Größter Verein im KSB Leer 100 Jahre VfB Uplengen – Harm Schlachter ist seit 73 Jahren dabei
Der mitgliederstärkste Verein im Kreissportbund Leer feiert seinen 100. Geburtstag. Harm Schlachter ist seit seiner Jugend Mitglied beim VfB Uplengen und spielte schon Fußball mit Schweineblasen.
Uplengen - Was ist das für ein nettes Gespann. Mehrfach in der Woche sehen sich die beiden Nachbarn am Gartenzaun und unterhalten sich intensiv über ihr liebstes Hobby, nämlich den Sport. „Zu 90 Prozent geht es dabei um Fußball“, muss Harm Schlachter lachen. Der 88-Jährige ist seit 73 Jahren Mitglied beim VfB Uplengen und erhält die aktuellsten Vereins-Informationen aus erster Hand, schließlich ist VfB-Vorsitzender Ernst Baumann sein Gesprächspartner am Gartenzaun.
Der VfB Uplengen feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen, die große Jubiläumsfeier fand am 30. September im Uplengener Hof statt. Mit über 2000 Mitgliedern und mehr als 50 verschiedenen Sportangeboten ist der Verein der größte im Kreissportbund Leer. Die Zahlen steigen stetig an. Neben den klassischen Sportarten wie Fußball oder Tennis setzt der Verein auch auf Angebote wie zum Beispiel Latin Dance Fitness oder Indoor Cycling.
50 Kilometer auf dem Rad zum Auswärtsspiel
Auch der rüstige Harm Schlachter ist noch einmal in der Woche in einer Fitnessgruppe aktiv. Seinen Ursprung hatte der Verein allerdings im Fußballsport. Im Jahre 1923 wurde der VfB Remels gegründet. Auch Schlachter kann sich an seine Anfänge im Fußball noch sehr gut erinnern. „Wir haben Schweineblasen getrocknet und aufgepustet, das war unser Fußball. Natürlich hatte ich am Anfang keine Fußballschuhe, der Platz bestand aus gelbem Sand.“
Zu Auswärtsspielen wie zum Beispiel nach Bad Zwischenahn ist die Mannschaft mit dem Fahrrad hingefahren. Das waren dann neben dem Spiel noch mal so eben rund 50 Kilometer. „Duschen gab es auch keine, aber wir mussten ja eh noch wieder aufs Fahrrad“, berichtet Schlachter. Später stellte ein befreundeter Unternehmer für weite Fahrten schon mal seinen LKW zur Verfügung, auf der Ladefläche fuhr die Mannschaft dann zu den Spielen.
Kassierer holte Beiträge zu Hause ab
Die Mitgliedsbeiträge wurden damals vom Kassierer noch persönlich zu Hause abgeholt. Mitte der 50er Jahre zog es Schlachter aus beruflichen Gründen nach Düsseldorf, wo er auf einem ostfriesischen Abend auch seine Frau Käthe aus Wittmund kennenlernte. Das Paar zog es aber wieder in die ostfriesische Heimat, natürlich wurden später auch die Söhne Henri (erfolgreicher Leichtathlet) und Ingo (Basketball-Bundesligaspieler) Mitglieder beim VfB Uplengen. Schlachter trommelte nach seiner Rückkehr viele frühere Mitspieler zusammen und gründete mit ihnen eine Alte Herren-Fußballmannschaft.
„Der Verein bedeutet mir sehr, sehr viel. Er ist Heimat, ich bin immer noch mit ganz viel Herzblut dabei“, erzählt Schlachter. Bei den Heimspielen der ersten Herrenmannschaft in der Ostfrieslandliga kassiert er bei fast jeder Partie immer noch die Eintrittsgelder. Es gibt eine kleine Einschränkung, denn der leidenschaftliche Anhänger von Werder Bremen ist auch seit 38 Jahren im Besitz einer Dauerkarte und fährt mit dem Werderfanclub noch regelmäßig ins Weserstadion.
Einweihung des Kunstrasenplatzes am 1. Dezember
Dass die Erfolgsgeschichte des VfB Uplengen noch weiter geschrieben wird, davon ist Schlachter überzeugt. „Ich war damals sehr skeptisch aufgrund der Kosten und habe auf der Mitgliederversammlung gegen den Bau der Tennishalle gestimmt, mittlerweile ist die Halle ja schon lange abbezahlt. Der Vorstand hat die richtigen Entscheidungen getroffen. Jetzt dürfen wir uns in Kürze auf die Einweihung des Kunstrasenplatzes freuen“, blickt Schlachter schon mit Spannung auf die Einweihung am 1. Dezember.
So ist der Verein in seinen hundert Jahren nie stehengeblieben, hat sich vor allem auch unter dem Vorsitzenden Peter Walde (1982-2018) stetig weiterentwickelt. Und auch die nächsten Projekte sind schon in Planung. So möchte der Klub gerne ein neues Vereinsheim mit Bewegungsräumen bauen. „Wir haben in unseren Sportstätten eine Vollbelegung, platzen aus allen Nähten. Der Bau des Vereinsheims ist in der Planungsphase, seriöse Zeitpläne können wir da noch nicht nennen“, so Vorsitzender Ernst Baumann. Da sich auch die Eröffnung des Kunstrasenplatzes von Mai 2023 auf Ende des Jahres verschoben hat, finden zahlreiche Jubiläumsveranstaltungen anlässlich des 100-jährigen Bestehens wie zum Beispiel die Sportwoche erst im kommenden Jahr statt.
Wunsch: Wiederaufstieg und Klassenerhalt
Harm Schlachter hat zum Abschluss des Gesprächs noch zwei Wünsche für den kommenden Sommer: Den Wiederaufstieg des VfB Uplengen in die Bezirksliga und den Klassenerhalt von Werder Bremen. Diese Wünsche sollten dem längsten VfB-Vereinsmitglied doch zu erfüllen sein.