Frankfurt  Frankfurter Buchmesse: Warum der Streit über Texte politisch ist

Stefan Lueddemann
|
Von Stefan Lueddemann
| 20.10.2023 15:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Büchermarkt oder Debattenforum? Die Frankfurter Buchmesse avanciert zur Diskurszone für politische Konflikte. Foto: www.imago-images.de
Büchermarkt oder Debattenforum? Die Frankfurter Buchmesse avanciert zur Diskurszone für politische Konflikte. Foto: www.imago-images.de
Artikel teilen:

Ein riesengroßer, aber friedlicher Büchermarkt? Das war die Frankfurter Buchmesse vielleicht einmal. Sie ist längst zu einem Forum gesellschaftlicher Debatten avanciert.

Die Frankfurter Buchmesse ist durch und durch politisch. Das klingt banal, ist es aber überhaupt nicht. Warum? Weil sich der größte Büchermarkt der Welt immer mehr zu einem Indikator, ja zu einem Schauplatz gesellschaftlicher Konflikte entwickelt.

Während auf den Messeständen und in den Agentenzonen Verlagsleute über Rechte an Büchern verhandeln, streiten auf den Bühnen der Buchmesse Autoren über gesellschaftliche Streitfragen. Ausweitung der Diskurszone: Die Frankfurter Buchmesse hat ihre klare Zukunftstendenz.

Das ist auch gut so. Als offenes kulturelles System reflektiert die Buchmesse jene Erschütterungen, die durch die Gesellschaft gehen. Wo über Texte gesprochen wird, ist auch genau der richtige Platz dafür.

Die Diskussion über rechte Verlage und Rassismus auf der Buchmesse war das Thema der letzten Jahre. Jetzt geht es um die Freiheit des Wortes. Die Verschiebung der Preisverleihung an die Autorin Adania Shibli hat ebenso für einen Eklat gesorgt wie die Eröffnungsrede des slowenischen Philosophen Slavoij Žižek.

Wer Texte schreibt, bietet Lesarten der gesellschaftlichen Wirklichkeit an. Der Angriff der Hamas auf Israel hat mit dramatischer Schärfe gezeigt, wie auch der Konflikt um Texte eskalieren kann. Die Frankfurter Buchmesse stellt sich in diesem Jahr erst recht als Debattenforum dar.

Mag das Buch ein im Vergleich zu digitalen Kanälen und Plattformen langsames Medium sein – in Frankfurt erweist es sich als wirklicher Prüfstein für Meinungen und Positionen. Die Messemacher können das sogar als positive Rückmeldung auffassen. Während die Branche über schwache Umsatzzahlen klagt, zeigt sich das Buch kulturell als erstaunlich krisenresistent. Auch ein Fazit der 75. Frankfurter Buchmesse.

Ähnliche Artikel