Übersetzung war Mammutaufgabe Jesus spricht Platt – Bibel jetzt auch auf Plattdeutsch erhältlich
Der ehemalige Kirchenpräsident Jann Schmidt hat die Texte des Neuen Testaments in die Heimatsprache übertragen. Das war nicht einfach, aber er hatte kundige Unterstützung.
Leer - Es dauerte mehr als zwei Jahre, brauchte 30 Zoom-Videokonferenzen und sieben persönliche Treffen. Nach diesem langen Prozess liegt sie da, in einem schlichten roten Hardcover und mit goldfarbenem Lesebändchen: die erste Übersetzung des Neuen Testaments in ostfriesisches Plattdeutsch seit vierzig Jahren. Die evangelisch-reformierte Kirche hat die Bibelübersetzung nun vorgestellt.
Die Hauptarbeit der Übersetzung lag beim ehemaligen Kirchenpräsidenten Jann Schmidt. Platt ist die Muttersprache des in Weener aufgewachsenen Theologen. Buchstäblich Vers für Vers hat er die 2000 Jahre alten Texte des Neuen Testaments übertragen. Obwohl er täglich Platt spricht, erwies sich die Übersetzung als eine Mammutaufgabe. Denn: „Unsere Sprache lebt und verändert sich“ – aber zur Aufgabenstellung gehörte, dass die Übersetzung für möglichst viele Ostfriesen lesbar sein soll.
Arbeitsgruppe mit sprachkundigen Theologen
Deshalb bekam Schmidt eine Arbeitsgruppe an die Seite, deren Mitglieder zum einen versierte Theologen sind, aber zum anderen aus verschiedenen Konfessionen und Gegenden Ostfrieslands kommen. Was Schmidt daheim am Schreibtisch übersetzte, ging anschließend an Bernhard Berends, Pastor der lutherischen Landeskirche Hannovers aus Filsum, Siek Postma, Pastor der reformierten Kirche in Jennelt, Angelika Scheepker, Pastorin der lutherischen Kirche in Aurich, Jan Lüken Schmid, ehemaliger Pastor der nordwestdeutschen Mennoniten-Gemeinden in Flensburg, Gerhard Schrader, ehemaliger Pastor der altreformierten Kirche in Bunde und Anne Ulferts, Pastorin der reformierten Kirche in Möhlenwarf.
Diese nahmen sich die Formulierungen vor und gaben auch kritische Rückmeldungen, erzählt Schmidt: „Das Wort gibt es bei uns nicht“, habe es geheißen, oder „So hat meine Mutter nie mit mir gesprochen.“ Gemeinsam habe man getüftelt und sei zu einer Übersetzung gekommen, die von der Krummhörn bis in das südliche Ostfriesland gut verstanden wird. Im Raum Wittmund könne einiges vielleicht ungewohnt klingen, vermutet Cornelia Nath, aber die Mehrheit der Ostfriesen werde mit diesem Text gut zurecht kommen.
Schwierige Wörter werden vermieden
Nath, ehemalige Leiterin des Plattdütsch-Büros bei der Ostfriesischen Landschaft, hat das Lektorat für „Dat Neei Testament“ übernommen. Die Organisation der Übersetzung lag in den Händen von Hilke Klüver, ehemalige Pastorin der reformierten Kirche in Leer. Sie verfolgte die Arbeit der Gruppe mit Interesse, wie sie sagt: „Es wurde um die Wörter hart verhandelt, manchmal ging es zu wie auf dem Beestmarkt.“
Aber wie klingt nun das Evangelium auf Platt? Als Beispiel zitiert Schmidt die Übersetzung des Beginns der Weihnachtsgeschichte, die jeder Christ kennt: „1 To disse Tied leet Kaiser Augustus all Minsken in sien Riek tellen. 2 Dat was för’t allereerste Maal, dat de heel Welt taxeert wurr, un dat geböhrde nett to de Tied, as Quirinius för Augustus in Syrien regeerde.“ Um das in der Luther-Bibel verwendete Wort des „Statthalters“, das heute schwer verständlich sei, zu umgehen, habe man die Formulierung „för Augustus in Syrien reggerde“ gewählt, erläutert Schmidt.
Auch Formulierungen wie „Das Licht nicht unter den Scheffel stellen“, wurden bei der Übersetzung in eine zeitgemäße Sprache übertragen. So heißt es in der neuen Übersetzung „Man maakt ok kien Lücht an un stellt dat unner en Emmer“. Anfangs hatte Schmidt noch die Aufgabe bekommen, die 1983 vom reformierten Pastor Gerrit Herlyn verfasst plattdeutsche Übersetzung zu modernisieren. Er habe aber gleich gemerkt: „Das geht überhaupt nicht.“ Denn Herlyn habe in einem ihm eigenen Stil ein „Gesamtkunstwerk“ geschaffen.
Sprache geht ins Herz
Aber das Platt vor 40 Jahren – und Herlyn schrieb so, wie er es in seinen Kindertagen gelernt hatte – war noch anders als das von heute, sagt Nath. In der nun vorliegenden Übersetzung habe es eine „Sprache, die verstanden wird und zu Herzen geht“, sagt Kirchenpräsidentin Susanne Bei der Wieden. Es könne von den Pastoren für ihre Predigtarbeit verwendet werden. Einen Eindruck davon gibt es beim Gottesdienst am Sonntag, 5. November, ab 16 Uhr in der Großen Kirche in Leer. Dort soll „Dat neei Testament“ vorgestellt werden. Der Bundestagsabgeordnete und parlamentarische Staatssekretär Johann Saathoff (SPD) aus Pewsum hält im Anschluss einen Vortrag über die Bedeutung von Regional- und Minderheitensprachen.
Das Buch ist im Foedus-Verlag in Solingen erschienen, kostet 22 Euro und kann über den Buchhandel bezogen werden. Es hat 720 Seiten auf Dünndruckpapier (ISBN 978-3-938180-83-9). Größere Bestellungen können beim Verlag aufgegeben werden, per E-Mail an info@foedus-verlag.de, ab fünf Exemplaren für 20 Euro pro Exemplar.