St. Peter-Ording Ein Kult-Pfahlbau in St. Peter-Ording macht dicht – der neue wächst langsam
Peter-Ording. Die Strandbar 54° Nord ist zu einem Wahrzeichen von Sankt Peter-Ording geworden. Nun hat sie ihren vorerst letzten Tag erlebt.
Familie Klein hatte sich trotz regnerischen Wetters extra auf den Weg gemacht nach Sankt Peter-Ording, um sich von der geliebten Strandbar 54 zu verabschieden. „Wir haben gehört, dass sie zum letzten Mal geöffnet hat. Wir waren sehr oft hier“, berichtete Frederike Klein aus dem 90 Kilometer entfernten Itzehoe.
„Wir wollten nochmal eine Flasche Wein kaufen“, ergänzte ihr Mann Holger. Der selbstbewusste Spruch auf dem hier exklusiv ausgeschenkten Grauburgunder beschreibt sehr gut das Vergnügungsmotto auf dem sieben Meter über der Nordsee stehenden Pfahlbau: „Who the fuck is Sylt“.
Seit 2008 genossen Urlauber und Einheimische die große Terrasse und die gemütliche Gaststube. Nicht nur der Apple Crumble Cheesecake hat Kultstatus. Vorgänger war „Doris Strandcafé“, schon seit 1961 hat die Gemeinde an dieser Stelle am Ordinger Strand einen Gastronomiebetrieb verpachtet, ist auf der Homepage des Restaurants zu erfahren. Längst ist die Strandbar 54 Grad Nord mit ihrem langen Steg eines der bekanntesten Aushängeschilder von SPO. Am Mittwoch ging die „54“ – wie eigentlich in jedem Jahr – in die Winterruhe.
Doch diesmal soll alles ganz anders kommen. Nach dem Plan von Gemeinde und Tourismuszentrale als Eigentümer soll die Strandbar in der kommenden Saison in den neuen Pfahlbau umziehen, der gerade 245 Meter weiter östlich neu errichtet wird. Den alten Holzbau trifft das gleiche Schicksal wie viele andere der für Sankt Peter so typischen Konstruktionen, seit dem 1911 mit der sogenannten „Giftbude“ der erste Pfahlbau entstand. Er versinkt einfach zu weit in der Nordsee.
Jedes Jahr erobert sich das Meer bis zu acht Meter Strand. Deshalb mussten auch schon neue Toiletten- und Mehrzweckgebäude gebaut werden. „Das ist aufgrund seiner Lage und Art ein sehr besonderes Projekt, das auch sehr viel Abstimmung bedarf“, erklärte Katharina Schirmbeck, die als Tourismus-Direktorin Bauherrin des neuen Pfahlbaus ist. Die ursprünglich berechneten Kosten von 4,5 Millionen Kosten für das neue zweigeschossige Gebäude mit Flachdach wird aus liquiden Mitteln der TZ finanziert.
Teile der sieben Meter hohen Plattform sind montiert, eigentlich sollte der Bau bereits weiter sein. Das teilweise extreme Wetter mit einigen Sturmfluten in den vergangenen Monaten und die schwierige Lage auf dem Baumarkt brachten Probleme. „Ich bin froh über den Baufortschritt“, sagt Schirmbeck und räumt gleichzeitig ein Gerücht aus: Wegen des Hochwasserschutzes dürfte in den Wintermonaten zwar keine Baumaterialien auf dem Strand gelagert werden: „Aber wir werden im Winter weiter bauen“, mit viel Flexibilität. Allerdings sei man natürlich vom Wetter und Wasserstand abhängig.
Sobald der Rohbau steht, soll der Innenausbau beginnen, der zum Teil von der TZ, zum Teil vom Pächter vorgenommen wird. Die Tourismus-Chefin wollte sich nicht festlegen, wann konkret der Umzug von der alten in die neue Strandbar erfolgen kann. „Ob der Besonderheiten der Lage ist es schwierig zu prognostizieren, wenn wir fertig sind“, sagte Schirmbeck. Der Pächter selbst äußert sich gar nicht gegenüber der Presse zu dem ganzen Prozedere.
Melanie und Rainer Bindemann aus Stuhr bei Bremen sind schon gespannt auf die neue Strandbar, nachdem sie am vermutlich letzten Tag der alten erstmalig dort zu Gast waren. „Das hat schon was, direkt über dem Wasser zu sitzen“, bemerkten sie. Auch wenn die Wellen seltener direkt an die Pfähle peitschen, wird das Vergnügen dann noch ausgeweitet. Denn die neue „54“ soll ganzjährig geöffnet sein. Der Steg dorthin wird erweitert und beleuchtet. Aber wer weiß, vielleicht gibt es zunächst doch noch eine Verlängerung für den alten Kult-Pfahlbau, der erst abgerissen wird, wenn der neue fertig ist. Die Familien Klein und Bindemann sowie alle 54-Fans werden es verfolgen.