Baden-Baden  Wo Frank Elstner die letzte „Wetten, dass..?“-Sendung mit Gottschalk verfolgen will

Lars Laue
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Von Lars Laue
| 10.11.2023 06:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 7 Minuten
Der Erfinder von „Wetten, dass..?“, Frank Elstner (links), ist Ende 2021 in der Jubiläumsshow zu Gast und unterhält sich mit Moderator Thomas Gottschalk. Im Interview mit unserer Redaktion spricht der 81-Jährige auch über seine Krankheit Parkinson. Foto: Daniel Karmann/dpa
Der Erfinder von „Wetten, dass..?“, Frank Elstner (links), ist Ende 2021 in der Jubiläumsshow zu Gast und unterhält sich mit Moderator Thomas Gottschalk. Im Interview mit unserer Redaktion spricht der 81-Jährige auch über seine Krankheit Parkinson. Foto: Daniel Karmann/dpa
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Frank Elstner hatte einst die legendäre Samstagabendshow „Wetten, dass..?“ erfunden. Im Interview spricht der 81-Jährige über Moderator Thomas Gottschalk, darüber, wie er heute zu der Sendung steht und wie es ihm mit seiner Krankheit Parkinson geht.

Frank Elstner, Erfinder der legendären Samstagabendshow „Wetten, dass..?“, will die letzte Sendung mit Moderator Thomas Gottschalk am 25. November aus dem Publikum verfolgen. „Ich freue mich auf die letzte Sendung, die ich höchstwahrscheinlich im Publikum mitverfolgen werde, und hoffe, dass es ein schöner Abschied wird, an den man sich lange erinnert“, sagt der 81-Jährige im Interview.

Angesprochen auf eine mögliche Fortsetzung der Unterhaltungssendung mit einem Gottschalk-Nachfolger zeigt Elstner sich zerknirscht: „Über „Wetten, dass..?“ wurde leider so lange geredet und es wurde so viel kopiert, dass die Einmaligkeit dieser Sendung verloren gegangen ist.“

In dem Gespräch räumte der frühere Fernsehmoderator außerdem ein, dass es ihn lange belastet habe, einst sein Abi nicht bestanden zu haben. „Durchs Abitur gefallen zu sein, hat mich jahrelang verfolgt.“

Wie Elstner sein Abi-Trauma bewältigt hat, lesen Sie hier im kompletten Interview:

Frage: Herr Elstner, nicht als Floskel, sondern im Ernst: Wie geht es Ihnen?

Antwort: Mir geht es hervorragend.

Frage: Ich frage Sie auch wegen Ihrer Erkrankung an Parkinson, eine nach wie vor unheilbare Nervenkrankheit, die früher auch als Schüttellähmung bezeichnet wurde.

Antwort: Ich habe das große Glück, einen erstklassigen Arzt zu haben und noch dazu einen wunderbaren Mitarbeiter, der Sportwissenschaftler ist und es sich zum Ziel gemacht hat, Parkinsonkranken durch eine spezielle Intensivtherapie, die er zusammen mit einem Physiotherapeuten in Baden-Baden entwickelt hat, zu helfen. Parkinson ist bis heute ja nicht zu heilen, aber man kann den Verlauf dieser Krankheit durchaus beeinflussen, wenn man viel Sport treibt. Schwimmen, Tischtennis spielen, laufen, joggen, boxen, Nordic-Walking – all das hilft gegen die Krankheit und ich mache fröhlich mit. Ich muss ehrlich sagen, dass ich überrascht bin, dass ich schon so lange Parkinson habe, und dass es bei mir in einer verhältnismäßig ruhigen Form verläuft. Mein Arzt sagt mir: ,Frank, Du hast ein Parkinsönchen.‘

Frage: Was war der Grund dafür, dass Sie Ihre Erkrankung vor einigen Jahren öffentlich gemacht haben?

Antwort: Das ist ganz einfach: Meine Erfahrung, als ein in der Öffentlichkeit stehender Mann mit dem Publikum klarzukommen. Ich wollte es nicht der Boulevardpresse überlassen, über meine Krankheit zu berichten. Ich habe mir gesagt: Komm’, das machste jetzt selber, dann weißte wenigstens, dass es auch stimmt.

Frage: Viele Menschen verbinden Sie in erster Linie mit der Erfindung von „Wetten, dass..?“. Dabei haben Sie im Laufe Ihrer Karriere als Radio- und Fernsehmoderator viel mehr gemacht und erdacht. Stören Sie sich hin und wieder an der Reduzierung auf die Show?

Antwort: Nein. Eines ist doch klar: Wenn Sie so etwas erfunden und die ersten Jahre angekoppelt haben und dann auch noch den Moderator ausgesucht haben, der Ihnen nachfolgt, dann wird man ein Leben lang damit in Verbindung gebracht.

Frage: Sie hatten die Sendung damals an Thomas Gottschalk übergeben. Der formulierte kürzlich, die großen Zeiten der Samstagabendunterhaltung seien vorbei. Sehen Sie das ähnlich? Hat das Fernsehen überhaupt noch eine Zukunft?

Antwort: Das hat nicht nur Thomas Gottschalk gesagt, das sagen auch andere. Vor allem diejenigen, die keinen Erfolg mehr haben mit einer großen Samstagabendshow.

Frage: Das trifft auf Thomas Gottschalk aber ja nicht zu. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass er mit „Wetten, dass..?“ nach wie vor ein Millionenpublikum vor die Fernseher locken kann.

Antwort: Das zeigt: Wenn „Wetten, dass..?“ richtig gemacht wird, dann hat die Sendung auch Erfolg.

Frage: Ein Plädoyer für eine Fortsetzung?

Antwort: Nein. Über „Wetten, dass..?“ wurde leider so lange geredet und es wurde so viel kopiert, dass die Einmaligkeit dieser Sendung verloren gegangen ist.

Frage: Wünschen Sie sich nicht dennoch insgeheim eine Fortsetzung von „Wetten, dass..?“?

Antwort: Ich habe mir vorgenommen, über ein Wenn und Aber von „Wetten, dass..?“ nicht mehr zu spekulieren. Ich freue mich auf die letzte Sendung, die ich höchstwahrscheinlich im Publikum mitverfolgen werde, und hoffe, dass es ein schöner Abschied wird, an den man sich lange erinnert.

Frage: Es war die 192. Sendung von „Wetten, dass..?“ im Dezember 2010, als Wettkandidat Samuel Koch so schwer stürzte, dass er seitdem vom Hals abwärts querschnittgelähmt ist und im Rollstuhl sitzt. Wo und mit welchen Gedanken haben Sie diesen tragischen Unfall verfolgt?

Antwort: Ich war an dem Abend beim 50. Geburtstag eines guten Freundes und plötzlich kam jemand aus der Küche und berichtete von dem Unfall. Da war die Feier vorbei. Über zwei Dinge bin ich im Nachhinein sehr froh: Erstens, dass es Michelle Hunziker und Thomas Gottschalk gelungen ist, den richtigen Ton zu treffen, um die Sendung zu Ende zu führen.

Frage: Und zweitens?

Antwort: Dass Herr Koch es geschafft hat, seine beruflichen Ambitionen umzusetzen und dass er heute als gefragter Schauspieler seinen Weg geht.

Frage: So ein bisschen hat „Wetten, dass..?” seinen Ursprung ja in Osnabrück, oder?

Antwort: Das stimmt nicht so ganz.

Frage: Sondern?

Antwort: Richtig ist, dass ich in Osnabrück ausprobiert habe, ob das Wetten an sich funktioniert beim Publikum.

Frage: Wie das denn?

Antwort: Michael Schanze und ich waren zu einer Veranstaltung in Osnabrück eingeladen. Michael hat sich an den Flügel gesetzt und seine Lieder gesungen und als ich auf die Bühne kam, habe ich den Gästen gesagt, dass ich vorhabe, mit ihnen zu wetten. So habe ich mit dem Publikum gewettet, dass es ihm nicht gelingt, aus den Hosenträgern der anwesenden Herren eine Kette zu bilden, die bis vor die Tür der Halle reicht. Die Folge war ein Ballsaal voller Männer, die ihre Sakkos auszogen, ihre Hosenträger abknüpften und daraus eine lange Schnur bis vor die Tür machten. Das war eine unglaubliche Gaudi und unfassbar tolle Stimmung in der Halle. Da habe ich gemerkt: Mensch, Du kannst mit dem Thema „Wetten, dass..?“ Menschen mobilisieren. Das zu wissen, reichte mir an dem Abend. Ich bin zurück nach Luxemburg gefahren, wo ich das Ganze zu Hause weiterentwickelt habe.

Frage: Und haben letztlich den wohl größten Showerfolg der Geschichte gelandet.

Antwort: Joa, das dürfen andere sagen, ich gehe mit so etwas vorsichtiger um.

Frage: Wer nach Frank Elstner googelt, stößt auf drei Ehen und fünf Kinder. Das hört sich nach einem bewegten Privatleben an.

Antwort: Das ist überhaupt nicht bewegt. Ich führe ein sehr ruhiges Privatleben. Mit meiner jetzigen Frau habe ich zwei Kinder und lebe mit ihr glücklich seit mehr als 30 Jahren zusammen. Zeigen Sie mir gerade im Showbusiness mal eine so lange Partnerschaft. Ich glaube, da bin ich ein gutes Beispiel.

Frage: Wie sieht denn der Alltag von Frank Elstner aus?

Antwort: Wenn ich daran denke, was ich auch heute noch so alles mache, scheine ich schon ein bisschen ein Workaholic zu sein. Es macht mir einfach Spaß, über Dinge nachzudenken, die man verändern kann. Wenn ich Fernsehen gucke, was ich immer weniger tue und was meine Kinder schon gar nicht mehr machen, dann habe ich immer das Gefühl, ich sitze vor einer Schulaufgabe. Bei jedem Bild, das ich sehe, fällt mir ein anderes Bild ein. Ich bin halt kein normaler Konsument von Bewegtbildern, sondern ich überlege ständig, wie man das noch besser hätte umsetzen können.

Frage: Sie sind ein Beispiel dafür, wie man auch ohne Abitur eine große Karriere machen kann.

Antwort: Durchs Abitur gefallen zu sein, hat mich jahrelang verfolgt. Damals habe ich mir geschworen, nie wieder in eine Situation zu kommen, in der andere Menschen darüber entscheiden, ob ich Karriere mache oder nicht. Ich habe nach dem ersten Scheitern beim Abi dann einen zweiten Anlauf unternommen, aber denselben Trottel als Klassenlehrer bekommen. Dann bin ich aufgestanden und habe gesagt: Macht’s gut, Jungs, mich seid ihr los.

Frage: Die letzte Ausgabe von „Wetten, dass..?“ mit Thomas Gottschalk ist für den 25. November dieses Jahres geplant. Ein trauriger Tag für Sie?

Antwort: Ich warte die Situation ab. Ich habe so oft in meinem Leben Abschied geübt, dass ich nicht damit rechne, dass mich das umhauen wird.

Frage: Ich erlebe Sie trotz Ihrer schweren Krankheit als ausgesprochen positiven Menschen. Wie schaffen Sie es, so optimistisch und guter Dinge durch die Welt zu gehen?

Antwort: Das ist ganz einfach: Wenn ich das Gegenteil tun würde, wäre ich ein griesgrämiger und trauriger Mensch – und der will ich nicht sein.

Lesen Sie auch: Das letzte Mal Wetten, dass...? mit Thomas Gottschalk: Die Show in Zahlen

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