Beitritt zum „Flusskontor“  Flusskreuzfahrtschiffe steuern immer häufiger Leer an

Jonas Bothe
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Von Jonas Bothe
| 27.10.2023 13:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Flusskreuzfahrtschiffe liegen in Leer auf der Nesseseite gegenüber dem Museumshafen. Foto: Wolters
Die Flusskreuzfahrtschiffe liegen in Leer auf der Nesseseite gegenüber dem Museumshafen. Foto: Wolters
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Leer wird für Flusskreuzfahrtschiffe immer beliebter. In diesem Jahr machen 33 von ihnen im Hafen Station – ein Rekord. Jetzt schließt sich die Stadt dem „Flusskontor“ an und will weiter profitieren.

Leer - Seit ein paar Jahren sind sie immer häufiger in Leer zu sehen: Flusskreuzfahrtschiffe. Im Jahr 2019 legten 24 von ihnen im Hafen an, 2020 seien sogar 27 angemeldet gewesen, so Edgar Behrendt, Pressesprecher der Stadtwerke, die den Hafen betreiben. Die Pandemie führte dazu, dass es bei zehn Flusskreuzfahrtschiffen geblieben ist. 2021 waren es wegen des Corona-Virus nur sechs. Dann folgte der erneute Aufschwung mit 27 Ankünften im vergangenen Jahr. In diesem Jahr steuert Leer auf einen neuen Rekord zu: 33 Flusskreuzfahrtschiffe werden voraussichtlich bis Jahresende die Ledastadt angelaufen haben. Nun möchte Leer in touristischer Hinsicht noch stärker davon profitieren. Deshalb kooperieren die Stadtverwaltung und die Stadtwerke Leer laut einer gemeinsamen Pressemitteilung ab sofort mit der Marketinggesellschaft „Flusskontor“.

Was und warum

Darum geht es: Die Stadt Leer ist der Marketinggesellschaft „Flusskontor“ beigetreten und will von Flusskreuzfahrtschiffen weiter profitieren.

Vor allem interessant für: Menschen, die sich für den Tourismus in der Stadt Leer interessieren

Deshalb berichten wir: Die Stadt Leer hatte eine Pressemitteilung geschickt. Wir haben weiter nachgefragt.

Der Autor erreichen Sie unter: j.bothe@zgo.de

Der Verbund war 2021 mit den Städten Papenburg, Emden und Lingen als „Flusskontor Ems“ gegründet worden, um gemeinsam den Wassertourismus entlang des Flusses auszubauen. Nachdem zuletzt auch Bremerhaven und Bremen aufgenommen worden waren, „sind nun endlich auch wir mit dabei“, wird Bürgermeister Claus-Peter Horst zitiert. Er freue sich, „dass seine monatelangen Bemühungen letztlich erfolgreich waren“, heißt es weiter. Die Rolle des direkten Partners der Gesellschaft „Flusskontor“ werden die Stadtwerke Leer übernehmen, da sie für den Betrieb des Hafens zuständig sind. Die Mitgliedschaft in der Gesellschaft kostet Stadt und Stadtwerke pro Jahr zusammen rund 20.000 Euro.

Klassische Fahrgebiete stärker von Klimawandel betroffen

„Die Flusskreuzfahrtschiffe sind eine Bereicherung für die Stadt, aber auch für das Umland“, betont Dennis Hillmer, Projektleiter beim „Flusskontor“. Ziel sei es unter anderem durch die Kaufkraft der Flusskreuzfahrtgäste die jeweiligen Innenstädte entsprechend zu beleben. Durch die Marketinggesellschaft sollen gezielt Reedereien und Veranstalter angesprochen und „auf das attraktive Fahrgebiet“ hingewiesen werden. Auch der intensive Austausch unter den Partnerstädten für die Verbesserung der Infrastruktur in den einzelnen Häfen wie Landstrom sowie Ver- und Entsorgung sei Ziel des Projektes.

Der Anleger der Flusskreuzfahrtschiffe ist bei den Häusern der Reedereien auf der Nesse. Foto: Wolters
Der Anleger der Flusskreuzfahrtschiffe ist bei den Häusern der Reedereien auf der Nesse. Foto: Wolters

„Insbesondere die Herausforderungen durch den Klimawandel führen dazu, dass die Ems und die Weser als Fahrgebiet immer attraktiver werden“, so Hillmer. So gebe es zunehmend Einschränkungen der klassischen Fahrgebiete von Flusskreuzfahrtschiffen wie Mosel, Rhein, Donau und Elbe. „Derzeit sind wir noch ein weißer Fleck bei den großen Reedereien“, sagt der Projektleiter. „Wir sind aber auf dem richtigen Weg.“ So sei man auf den wichtigen Fachmessen vertreten. Außerdem biete die Homepage der Gesellschaft den Reedereien für alle beteiligten Städte genaue Übersichten über die Voraussetzungen und Angebote.

Besucher kommen wieder in die Region

Am Ende dieses Jahres dürften laut Behrendt, der auch Sprecher der Stadt ist, rund 2700 Personen mit Flusskreuzfahrtschiffen nach Leer gekommen sein. Entsprechend der aktuellen DWIF-Studie für die Stadt Leer aus dem Jahr 2022 werde bei Tagesgästen von einem Ausgabevolumen von im Schnitt knapp 30 Euro täglich ausgegangen. „Somit dürften die Ausgaben der Besucher im Jahr bei mehr als 80.000 Euro liegen“, betont Behrendt.

Die „Thurgau Saxonia“ steuert Leer zum Wiehnachtsmarkt achter d‘ Waag an. Foto: Stadt Leer
Die „Thurgau Saxonia“ steuert Leer zum Wiehnachtsmarkt achter d‘ Waag an. Foto: Stadt Leer

Derzeit laufen bei den Stadtwerken laut Behrendt die Planungen zur Modernisierung der Anlegestelle für Flusskreuzer. Sie hätten das Ziel, das Umfeld für die dort ankommenden Touristen zu optimieren. „Es gibt ein Gesamtkonzept, zu dem viele einzelne Vorhaben gehören“, erklärt der Sprecher. „Wir gehen davon aus, dass wir mit diesem Projekt 2024 einen entscheidenden Schritt weiterkommen werden.“ Zu den Vorhaben gehöre es im Speziellen auch, bessere An- und Abreise-Bedingungen zu schaffen. Auf die Frage, ob Bürgermeister Claus-Peter Horst künftig die Passagiere der Flusskreuzfahrtschiffe persönlich willkommen heiße, antwortet Behrendt: „Vorgesehen ist, dass der Bürgermeister bei den Touren, die in Leer beginnen, zur Begrüßung an Bord kommt.“ Sofern es sein Terminkalender zulasse, werde er versuchen, auch das eine oder andere Mal bei weiteren Anläufen durch Flusskreuzfahrtschiffe dabei zu sein.

Flusskreuzfahrt zu Weihnachtsmärkten

Auch bei den Touristikern stößt der Beitritt auf positive Resonanz. „Es freut mich, dass Leer jetzt beim Flusskontor dabei ist“, sagt Kurt Radtke, Geschäftsführer der Touristik GmbH Südliches Ostfriesland. „Für das Feriengebiet ist das ganz toll“, freut sich Radtke, „das passt sehr schön ins Bild.“ Besucher, die mit den Flusskreuzfahrtschiffen anreisen, kämen später nochmal wieder, buchen eine Ferienwohnung oder ein Hotelzimmer. „Es ist ein kleines Zahnrädchen im Getriebe, das sehr gut reinpasst“, so Radtke.

Ein erstes Projekt, von dem Leer noch in diesem Jahr profitieren werde, sei eine weihnachtliche Kreuzfahrt, die das Flusskontor organisiert. Demnach steuert der Flusskreuzer „Thurgau Saxonia“ auf einer Weihnachtsmärkte-Tour neben Bremen, Bremerhaven, Papenburg, Emden und Lingen auch die Altstadt von Leer an. Zum Wiehnachtsmarkt achter d‘ Waag werde das Schiff Leer am späten Abend des 2. Dezembers – einem Sonnabend – anlaufen. Die Abfahrt ist für den späten Nachmittag des 3. Dezembers geplant. Damit werde auch gezeigt, dass auch die Wintermonate für Flusskreuzfahrten attraktiv seien. Nähere Informationen zu der Weihnachtsmärkte-Fahrt gibt es bei der Erlebnis Bremerhaven GmbH.

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