und Grundschülern genutzt, man erwartet mehr Sicherheit für die Kinder.

Mehr Sicherheit versprechen sich Politiker in Moormerland von einer neuen Vorfahrtregelung mit Stop-Schildern. Foto: Pixabay
Mehr Sicherheit versprechen sich Politiker in Moormerland von einer neuen Vorfahrtregelung mit Stop-Schildern. Foto: Pixabay

Die Gemeindeverwaltung ist anderer Ansicht, ebenso die Polizeiinspektion Leer/Emden, die auf Anfrage der Gemeinde eine Einschätzung zur Situation an der Verbindungsstraße abgegeben hat. Eine neue Beschilderung wird von der Polizei nicht befürwortet. Diese bringe keine zusätzliche Sicherung des Schulweges, wie die SPD/FDP argumentiert hatte. Im Gegenteil führe übermäßige Beschilderung zu „Überforderung und Ablenkung der Verkehrsteilnehmer“.

Polizei lehnt „Wohlfühlschilder“ ab

Beschränkungen und Verbote des fließenden Verkehrs seien nur aufgrund einer Gefahrenlage angemessen, heißt es in dem Schreiben der Polizei weiter. Der Verfasser wird noch deutlicher: „Sogenannte Wohlfühlschilder zur Beruhigung der Anwohner sollten demnach in keinem Fall aufgestellt werden.“ Eine besondere Gefährdung kann die Polizei nicht erkennen: Zwischen 2018 und 2022, also innerhalb von fünf Jahren, gab es an der Verbindungsstraße nur einen Unfall zwischen einem Fahrradfahrer und einem Pkw, der auf Missachtung der Vorfahrt zurückzuführen war.

Trotzdem stimmte der Ausschuss mehrheitlich für die Stoppschilder. An einer Kreuzung wird das jedoch nicht geschehen: Die Rudolfswieke ist eine Kreisstraße, dort hat die Gemeinde keine Handhabe. Laut Timo Pistoor vom Ordnungsamt der Gemeinde will der Landkreis dort die Beschilderung nicht ändern. Aus Sicht von Rainer Kottke, Ausschussmitglied für die Grünen, wäre es jedoch „ein Schildbürgerstreich, wenn ausgerechnet an der einzigen größeren und stärker befahrenen Kreuzung mit der Kreisstraße Rudolfswieke darauf verzichtet würde“. Kottke schloss sich der Stellungnahme von Polizei und Verwaltung an, er stimmte gegen den Antrag.

Das letzte Wort ist ohnehin noch nicht gesprochen: Der Antrag wird in dieser Woche noch dem Verwaltungsausschuss, dem ranghöchsten Gremium unterhalb des Gemeinderates, zur Beratung vorgelegt.

Was nützen Stoppschilder?

Stoppschilder allein hatten in Holterfehn nicht für mehr Sicherheit gesorgt. Dort gab es an der sogenannten Meyerhoff-Kreuzung immer wieder schwere Unfälle, weil Autofahrer die Beschilderung übersehen hatten und über die Vorfahrtstraße hinweggefahren waren. Schließlich ließ der Landkreis Leer ein gelbes Blinklicht aufstellen, um auf die Gefahrensituation hinzuweisen. Danach habe sich die Situation entschärft, teilte der Landkreis Leer seinerzeit mit. Unfälle mit Schwerverletzten gab es trotzdem noch – aber seltener. Die Gemeinde Ostrhauderfehn plädierte dennoch für einen Kreisverkehr. Der Landkreis Leer hielt dies jedoch nicht für notwendig.

Vor einigen Jahren hatte der Automobilclub Europa (ACE) eine Untersuchung zum Verhalten an Kreuzungen gemacht. Dabei hatte sich herausgestellt, dass Stoppschilder und rote Ampeln regelmäßig ignoriert werden. Vor allem in Großstädten war fast jeder zweite Autofahrer nicht wie vorgeschrieben angehalten, bei Radfahrern waren es sogar 62 Prozent. Ein Sprecher des ACE kommentierte das damals in einem Zeitungsartikel so: „Wir haben schon den Eindruck gewonnen, dass das Stop-Schild mancherorts zu einer bedeutungslosen Straßendekoration verkommen ist.“

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