Friedhof wird vergrößert  Neermoor braucht mehr Platz für Verstorbene

Karin Lüppen
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Von Karin Lüppen
| 21.10.2023 10:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Linden auf dem Historischen Friedhof in Neermoor sind ein Naturdenkmal. Die Warft, auf der das Gräberfeld liegt, war wohl früher der Standort einer Kirche mit Glockenturm. Foto: Ortgies
Die Linden auf dem Historischen Friedhof in Neermoor sind ein Naturdenkmal. Die Warft, auf der das Gräberfeld liegt, war wohl früher der Standort einer Kirche mit Glockenturm. Foto: Ortgies
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Schon lange wird an einer Friedhofserweiterung in Neermoor gearbeitet. Nun geht es voran. Dass mehr Fläche gebraucht wird, hat mit einem besonderen Problem zu tun.

Neermoor - Wer von der Ems her nach Neermoor hinein fährt, dem ist sicherlich der Friedhof aufgefallen, der dort auf einer Warft liegt. An diese historische Begräbnisstätte schließt sich der sogenannte neue Friedhof an – aber der wurde bereits in den 70ern angelegt. Insgesamt wird jedoch mehr Platz für Beisetzungen benötigt. Während es in anderen Gemeinden im Landkreis Leer schon viele Lücken auf den Friedhöfen gibt, soll in Neermoor der Friedhof in Richtung Bahnschienen erweitert werden. Das hat besondere Gründe.

Was und warum

Darum geht es: Der Friedhof in Neermoor wird erweitert. Die Planung dafür läuft schon seit zehn Jahren.

Vor allem interessant für: Menschen in Neermoor oder die dort beigesetzt werden möchte

Deshalb berichten wir: Der Ortsrat hatte kürzlich über die geplante Erweiterung beraten.

Die Autorin erreichen Sie unter: k.lueppen@zgo.de

Das Verfahren dazu läuft bereits seit fast zehn Jahren. Jetzt scheint Bewegung hineinzukommen, denn der Ortsrat hat nun einstimmig einer entsprechenden Änderung des Bebauungsplans zugestimmt. Damit könnten neue Flächen für Urnen- und Sargbestattungen östlich der Kapelle und des Parkplatzes dazukommen. „Wir können wohl damit rechnen, dass es nächstes Jahr losgeht“, sagt Ortsbürgermeister Berthold Koch (SPD).

Immer mehr Urnenbestattungen

Auf dem Historischen und dem neuen Friedhof seien zwar noch einige Plätze frei, aber in Neermoor wird ebenso wie in vielen Gemeinden immer häufiger eine Beisetzung in einem Rasengräberfeld gewünscht. „Es wird Zeit, dass wir dafür etwas schaffen“, sagt Koch. Vorgesehen ist, dass es ein teilanonymes Gräberfeld geben wird.

Dabei werden die Namen der Bestatteten auf einer Tafel in einer Stele eingelassen, die Urnen in einer Rasenfläche beigesetzt. Diese werde dann von Mitarbeitern der Gemeinde Moormerland gemäht und gepflegt, sagt Bauamtsleiter Harm Busemann. Daneben werde aber auf der neuen Fläche weiterhin die Möglichkeit der Sargbestattung ermöglicht. Bei dieser Beisetzungsform gab es auf dem neuen Friedhof nämlich ein Problem.

Grundwasser steht zu hoch

Laut Busemann hat die Gemeinde Moormerland den gesamten Friedhof zu Beginn der 70er Jahre von der Kirchengemeinde Neermoor übernommen. Diese hatte bereits den neuen Friedhof angelegt und diesen mit Aushub aus Emden aufgefüllt. Dieser „bindige Boden“ sorge dafür, dass Wasser nicht abfließt, das Grundwasser stehe auf dem gesamten Friedhof sehr hoch. „Wenn Gräber ausgehoben werden, steht oft gleich Wasser darin“, sagt Busemann.

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Das führt dazu, dass sich Särge und die darin liegenden Toten nicht in der üblichen Zeit zersetzen. Es bilden sich sogenannte Wachsleichen, die vor etwa 15 Jahren in Ostrhauderfehn für Aufsehen sorgten. Tote, die noch nach Jahrzehnten gut erhalten waren, verhinderten, dass die Gräber neu belegt werden konnten. Auch in Emden und Hinte trat dieses Problem auf.

Anderthalb Meter Sand werden aufgefüllt

Das ist ein Grund, warum in Neermoor mehr Platz für Bestattungen benötigt wird. Der andere sei das Bevölkerungswachstum in dem Ort, so Busemann. Einige freie Grabstellen könnten zwar noch belegt werden, aber für neue Gräber müsse gewährleistet werden, dass zwischen der Sargunterseite und dem Grundwasserspiegel ein Abstand von 60 bis 70 Zentimetern besteht. Das heißt: Für die Erweiterung muss die neue Fläche komplett aufgefüllt werden und zwar 1,50 Meter hoch. Damit erhält sie das Niveau des „alten“ neuen Friedhofs.

Auf dem sogenannten neuen Friedhof in Neermoor können keine neuen Gräber mehr angelegt werden, weil das Grundwasser dort zu hoch steht. Die Erweiterung soll neben der Kapelle (im Hintergrund) angelegt werden. Foto: Ortgies
Auf dem sogenannten neuen Friedhof in Neermoor können keine neuen Gräber mehr angelegt werden, weil das Grundwasser dort zu hoch steht. Die Erweiterung soll neben der Kapelle (im Hintergrund) angelegt werden. Foto: Ortgies

Dieses Mal sollen jedoch ein spezieller Sand und eine darunter verlegte Drainage dafür sorgen, dass die Gräber nicht im Wasser liegen. „Sickerwasser aus den Grabstellen wird abgeleitet und fließt ins Klärwerk“, sagt Busemann. Somit könnten keine Schadstoffe ins Grundwasser gelangen. Das alles habe mithilfe entsprechender Untersuchungen und Gutachten nachgewiesen werden müssen. Das wiederum sei der Grund, warum es mit der Friedhofserweiterung so lange gedauert hat.

Begonnen wird mit einem Teilstück

Mit dem neuen Bebauungsplan wird der ganze Geländestreifen zwischen der Kapelle und dem Bahndamm als Friedhof ausgewiesen, abgesehen von einem Grundstück, auf dem ein bewohntes Einfamilienhaus steht. Allerdings soll bei der geplanten Erweiterung zunächst nur ein Fünftel der neuen Fläche genutzt werden, so Busemann. Später sei dann die Erweiterung der Parkplatzflächen sowie bei Bedarf weitere Gräberfelder möglich.

Das hängt von der Entwicklung des Platzbedarfes ab. Denn für die Urnenbeisetzungen wird weit weniger Fläche benötigt als für Sargbestattungen. Der Trend geht augenblicklich eindeutig in Richtung Einäscherung mit Urnenbeisetzung in teilanonymen Gräberfeldern. Hiesige Bestattungsunternehmen schätzen den Anteil auf etwa 60 Prozent, der Bestatterverband Niedersachsen geht landesweit sogar von 85 Prozent aller Beisetzungen aus.

Zeit der Familiengräber ist vorbei

In Remels war bereits eine Erweiterung des neuen Friedhofes geplant, eine Fläche war dafür bereits reserviert. Doch dieser Platz werde möglicherweise gar nicht mehr benötigt, hatten Pastorin Marion Steinhorst-Coordes und die Vorsitzende des Kirchenvorstands, Frauke Jelden, kürzlich gesagt. Die Zeit großer Familiengräber sei vorbei. Vor nicht einmal zehn Jahren waren teilanonyme Gräberfelder angelegt worden, ein Großteil sei schon belegt, so Jelden.

Solche Schotterschichten soll es auf dem Friedhof in Remels nicht mehr geben. Foto: Ortgies
Solche Schotterschichten soll es auf dem Friedhof in Remels nicht mehr geben. Foto: Ortgies

Die lutherische Kirchengemeinde Remels möchte, dass ihr Friedhof insgesamt naturnaher wird und beteiligt sich am Projekt BiCK (Biodiversität auf kirchlichen Flächen). Im Zuge dessen sollen zum Beispiel Schotterschichten auf Grabstellen verschwinden und gegen eine insektenfreundliche Bepflanzung getauscht werden.

Ein Rasengrab ist dann ein Kompromiss, denn eine aufwändige Grabpflege entfällt. Auch Harm Busemann bei der Gemeinde Moormerland glaubt, dass bei vielen die Entscheidung zugunsten einer Urnenbeisetzung fällt, weil Kinder oder Angehörige, die sich um das Grab kümmern müssten, nicht in der Nähe leben. Die Gemeinde Moormerland unterhält drei große Friedhofsanlagen.

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