Hamburg  Signa Holding in der Finanzkrise: Neben Hamburger Elbtower auch Galeria Kaufhof in Gefahr?

Maria Lentz
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Von Maria Lentz
| 01.11.2023 19:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Erst seit dem Sommer ist Galeria aus dem Insolvenzverfahren heraus. Doch es steht nicht gut um die Kaufhauskette. Foto: dpa/Christoph Reichwein
Erst seit dem Sommer ist Galeria aus dem Insolvenzverfahren heraus. Doch es steht nicht gut um die Kaufhauskette. Foto: dpa/Christoph Reichwein
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Der Baustopp am Elbtower in Hamburg sorgte für Aufsehen. Die Signa Holding mit Chef René Benko zahlt nicht mehr. Und es ist nicht das einzige Projekt, das betroffen ist. Auch die Kaufhauskette Galeria gehört dem österreichischen Selfmade-Milliardär. Wie groß sind die Probleme?

Knapp eine Milliarde Euro soll der Elbtower, das privat finanzierte Wolkenkratzer-Projekt in der Hamburger Hafencity, kosten und am Ende mit 245 Metern Höhe alle Gebäude der Metropole überragen. Doch vergangene Woche wurden die Arbeiten daran eingestellt. Das österreichische Immobilienunternehmen Signa Holding zahlt nicht mehr.

Gleiches gilt für ein weiteres Hamburger Bauprojekt in Signa-Hand, wie das „Hamburger Abendblatt“ berichtet: Wegen ausstehender Zahlungen wird am Gebäudeensemble Flüggerhöfen am Rödingsmarkt nicht weitergebaut.

Auch bei einem Großbauprojekt in Stuttgart wurde laut „Stuttgarter Zeitung“ inzwischen ein Baustopp verhängt. In diesem Fall zog René Benko offenbar selbst die Notbremse. Dem Bericht zufolge erhielt das leitende Architekturbüro den Auftrag, die Planung für den Neubau der sogenannten Sportarena, in der sowohl Handels- als auch Büroflächen entstehen sollen, zu unterbrechen.

Neben der Immobiliensparte ist offenbar auch die Handelssparte der Signa Holding in Bedrängnis. Die Kette Sportscheck, die zu Signa Retail gehörte, ist bereits Mitte Oktober an den britischen Modehändler Frasers verkauft worden.

Ende Oktober dann die Nachricht, dass die Tochterfirma Signa Sports United (SSU) beim Amtsgericht Bielefeld einen Insolvenzantrag gestellt hat. Kurz zuvor hatten bereits deren Töchter, der Tennis-Shop „Tennis Point“ und die Gesellschaft „Internetstores“, die für die Fahrrad-Verkaufsplattform „Fahrrad.de“ bekannt ist, Insolvenz angemeldet.

Und dann ist da noch die Warenhausgruppe Galeria Karstadt Kaufhof. Nachdem Signa-Chef René Benko 2014 zunächst Karstadt übernahm, folgte 2019 auch der Kauf von Galeria – inklusive der dazugehörigen Immobilien. Erst im Sommer dieses Jahres kam die Kaufhauskette aus einem Insolvenzverfahren heraus. Droht nun die nächste Insolvenz?

Galeria-Chef Olivier van den Bossche äußerte sich gegenüber des „Handelsblatts“ positiv gestimmt: Die Warenhäuser würden demnach bereits wieder profitabel arbeiten. Demnach hätten die 92 Filialen, die weitergeführt werden sollen, im Oktober ein Umsatzplus von 4,6 Prozent erreicht.

Geritt Heinemann, ein Handelsexperte von der Hochschule Niederrhein, zeichnete im Gespräch mit dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (RND) jedoch ein ganz anderes Bild: Nach Abzug der inflationsbedingten Preissteigerungen, die Bossche in seinen Ausführungen unter den Tisch fallen ließ, ergebe sich erneut ein Minus – und zwar von 1,5 Prozent.

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„Das Unternehmen  schreibt tiefrote Zahlen“, so Heinemann. Und: Von der Signa Holding sei angesichts der aktuellen Ereignisse seiner Meinung nach kein Geld mehr zu erwarten. Das Fazit des Handelsexperten: Alles deute darauf hin, dass eine neue Insolvenz „nicht mehr weit um die Ecke ist“.

René Benko sucht mehreren Medienberichten zufolge unterdessen nach Geldgebern für seine Signa-Gruppe. Er soll außerdem bereits den Firmensanierungsexperten Arndt Geiwitz, der sich auch darum gekümmert hatte, Galeria Karstadt Kaufhof aus der Insolvenz zu führen, engagiert haben.

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