Osnabrück „Nicht denselben Fehler machen”: Was Israel von David Petraeus lernen kann
Der Terror-Überfall der Hamas auf Israel ist vergleichbar mit den Anschlägen des 11. September in den USA. Die Antwort damals lautete: Rache. Einer der Köpfe beim folgenden Irak-Krieg war General David Petraeus. Von ihm können die Israelis lernen, welche Fehler sie jetzt vermeiden sollten.
Ich gebe zu, ich bewundere intelligente Menschen, die etwas erreicht haben. Noch mehr bewundere ich intelligente Menschen, die ihre Meinung ändern, wenn sie sehen, dass sie ein Ziel nicht erreichen können. Ein guter Entscheider passt eben seine Strategie an. Dafür bewundere ich David Petraeus. Von ihm können wir eine Menge lernen, welche Fehler die Israelis im Kampf gegen die Hamas und die Palästinenser nicht noch mal machen dürfen.
Erinnern Sie sich noch? Petraeus, dieser US-Amerikaner, Vier-Sterne-General und später Chef des Geheimdienstes CIA. Ein Name wie Donnerhall. Fast ein Jahrzehnt lang hatte Petraeus in der US-Armee führende Positionen inne, von 2008 bis 2010 als Oberbefehlshaber der US-Truppen im Irak und Afghanistan. Ein mächtiger, ein verantwortungsvoller Job. Er war damals derjenige, der im Irakkrieg die Aufstände radikaler Islamisten unter Kontrolle brachte.
Wissen Sie, wie Petraeus das gemacht hat? Er, der Feldherr und Militär, hat gemerkt, dass es nicht reicht, den Feind – also die Terroristen – militärisch zu besiegen. Sondern dass man den Kampf verbinden muss mit dem Aufbau eines funktionierenden Staates („Nation-Building”). Seine Erkenntnis lautete: Rache, wie sie die Amerikaner nach dem Anschlag vom 11. September 2001 in New York gelebt haben, ist keine Strategie.
So dachte Petraeus 2003 als Kommandeur im Irak völlig um und setzte alles daran, die Sympathien der Bevölkerung zu gewinnen. Er kümmerte sich um den zügigen Wiederaufbau und schickte seine 18.000 Soldaten unter das Volk, sie brachten binnen zehn Monaten 4500 Projekte auf den Weg. Die Kinder konnten wieder in die Schulen gehen, die Studenten zur Universität. Für die Sicherheit sorgte ansatzweise wieder eine Polizei. Die Situation blieb zwar verfahren, aber die USA hatten mehr Erfolg als in der Zeit zuvor: Die Terroristen verloren an Rückhalt.
Die Parallelen sind offensichtlich: Mit dem Terror-Überfall der Hamas hat Israel jetzt genau das Trauma erlitten, das die USA mit den Anschlägen vom 11. September erlebt haben. Jetzt nur auf Rache zu setzen, wäre falsch. Im Denken des David Patraeus heißt das: Israel muss sich schon jetzt darum kümmern, wie die Palästinenser im Gazastreifen und Westjordanland künftig leben sollen.
Wer wird die Infrastruktur und die zerstörten Gebäude wieder aufbauen? Wer wird für funktionierende Schulen und offene Supermärkte sorgen? Was kann man den Palästinensern bieten, die nicht mit der Hamas sympathisieren? Am Ende muss natürlich auch die palästinensische Frage angegangen werden, mit einer Lösung inklusive Westjordanland.
Auch wenn Israel im Moment mit der Hamas nicht reden kann, weil sie den jüdischen Staat zerstören will, so kann Israel doch mit anderen reden. Frieden zu schaffen ist nur möglich, wenn man auf die Bevölkerung zugeht, ihre Anliegen ernst nimmt und mit ihr gemeinsam an Konflikt-Lösungen arbeitet. Leider ist dazu im Moment fast nichts zu hören. Sollte Israel keine Vision für die Zeit danach haben, ist nur eines sicher: Dass die Terroristen bleiben werden. Wie schon so oft.