Migration in Ostfriesland So ist die Geflüchteten-Situation im Landkreis Leer
Seit Anfang Oktober gibt es eine neue Zuweisungsquote für Geflüchtete in Niedersachsen. Wie viele Menschen wirklich in den Kreis Leer kommen und wo sie untergebracht werden, verraten die Kommunen.
Landkreis Leer - Seit Jahren wird in Deutschland immer wieder heiß diskutiert, wie viele geflüchtete Menschen aufgenommen werden können und sollten. Um Geflüchtete gleichmäßig auf die Kommunen zu verteilen, gibt es in Niedersachsen eine Zuweisungsquote für Geflüchtete. Die aktuelle gilt seit 1. Oktober bis zum 31. März des kommenden Jahres und gibt unter anderem vor, wie viele Menschen die Landkreise in Ostfriesland bis dahin aufgenommen haben müssen.
Was und warum
Darum geht es: Seit Anfang des Monats gilt eine neue Quote für Geflüchtete in Niedersachsen. So wirkt sich das auf den Landkreis Leer aus.
Vor allem interessant für: Bewohner des Landkreises
Deshalb berichten wir: Wir wollten wissen, wie viele geflüchtete Menschen nun im Kreisgebiet untergebracht werden – und wie. Die Autorin erreichen Sie unter: r.heinig@zgo.de
Für den Landkreis Leer bedeutet das, dass in diesen sechs Monaten 1129 Menschen aufgenommen werden sollen, wie Kreissprecherin Maike Kuch auf Anfrage dieser Zeitung mitteilt. „Hierbei sind Asylbewerber, Geflüchtete aus der Ukraine und weitere humanitäre Aufnahmen (z.B. Ortskräfte) erfasst“, sagt sie. Aus der alten Quote muss der Landkreis Leer noch 335 Flüchtlinge aufnehmen. Hinzu kommen nach der neuen Quote weitere 794 Menschen.
Wie viele Geflüchtete sind im Landkreis Leer untergebracht?
Allein nach dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine seien etwa 2800 Ukrainerinnen und Ukrainer in den Landkreis Leer geflohen, so Maike Kuch. Rund 1900 von ihnen leben auch aktuell noch in den dortigen Gemeinden und Städten. Der Rest sei innerhalb Deutschlands verzogen oder bereits wieder ausgereist. Hinzu kämen knapp 1000 Geflüchtete – insbesondere aus dem Irak, der Türkei oder Syrien –, die zurzeit in den Kommunen untergebracht sind.
Wie werden die Geflüchteten den Kommunen zugewiesen?
Zwischen dem Landkreis Leer und den Städten und Gemeinden gebe es eine langjährige sogenannte Heranziehungsvereinbarung, erklärt die Kreissprecherin. „Die Landesaufnahmebehörde und die Kommunen stehen daher in direktem Kontakt miteinander“, sagt Kuch. Erstere verteile die Geflüchteten regelmäßig auf die einzelnen Städte und Gemeinden.
Ein Beispiel: In der ersten Novemberwoche wird eine Familie mit vier Personen zugewiesen, dann folgt eine Woche lang nichts, dann kommen wieder zwei einzelne Personen. So ginge es dann immer weiter, bis die Quote erfüllt ist. „Einige Kommunen melden sich auch direkt bei der Aufnahmebehörde und fragen neue Flüchtlinge an, wenn Platz frei geworden ist“, so die Kreissprecherin.
Wie viele geflüchtete Menschen leben in den einzelnen Kommunen?
Wie viele Menschen in die jeweiligen Kommunen kommen, bemesse sich am Anteil der Gesamtbevölkerung der Gemeinde oder Stadt innerhalb des Landkreises Leer, so Kuch. Die Redaktion hat in einigen Kommunen nachgefragt, wie viele es genau sind.
Stadt Leer
Nach der neuen Aufnahmequote, die der Landkreis der Stadt Leer am Mittwoch mitgeteilt hat, muss die Stadt bis Ende März 26 Flüchtlinge aufgenommen haben, wie Stadtsprecher Edgar Behrendt auf Nachfrage mitteilt. Da die Stadt im Oktober bereits 15 geflüchtete Menschen aufgenommen habe und in der nächsten Woche fünf weitere ankämen, müssten dann noch sechs untergebracht werden. Insgesamt sind in den von der Stadt angemieteten Wohnungen 350 Personen untergebracht.
Samtgemeinde Hesel
58 geflüchtete Menschen muss die Samtgemeinde Hesel bis Ende März unterbringen. Das teilt Marco Fuss, Fachbereichsleiter Menschen in der Samtgemeinde, mit. „Es werden fortlaufend Geflüchtete zugewiesen. Zuletzt eine fünfköpfige Familie“, sagt er. Insgesamt seien zurzeit 206 Geflüchtete durch die Samtgemeinde Hesel untergebracht.
Gemeinde Moormerland
In Moormerland liegt die aktuelle Quote noch nicht vor, wie Hans-Christian van Hoorn vom Sozialamt sagt. Aber: „Aufgrund der zwar angespannten, aber in der Gemeinde noch handhabbaren Lage, besteht derzeit die Absprache mit der Landesaufnahmebehörde, Flüchtlinge von dort in Abhängigkeit von verfügbarem Wohnraum abzufordern“, so van Hoorn. Dabei wurde von der Gemeinde zugesagt, wöchentlich eine „angemessene Personenzahl“ aufzunehmen. „Das können mal zwei, aber auch mal acht oder mehr Personen sein. Das hat den Vorteil, dass die Anforderungen entsprechend dem beziehbaren Wohnraum erfolgen können“, sagt van Hoorn. Lediglich in der vergangenen Woche sei dies ausgesetzt worden, da in der vorigen Woche bereits 21 Geflüchtete in Moormerland untergebracht wurden. Genaue Zahlen an geflüchteten Menschen werden in der Gemeinde zwar nicht erfasst, so van Hoorn, jedoch haben dort im Oktober 178 Menschen Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz bekommen.
Gemeinde Uplengen
Auch Uplengen nennt noch keine genaue Quote. Doch auch dieser Gemeinde werden laufend Geflüchtete von der Landesaufnahmebehörde zugewiesen. So sei erst wieder für den 14. November die Zuweisung einer vierköpfigen Familie aus Syrien geplant, wie Bürgermeister Heinz Trauernicht (parteilos) verrät. Zuletzt sei am 10. Oktober eine vierköpfige Familie aus der Türkei in Uplengen aufgenommen worden, sagt er. „Derzeit leben insgesamt 159 Flüchtlinge – 70 Asylbewerber und 89 ukrainische Flüchtlinge – in der Gemeinde Uplengen“, so Trauernicht.
Wie wohnen die Geflüchteten?
Die geflüchteten Menschen werden im Landkreis Leer dezentral in den Kommunen untergebracht, sagt Kreissprecherin Maike Kuch. Heißt: Große Sammelunterkünfte, wie sie 2016 eingerichtet wurden, soll es nicht geben. Das bestätigt der Leeraner Stadtsprecher Edgar Berendt. „Die Flüchtlinge werden in angemieteten Wohnungen untergebracht. Wenn es sich um Familiennachzüge handelt, können diese Personen manchmal auch bei der schon in Leer lebenden Familie unterkommen“, sagt er. Lediglich eine kleinere Sammelunterkunft gebe es aktuell in der Stadt: Dort sei Platz für 23 Geflüchtete, untergebracht seien dort aktuell acht Menschen. Auch in den anderen von dieser Zeitung befragten Kommunen setze man auf die Unterbringung in angemieteten Wohnungen.
Anmerkung der Redaktion: Zunächst hieß es, dass seit dem 1. Oktober bereits 794 Menschen aufgenommen wurden und bis zum 31. März 2024 nur noch 335 Flüchtlingen kommen werden. Dies ist allerdings nicht richtig. In den sechs Monaten muss der Landkreis insgesamt 1129 aufnehmen, 335 aus der alten Quote und 794 aus der neuen Quote.