Osnabrück Droht Israel ein Zwei-Fronten-Krieg mit Hamas und Hisbollah?
Aktuell bereitet sich die israelische Armee im Süden des Landes auf einen Einsatz in Gaza vor. Doch nicht nur von der dort agierenden Hamas wird Israel bedroht, sondern auch im Norden von der Hisbollah. Droht dem Land ein Zwei-Fronten-Krieg?
Israel hat zur Sicherheit nicht nur im Süden Truppen zusammengezogen, sondern auch im Norden des Landes. Dort sichern sie die Grenze zum Libanon, von wo aus die Hisbollah agiert. Hier gibt es immer wieder vereinzelten Beschuss, doch ein großer Konflikt ist noch nicht ausgebrochen.
Die Führung der Hisbollah äußerst sich bisher eher kryptisch. So erklärte der stellvertretende Generalsekretär der Organisation, Naim Ghassem: „Wenn die Zeit zum Handeln gekommen ist, werden wir sie ergreifen. Wir befinden uns in einer Zeit der Siege und nicht in einer Zeit der Niederlagen.“ Nach Ansicht des Terrorismusexperten Peter R. Neumann, Professor für Sicherheitsstudien am King‘s College London, befindet sich die Hisbollah noch in einer Art Findungsphase. „Ich glaube, dass die Hisbollah sich gerade überlegt, ob sie auf diesen fahrenden Zug aufspringen soll und Israel möglicherweise von einer zweiten Front unter Druck setzen will“, erklärt er im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung.
Etwas anders schätzt Militärexperte Michel Wyss, der an der Militärakademie an der ETH Zürich arbeitet und als Doktorand an der Universität Leiden zu Stellvertreterkriegführung unter nicht staatlichen Akteuren forscht, die Lage ein. „Es ist eher wahrscheinlich, dass die Hisbollah zurzeit keine große Konfrontation mit Israel sucht“, sagt Wyss der Neuen Osnabrücker Zeitung. Den Schlagabtausch, der an der Grenze zu beobachten sei, habe es in den vergangenen Jahren immer wieder gegeben. Er folge bestimmten ungeschriebenen Regeln. „Man greift gewisse Ziele an, hält sich zugleich aber auch zurück“, beschreibt Wyss das Vorgehen.
Der Militärexperte sieht aber ein großes Risiko. „Das Problem ist, es kann sehr schnell eskalieren“, betont er. Schlägt eine Hisbollah-Rakete am falschen Ort ein und es kommt zu Todesopfern, könnte Israel sich gezwungen sehen, massiv zu reagieren. Ein Krieg könnte ausbrechen.
„Das würde für Israel brenzlig werden, denn es ist ein kleines Land“, erklärt Peter Neumann. Die Hisbollah verfüge über Raketen, die ganz Israel erreichen könnten. Zudem würden durch einen Kampf an zwei Fronten auch die Verluste auf israelischer Seite steigen, erklärt Michel Wyss. „Israel wäre aber in der Lage, einen solchen Zwei-Fronten-Krieg zu führen“, lautet seine Analyse.