Top 500 des Manager-Magazins  Reichen-Ranking – diese ostfriesische Familie hat Milliarden verloren

Andreas Ellinger
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Von Andreas Ellinger
| 22.10.2023 12:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Milliardäre führen die Reichstenliste des Manager-Magazins an. In der Top500 sind auch zwei Frauen aus Ostfriesland. Symbolfoto: Büttner/dpa
Milliardäre führen die Reichstenliste des Manager-Magazins an. In der Top500 sind auch zwei Frauen aus Ostfriesland. Symbolfoto: Büttner/dpa
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Das Manager-Magazin hat eine Rangliste der „500 reichsten Deutschen“ veröffentlicht. Auf Basis von Vermögensschätzungen. Ganz oben sind BMW-Erben. Mit etwas Abstand folgen zwei Frauen aus Ostfriesland.

Ostfriesland - „Da trotz der Krise viele Aktien in den vergangenen zwölf Monaten zugelegt haben, steigt die Zahl der deutschen Milliardäre auf 226“ – das sind so viele wie nie zuvor in der „Liste der reichsten Deutschen“, die das Manager-Magazin seit dem Jahr 2001 führt. Auf Platz 1 stehen die BMW-Großaktionäre Susanne Klatten und Stefan Quandt mit 40,5 Milliarden Euro.

„Bei allen Vermögensangaben handelt es sich um Schätzungen“, erklärt das Manager-Magazin. „Bewertungsgrundlage sind Recherchen in Archiven und Registern sowie bei Vermögensverwaltern, Anwälten, Bankern und Vertreterinnen und Vertretern der Rangliste selbst.“ Als Vermögen gelten dabei beispielsweise Beteiligungen, Grund- und Immobilienbesitz, Aktien und Kunstobjekte.

Porsche, Otto und andere in der Top10 der Reichstenliste

Auf den Plätzen folgen unter anderem Lidl-Eigentümer Dieter Schwarz (Rang 2; 39,5 Milliarden), die Familie Porsche (7; 23,8) und die Familie Otto vom gleichnamigen Versand (10; 13,7). Bis Rang 500 sind die Reichen veröffentlicht – danach nur noch einzelne. Auf Platz 1110 sieht das Manager-Magazin den Schlagerstar Helene Fischer mit 50 Millionen Euro.

Ebenfalls nicht in der Top500 findet sich die Familie Klopp (Bünting-Gruppe Leer). Im Jahr 2020 belegte sie mit 400 Millionen Euro noch Platz 410. Im Jahr zuvor hat das Manager-Magazin ihr Vermögen noch auf 0,6 Milliarden geschätzt. Unsere Redaktion wollte vom Manager-Magazin wissen, wo sie jetzt rangiert. Aber die Auskunft wurde verwehrt: „Wir veröffentlichen nur die Top500 und ein paar wenige von den hinteren Plätzen, andere Infos geben wir nicht raus.“

Die Vermögensentwicklung einer ostfriesischen Milliardärsfamilie

Unter den „Verlieren des Jahres“ hat das Manager-Magazin anno 2020 aber eine andere ostfriesische Familie geführt – die Familie Aloys Wobben (Enercon, Aurich). Sie war mit 3,5 Milliarden Euro auf Rang 58, nachdem sie im Jahr davor noch über ein Vermögen von 4,5 Milliarden verfügt haben soll. Das US-Magazin Forbes hatte das Wobben-Vermögen im Jahr 2017 sogar noch mit 7,6 Milliarden US-Dollar angegeben. Diese Summe dürfte Ende des Jahres 2017 mehr als 6,3 Milliarden Euro entsprochen haben.

Der CDU-Bundesvorsitzende Friedrich Merz (links) auf einer Windenergieanlage von Enercon. Er galt bei vielen als Großverdiener, eher er im Dezember 2021 mehrere Funktionen in Unternehmen abgab, die er neben seinem Bundestagsmandat ausgeübt hatte. Archivfoto: Friso Gentsch/dpa
Der CDU-Bundesvorsitzende Friedrich Merz (links) auf einer Windenergieanlage von Enercon. Er galt bei vielen als Großverdiener, eher er im Dezember 2021 mehrere Funktionen in Unternehmen abgab, die er neben seinem Bundestagsmandat ausgeübt hatte. Archivfoto: Friso Gentsch/dpa

Die Wobbens haben demnach Milliarden eingebüßt, aber sich trotzdem in der Top500 des Manager-Magazins gehalten – offenbar als Einzige in Ostfriesland. In der „Liste der reichsten Deutschen“ des Jahres 2023 stehen Thekla und Marie Wobben mit 2,4 Milliarden Euro auf Platz 96. Diesen teilen sie sich mit drei weiteren Reichen. Im Vergleich zum Vorjahr konnten die Wobbens nach Schätzung des Manager-Magazins um 200 Millionen Euro zulegen.

Stiftungsmodell, bei dem Erträge vor allem den Stifter-Familien zufließen

Hinter den Namen der beiden Frauen aus Ostfriesland findet sich in der Firmenspalte unter „Enercon“ der Hinweis „Familienstiftung“. Das Manager-Magazin erklärt: „Stiftungen schränken zwar die Verfügbarkeit des Kapitals stark ein. Da die Stifterinnen und Stifter oder deren Nachfahren aber in aller Regel weiterhin großen Einfluss darauf haben, wie das Kapital und seine Erträge verwendet werden, behalten sie ihre gesellschaftspolitische Machtposition.“

Deshalb werden die Stifter-Familien weiter in der „Liste der reichsten Deutschen“ geführt. „Unterschieden wird zwischen Familienstiftungen, deren Erträge vor allem den Ex-Eignern zufließen“, so das Manager-Magazin, „und Unternehmensstiftungen, die Firmen­gewinne mehrheitlich gemeinnützig einsetzen.“

Eine Grünen-Staatssekretärin findet sich auch unter den Reichsten

Auf Platz 118 hat das Manager-Magazin eine Grünen-Politikerin entdeckt: Ophelia Nick, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium, gehöre als geborene Schily zu den „Familien Gorsch, Schily, Hammacher und Schweppenäuser“. Das Vermögen der Familien soll bei zwei Milliarden Euro liegen.

Die Politikerin verdanke ihren Wohlstand ihrem Erbanteil am Maschinenbaukonzern Voith im schwäbischen Heidenheim (4,9 Milliarden Euro Umsatz), erläutert das Manager-Magazin. Als der Bundestag im Juni erstmals sämtliche Nebeneinkünfte aller Abgeordneten seit Beginn der Legislatur­periode veröffentlicht habe, seien bei Nick 1,74 Millionen Euro angegeben worden.

Rekord: Die Reichsten haben zusammen mehr als eine Billion Euro

„Seit 2022 legten die Buchvermögen der Top500 um insgesamt 82 Milliarden Euro auf knapp 1,1 Billionen Euro zu“, analysiert das Manager-Magazin. In absoluten Zahlen sei das zwar ein neuer Rekord. „Allerdings entspricht der Zuwachs von 8,1 Prozent in etwa der Inflation.“ Was im Manager-Magazin nicht angemerkt wird: Viele Arbeitnehmer können von einer Lohnentwicklung auf Inflations-Niveau nur träumen.

Eine „offizielle“, also staatliche Reichsten-Statistik scheint es im Unterschied zu Armutsstatistiken nicht zu geben. Das niedersächsische Landesamt für Statistik hatte auf Anfrage unserer Redaktion jedenfalls keine Vermögensstatistik parat. Es verwies aber auf die Lohn- und Einkommensteuerstatistik. Die Gruppe der Bestverdiener beginnt darin bei einem Jahreseinkommen von 500.000 Euro.

37 solche Steuerpflichtige hatte demnach die Stadt Emden aufzuweisen, 144 der Landkreis Aurich, 153 der Landkreis Leer und 47 der Landkreis Wittmund – jeweils im Jahr 2019. Dass die aktuellste Statistik bereits vier Jahre alt ist, liegt daran, dass die Steuerverwaltung einige Zeit benötige, bis sie alle Daten bekommen und ausgewertet habe, wie ein Sprecher des Statistik-Amtes erklärte.

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