Osnabrück  Rebecca Seidler: Massive Bedrohungslage für jüdische Gemeinschaft in Deutschland

Justin Bernhard Hansman
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Von Justin Bernhard Hansman
| 24.10.2023 19:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinden Niedersachsen: Rebecca Seidler. Foto: dpa/Julian Stratenschulte
Die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinden Niedersachsen: Rebecca Seidler. Foto: dpa/Julian Stratenschulte
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Rebecca Seidler, Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinden Niedersachsen, spricht nach dem Angriff der Hamas auf Israel und den pro-palästinensischen Demos von einer noch nie dagewesen Bedrohungslage und von „psychischer Gewalt“ gegenüber Juden in Deutschland.

Der Angriff der Hamas auf Israel hat auch in der Bundesrepublik Entsetzen und Trauer ausgelöst. In vielen Städten Deutschlands wurde der Terror aber auch offen gefeiert. Es wurden Süßwaren verteilt und Parolen skandiert. Rebecca Seidler, Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinden Niedersachsen, sei mehr als bestürzt über die Ereignisse: „Wir sind erschüttert und wir sind fassungslos über das, was sich da bahnbricht“, sagte sie im Livetalk gegenüber unserer Redaktion. Überrascht hätten sie die Feste und die antisemitischen Ausschreitungen allerdings nicht, „denn wir haben das schon in der Vergangenheit gesehen.“

Auch frühere Raketenangriffen aus dem Gazastreifen auf Israel seien in Deutschland zelebriert worden. Die aktuelle Situation sei jedoch eine weitere Eskalationsstufe, die das Bedrohungspotenzial nochmals erheblich steigere, fügte Seidler hinzu.

Die Behauptungen, dass es sich bei den Anfeindungen gegen Juden, von denen seit dem 7. Oktober immer wieder berichtet wird, überwiegend um Sachbeschädigungen handeln würde, wies Seidler von der Hand. Ihrer und der Wahrnehmung der jüdischen Gemeinden in Deutschland zufolge, sei es die „psychische Gewalt“, welche das Leben von Juden in Deutschland derzeit so schwermache. Die Aufrufe in den sozialen Medien zu Angriffen auf jüdische Gemeinden und das Markieren von Häuserwänden mit Davidsternen führte sie als Begründung an.

Die Dimension dieser psychischen Gewalt sei neu, fuhr Seidler fort. Diese akute Bedrohungslage für die jüdischen Gemeinden in der Bundesrepublik hätte es vorher so noch nicht gegeben.

Die Frage unseres Moderatoren, ob Juden in Deutschland wieder Angst haben müssen, bejahte Seidler. Sie müssten „achtsam sein und wachsam sein“. Die Sicherheitsvorkehrungen in den jüdischen Gemeinden seien in Abstimmung mit den Sicherheitsbehörden nach dem 7. Oktober in ganz Deutschland erhöht worden, ergänzte sie. „Wir lassen uns von den Terroristen nicht unser jüdisches Leben hier in Deutschland nehmen“.

Sehen Sie hier den Expertentalk mit Rebecca Seidler und Rolf Tophoven in voller Länge:

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