Hamburg  Prechts Podcast-Aussagen: Strack-Zimmermann und Lanz im Wortgefecht

Patrick Kern
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Von Patrick Kern
| 20.10.2023 14:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Marie Agnes Strack-Zimmermann (FDP) war am Donnerstag auf Konfrontationskurs mit Moderator Markus Lanz. Foto: ZDF
Marie Agnes Strack-Zimmermann (FDP) war am Donnerstag auf Konfrontationskurs mit Moderator Markus Lanz. Foto: ZDF
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Am Donnerstag kritisierte FDP-Politikerin Marie Agnes Strack-Zimmermann in der Polit-Talkshow von Markus Lanz die Berichterstattung über den Krieg in Nahost. Auch die umstrittene Podcast-Folge des Moderators wurde nochmal zum Thema. All dies führte zum minutenlangen Wortgefecht.

Der Konflikt in Nahost und die diesbezüglichen Unruhen in Deutschland haben auch im Gespräch zwischen FDP-Politikerin Marie Agnes Strack-Zimmermann und ZDF-Moderator Markus Lanz für Zündstoff gesorgt. In der Polit-Talkshow von Markus Lanz sind die beiden am Donnerstagabend aneinandergeraten.

Ein großer Streitpunkt war die Informationsverbreitung von aktuellen Geschehnissen in Nahost, wie beispielsweise die Explosion an einem Krankenhaus im Gazastreifen mit zivilen Toten. Strack-Zimmermann behauptete, dass das Narrativ, dass ein israelischer Angriff dahinterstecke, anhand einer Aussage der Hamas vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen ungeprüft weitergetragen wurde. Dieses habe dann auch schnell in den sozialen Netzwerken die Runde gemacht und würde den Hass gegenüber Israel und gegen Juden vorantreiben – und damit auch die Unruhen in Deutschland.

Lanz nahm die Kritik der FDP-Politikerin „zur Kenntnis“, stellte aber auch für seine Redaktion klar: „Wir waren das im Übrigen nicht.“ Auch seine Journalisten-Kollegen nahm er in Schutz: Bei vielen hätte es den Hinweis „nach Hamas-Informationen“ gegeben, manche hätten auch mit Begriffen wie „mutmaßlich“ gearbeitet.

Dass es solche Fälle im öffentlich-rechtlichen und im Privatfernsehen gab, schloss er dennoch nicht aus; diesbezüglich erwähnte den Satz des früheren BND-Mitarbeiters Gerhard Conrad, der am Vortag in der Sendung sagte: „Wenn mir jemand auf der Grundlage eine Lagefeststellung vorlegt, dann jage ich ihn aus dem Dienstzimmer wieder heraus wegen Unfähigkeit.“

Tatsächlich ist der Krankenhaus-Vorfall noch nicht abschließend geklärt. Entgegen der Hamas-Version gibt es auch Anzeichen darauf, dass eine fehlgeleitete Rakete aus dem Gazastreifen für die Explosion verantwortlich sein könnte. EU-Geheimdienste und Israel bezweifeln auch die von den Hamas genannten Opferzahlen.

Kurz darauf drehte Lanz den Spieß um und erinnerte Strack-Zimmermann an einen ihrer Tweets aus dem November 2022, der in seinen Augen ebenfalls ein Beispiel für zu schnelle, ungeprüfte Informationsverbreitung sei. Darin bezichtigte sie nach einem Raketeneinschlag an der polnisch-ukrainischen Grenze mit zwei Toten sofort Russland eines Angriffs, bevor entsprechende Untersuchungen abgeschlossen waren.

Sie reagierte damals auf Kritik und zog ihren Tweet zurück. Inzwischen ergab ein polnisches Gutachten, dass die Rakete aus der Ukraine stammte.

„Das war eine völlig andere Situation“, sagte die 65-Jährige in der Sendung am Donnerstag. „Herr Lanz, Sie wollen doch bitte nicht einen Tweet einer Frau Strack-Zimmermann gleichsetzen mit einem Gespräch, was stattgefunden hat, wo die ganze Welt brennt“, sagte sie und drehte das Gespräch auf den umstrittenen Podcast-Talk zwischen ihm und Richard David Precht. Precht wird vorgeworfen, darin antisemitische Narrative weiterverbreitet zu haben. Die Podcast-Folge wurde nach massiver Kritik abgeändert, inzwischen haben sich Lanz und Precht mehrmals dafür entschuldigt.

Nach der knapp zehnminütigen Diskussion sprang der Militärhistoriker Sönke Neitzel ins Gespräch ein und versuchte, mit seinem Wortbeitrag die Situation zu beruhigen: „Ich finde es auch bedenklich. Ich teile alles, was Sie sagen, Frau Strack-Zimmermann“, sagte er bezüglich des Antisemitismus und den Unruhen in Deutschland. Er betonte die Emotionalität, die die Debatte um den Krieg in Nahost auslöst.

Er appellierte daran, hinsichtlich der aktuellen Lage in Nahost bei den Fakten zu bleiben: „Wir müssen erstmal sagen: Wir wissen ganz viel nicht. Über die Mechanismen, über die Folgen, über die Informationslagen.“ Deswegen müsse man sich jetzt erstmal ein Bild machen und das analysieren können. Er attestierte: „Das ist eine unglückliche Diskussionssituation, die wir haben.“

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