Hannover  Mehr Debatten und weniger Geld: Warum Dr. Alaa Alhamwi sich dennoch für die Grünen entschied

Lars Laue
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Von Lars Laue
| 16.10.2023 15:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Engagierter Redner: Dr. Alaa Alhamwi, Landesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen in Niedersachsen. Foto: Michael Matthey/dpa
Engagierter Redner: Dr. Alaa Alhamwi, Landesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen in Niedersachsen. Foto: Michael Matthey/dpa
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Alaa Alhamwi führt mit Greta Garlichs die Grünen in Niedersachsen. Auch in der Energieforschung ist der Oldenburger noch aktiv. Um abzuschalten, geht der 39-Jährige joggen – und widmet sich seinen Bienen.

Es gibt Menschen, die gehen aus Leidenschaft in die Politik. Manche auch wegen des Geldes, das sich dort verdienen lässt. Bei Alaa Alhamwi indes steht fest, dass er sich nicht aus finanziellen Gründen für eine politische Karriere entschieden hat. Als Grünen-Landesvorsitzender, der er seit März ist, verdient der Familienvater weniger als vorher beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Das DLR-Institut für vernetzte Energiesysteme entwickelt in Oldenburg Technologien und Konzepte für die zukünftige Energieversorgung auf Basis erneuerbarer Energien. 

„Ein spannender Beruf“, sagt Alhamwi. Und dennoch zog es ihn in die Politik. Aus Leidenschaft also? „Auf jeden Fall“, antwortet der Familienvater aus Oldenburg, der über sein Engagement im dortigen Stadtrat auch Interesse an der Landespolitik fand. Überhaupt empfinde er die Mischung aus Energieforschung und Politik als „ideal“. Und so sei er immer freitags weiterhin für das Oldenburger DLR-Institut tätig und widme sich in der übrigen Arbeitszeit „voll und ganz der Politik“.

Gemeinsam mit der bei ihrer Wahl im März 26 Jahre alten Greta Garlichs aus Hannover bildet der promovierte Ingenieur Alhamwi die Doppelspitze der Landes-Grünen. „Wir ergänzen uns richtig gut“, findet der 39-Jährige, der mit seiner Frau und den gemeinsamen, zehn und 14 Jahre alten Söhnen am Stadtrand von Oldenburg wohnt.

Einer der politischen Schwerpunkte von Alhamwi, der im Jahr 2012 nicht etwa als Kriegsflüchtling aus Syrien nach Deutschland gekommen war, sondern um hier weiterzustudieren, ist der Umstieg auf die Erneuerbaren. Außerdem genieße er es, „in Deutschland die Freiheit tief einatmen zu können“ und sagt: „Die Demokratie ist ein Wunder, für das es sich jeden Tag zu kämpfen lohnt.“ Aktuell bereite ihm der Rechtsruck in Deutschland „große Sorgen“. An die aktuellen Probleme müsse man „faktenbasiert“ herangehen, meint der Wissenschaftler und warnt davor, rechtspopulistischer Propaganda hinterherzulaufen. Auch seine Kinder seien schon rassistischen Anfeindungen ausgesetzt gewesen. Ein Grund mehr für Alhamwi – seit 2018 verfügt er über die deutsche Staatsbürgerschaft –, sich politisch zu engagieren. „Wer sich nicht einsetzt, kann auch nichts bewegen“, lautet sein Motto.

Apropos bewegen: Um den Kopf freizubekommen und sich fit zu halten, geht der sportliche und schlanke Mann regelmäßig joggen. „Meine Laufschuhe habe ich immer dabei“, sagt Alhamwi, dessen Frau als Zahnärztin in Elsfleth (Kreis Wesermarsch) arbeitet. Und wenn der Berufspolitiker nicht gerade in Hannover oder Brüssel oder anderswo unterwegs ist, kümmert er sich zu Hause um seine beiden Bienenvölker. „Dabei kann ich wunderbar abschalten“, betont der Hobby-Imker und bezeichnet sein politisches Wirken ebenfalls als Hobby, schiebt allerdings lachend hinterher: „Aber nicht immer.“ So bunt gemischt wie die rund 12.500 Grünen-Mitglieder in Niedersachsen sind, dürfte Alhamwi es mit seinem Bienenschwarm häufig etwas leichter haben.

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