Sachstand im Oberledingerland Wenn die Friesenbrücke den Ausbau des schnellen Internets aufhält
Der Ausbau des schnellen Internets geht voran. Das sagen der Kreis Leer und auch die Deutsche Glasfaser. Wie ist der Stand der Dinge bei den Großprojekten – und was hat die Friesenbrücke damit zu tun?
Oberledingerland - Mit gleich zwei Großprojekten sollen die weißen Flecken – was das schnelle Internet angeht – im Oberledingerland verschwinden. Daran arbeiten die Kommunen in einem großen Bündnis als auch das Unternehmen Deutsche Glasfaser seit mehreren Monaten. Wir haben uns einen Überblick verschafft. Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten.
Um welche Gebiete geht es?
Die Deutsche Glasfaser ist seit gut einem Jahr dabei, sechs größere Gebiete auszubauen. Dabei handelt es sich vor allem um die Zentren in Westrhauderfehn, Collinghorst und Ostrhauderfehn sowie ein bereits abgeschlossenes Gebiet in der Gemeinde Westoverledingen. Mehr als 10.000 Kunden sollen so schnelleres Internet bekommen. Schwierigkeiten, den Ausbau privatwirtschaftlich zu finanzieren, gibt es bei abgelegeneren Gebieten mit einzelnen Häusern. Hier greift ein gemeinsames Projekt von den Kommunen, dem Landkreis Leer, dem Bund sowie der EWE. Dabei geht es um 7100 neue Adressen im Landkreis Leer, die bis Anfang 2025 zum Glasfasernetz gehören sollen.
Wie liegen die Projekte im Zeitplan?
Seit knapp eineinhalb Jahren arbeitet die Deutsche Glasfaser an dem Ausbau im Oberledingerland. Bis Mitte kommenden Jahres soll alles fertig sein. Westoverledingen ist bereits abgeschlossen, schreibt Sprecherin Kristin Hackhe und fügt hinzu: „Wir sind im Zeitplan.“ Beim Landkreis Leer sieht es ähnlich aus, wie Sprecher Philipp Koenen auf eine Anfrage antwortet. Eine Einschränkung gebe es aber: Im Bereich der Baustelle für die Friesenbrücke in Hilkenborg und Coldemüntje könne nicht parallel an Glasfaserleitungen und der neuen Eisenbahnbrücke gearbeitet werden. Das werde aber noch innerhalb des Gesamtzeitrahmens nachgeholt. Das Projekt soll Anfang 2025 abgeschlossen werden. Die Friesenbrücke soll einige Monate vorher – zum Winterfahrplan 2024 – fertiggestellt sein.
Was ist der aktuelle Stand?
6456 Kunden sollen durch die Deutsche Glasfaser allein in Rhauderfehn schnelles Internet bekommen. Insgesamt gibt es vier Gebiete, die nach den Verteilern aufgeteilt wurden. Diese Knotenpunkte werden auch Points of Presence beziehungsweise kurz PoP genannt. Die beiden an der Grundschule Rajen, wo die Arbeiten begonnen haben, und an der Dechant-Gels-Straße sind nahezu abgeschlossen. Dort gehe es nur noch um einige Hausanschlüsse. Gleiches gilt für die beiden PoPs (Nordstraße und Röntgenstraße) in Ostrhauderfehn. „Es werden derzeit noch Hausanschlüsse und Aktivierungen durchgeführt“, erläutert Hackhe. Derweil ist der Landkreis Leer mit dem Anschluss der beiden Gewerbegebiete in Ostrhauderfehn beschäftigt. Das soll laut Koenen noch im November abgeschlossen sein.
Wie geht es mit den beiden ausstehenden Gebieten der Deutschen Glasfaser weiter?
„Die Backbonestrecke wird gerade am PoP in der Roggemannstraße angeschlossen“, schreibt Hackhe. Mit Backbone ist die Hauptleitung gemeint. Grob erklärt: Die „bringt“ das schnelle Internet von Westoverledingen aus zum Fehn. Von den Verteilern geht es dann zu kleineren Verteilern näher an die Haushalte. Das wäre der nächste Schritt. Auch in den Straßen werden schon Leitungen verlegt. Sobald der PoP und die ersten Haushalte angeschlossen sind, können die Aktivierungen beginnen. Hackhe ist optimistisch: „Die Kundenaktivierungen sollen noch in diesem Jahr starten.“ Der Ausbau an den Haushalten gehe parallel dazu weiter.
Was ist mit Collinghorst und Holte?
Bei dem Großprojekt der Deutschen Glasfaser steht Collinghorst als letzter Ort auf der Liste. Doch schon bald soll auch dort mit den Arbeiten begonnen werden. „Die Arbeiten werden circa Mitte bis Ende November beginnen. Die Aktivierungen sind für Anfang 2024 geplant“, so Hackhe. In unmittelbarer Nähe will auch der Landkreis Leer mit einem größeren Teilstück beginnen. Das Gebiet RFH38 umfasst den größten Teil des Ortes Holte. Koenen kündigt einen Baustart für Dezember an.
Wo geht es beim Landkreis Leer weiter?
Eines der nächsten größeren Gebiete, die auf der Karte des Landkreises zu sehen sind, ist Klostermoor. Dort soll der Baustart kurz nach dem Jahreswechsel erfolgen. „Baustart bedeutet, dass zuerst die Verbindungstrassen zu dem jeweiligen Ausbaugebiet gebaut werden. Die einzelnen Hausanschlüsse werden eher am Ende einer geplanten Baumaßnahme errichtet“, schreibt Koenen. Die einzelnen Häuser werden zum Ende des einzelnen Projektes angeschlossen und aktiviert. Im Fall von Klostermoor (RHF 17) soll das im vierten Quartal erfolgen. Einen hausgenauen Plan gibt es auf der Webseite des Landkreises.
Was ist schnelles Internet?
Bei schnellem Internet wird in der Regel von Glasfaserleitungen gesprochen. Früher – vor dem Internet und in dessen Anfangszeiten – wurden Kupferkabel verlegt. Doch Glasfaser ist in der Regel deutlich schneller. Hier werden die Daten als Lichtimpulse statt elektronisch gesendet und empfangen – also mit Lichtgeschwindigkeit. Das Problem beim Kupfer: Die Datenübertragung gilt als störanfälliger und langsamer. Bei der Glasfaser-Technologie hat jedes Haus seine eigene Leitung beziehungsweise Faser.
Warum bleiben die Baustellen offen?
Das betrifft vor allem die Deutsche Glasfaser: In Ostrhauderfehn sowie im Zentrum von Rhauderfehn sind offenbar verwaiste, aber nicht verschlossene Baustellen auf den Bürgersteigen zu sehen. Hackhe erläutert, dass in einem ersten Schritt nur Leerrohre verlegt werden. Daher würden die Baustellen auch erst nur provisorisch verschlossen. Erst in weiteren Schritten kommen dann die eigentlichen Glasfasern. Durch diese Weise können die Arbeiten schneller wieder fortgesetzt werden. Sie verspricht: „Zum Ende der Bauarbeiten werden die Gehwege und Straßen endgültig und ordnungsgemäß wiederhergestellt. Bei einer Schlussbegehung wird der Zustand all dieser Oberflächen von der Gemeinde geprüft.“
Warum sich an dem Ausbau beteiligen?
Das Verlegen einer Leitung bis ins Haus kann teuer werden – oft mehrere Hundert Euro. Beide Projekte werben damit, dass sie – wenn während der Ausbauphase ein Vertrag abgeschlossen wird – die Hausanschlüsse kostenlos verlegen. Beim Ausbau durch den Landkreis muss kein Produktvertrag abgeschlossen werden, so Kreissprecher Koenen. Bei der Deutschen Glasfaser verpflichten sich Kunden, für zwei Jahre Internet durch das Unternehmen zu beziehen. Hackhe von der Deutschen Glasfaser verweist auf die Internetseite, wo es unterschiedliche Aktionen und Tarife gibt.