Gastro-Betrieb in Jemgum  Fisch essen geht manchmal nur mit Gummistiefeln

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 17.10.2023 11:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Weg zur Gastronomie hätte durch dieses Wasser geführt, die Zuwegung führt unter dem Torbogen im Hintergrund hindurch. Foto: Simone Allers
Der Weg zur Gastronomie hätte durch dieses Wasser geführt, die Zuwegung führt unter dem Torbogen im Hintergrund hindurch. Foto: Simone Allers
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Das Boothuus des Vereins „Luv up“ ist eine beliebte Adresse zum Essengehen in Jemgum. Das Wasser schneidet den Gästen allerdings manchmal den Weg ab. Wieso ist das so?

Jemgum - Wer am Sonntag beim „Luv up“ Fisch essen wollte, hätte Gummistiefel gebraucht. Der Weg zum Restaurant stand unter Wasser. Das „Luv-Up“ -Vereinsheim ist einerseits die Heimat der Wassersportler und zum anderen ein Gastronomiebetrieb, der bei Einheimischen und Urlaubern gleichermaßen beliebt ist.

Was und warum

Darum geht es: Am Sonntag war es schwierig, beim beliebten Luv-Up Fisch essen zu gehen. Der Weg dorthin stand unter Wasser. So steht es um den Hochwasserschutz.

Vor allem interessant für: diejenigen, die nah am Wasser leben

Deshalb berichten wir: Uns wurde ein Foto geschickt.

Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de

Das Gebäude selbst ist vom Wasser verschont geblieben, sagt die ehemalige Vorsitzende des Wassersportverein „Luv up“ Jemgum, Jutta Simmering. „Das Haus ist so hoch gebaut, da passiert erstmal nichts“, sagt sie. Allerdings liefen bei Sturmfluten regelmäßig die Zuwegungen voll. „Wir müssen da immer ein Auge drauf haben“, sagt sie. „Und es wird doller“, fügt sie hinzu. Schön sei das nicht. Auch der Umstand, dass am nahegelegenen Hafenvorplatz geparkt würde, bringe Unsicherheiten mit sich. „Es stehen zwar Schilder dort, die davor warnen, aber diese werden nicht immer beachtet. Dann versuchen wir, da hinterher zu telefonieren und zu sagen: Hallo, hier stehen welche“, sagt sie. Erst kürzlich sei der Wall in der Nähe des Vereinsheimes durch die Gemeinde Jemgum erhöht worden. „Der Bürgermeister hat das Problem im Auge“, sagt sie.

Am Sonnabend deutete sich schon an, dass das Wasser kommt. Noch konnte man aber trockenen Fußes vorankommen. Foto: privat
Am Sonnabend deutete sich schon an, dass das Wasser kommt. Noch konnte man aber trockenen Fußes vorankommen. Foto: privat

Das sagt der Bürgermeister

„Dass der Weg zur Ems und damit zum ‚Luv up’ bei dem Wind und der Wasserlage unter Wasser stand, ist ganz normal“, sagt Bürgermeister Hans-Peter Heikens. „Wir haben Herbst und da gibt es auch Herbststürme. Angekündigt war, dass das Hochwasser 1,50 Metern steht. Da wird hier noch niemand nervös.“ Auch der Verein „Luv up“ nicht, fügt er hinzu. „Und dass bei solchen Wasserständen der Hafenbereich dann auch unter Wasser steht, ist normal.“ Auf unserem Spielplatz hat das Wasser nicht gestanden. „Der Bauhof hatte den Wall rund herum noch einmal erhöht. Das gibt uns jetzt ausreichend Sicherheit.“

Das sind die Regeln fürs Sperrwerk

Bei Hochwasser von 1,50 Metern werde nicht nur keiner nervös, so Heikens, das Emssperrwerk schließe erst, wenn das Wasser deutlich höher stehe. „Uns ist die Schließung meist zu spät, in Emden sieht man das wahrscheinlich anders“, so Simmering. Was sie damit meint, wurde zuletzt im vergangenen Jahr deutlich, als Sturmtief „Nadia“ Wassermassen nach Jemgum schob und unter anderem beim Vereinshaus „Luv up“ Schäden verursachte. Das Wasser war durchs Mauerwerk ins Gebäude gedrungen. Der Spielplatz war verwüstet.

Ob und wann das Emssperrwerk geschlossen wird und damit das Wasser von Jemgum fernhält, ist klar festgelegt. Geschlossen wird es erst, wenn man Wasserstände von deutlich mehr als zwei Metern über dem mittleren Tidehochwasser erwartet. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) beruft sich bei diesem Wert auf den Planfeststellungsbeschluss aus dem Jahr 2002, der rechtlich bindend sei, hieß es zum Beispiel im vergangenen Jahr – nach „Nadia“.

Die Frage, warum es nicht früher geschlossen wird, stellt man sich in Jemgum immer wieder. Am Wochenende im Februar 2022 hatte der Sturmflutwarndienst Pegelstände von zwei Metern vorhergesagt, daher bestand kein Anlass zur Schließung des Sperrwerks. Tatsächlich stieg das Wasser dann aber 30 bis 40 Zentimeter höher als prognostiziert. „Bei solchen Naturereignissen bleibt immer eine gewisse Unsicherheit bestehen“, erklärte Carsten Lippe, Pressesprecher des NLWKN, seinerzeit. „Spontane Schließungen des Emssperrwerks sind nicht umsetzbar“, so Lippe. Informationen über eine eventuell bevorstehende Schließung müssten bereits deutlich frühzeitig übermittelt werden. „Beispielsweise an die Schifffahrt, N-Ports und die Häfen.“ Denn durch die Sperrwerksschließung kann es zu einer Flutwelle kommen, die wiederum Auswirkungen auf die Häfen von Ditzum und Emden haben kann, beispielsweise bei Be- und Entladen von Schiffen. Allerdings hatte man zugesagt, dass man versuche, die Prognosen verlässlicher zu machen.

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