Hamburg  Flüchtlingsunterkunft: Wo Hunderte Asylbewerber für Protz-Autos umziehen

Dirk Fisser
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Von Dirk Fisser
| 14.10.2023 12:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Die Halle 27 auf dem Messegelände in Hannover war bereits Heimat für Flüchtlinge: Die Aufnahme zeigt Zelte, in denen ukrainische Kriegsflüchtlinge zeitweise gelebt haben. Foto: dpa
Die Halle 27 auf dem Messegelände in Hannover war bereits Heimat für Flüchtlinge: Die Aufnahme zeigt Zelte, in denen ukrainische Kriegsflüchtlinge zeitweise gelebt haben. Foto: dpa
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Niedersachsen wird in Kürze eine Flüchtlingsunterkunft für bis zu 4000 Asylbewerber eröffnen. Es dürfte bundesweit eine der größten sein. Das Problem: Die Bewohner werden kurzfristig Platz machen müssen – für aufgemotzte Autos.

Niedersachsen sucht derzeit wie andere Bundesländer auch händeringend nach Unterkünften für Asylbewerber. Jede Woche muss die Landesaufnahmebehörde (LAB) 1300 Migranten aufnehmen und unterbringen. Die bestehenden Kapazitäten von 10.000 Plätzen an den verschiedenen Standorten im Land sind so gut wie erschöpft.

Zum 1. Dezember zieht das Land wieder in eine Halle auf dem weitläufigen Messegelände in Hannover ein. „Wir waren bereits in den Messehallen, mussten dort aber raus wegen der Agritechnica. Die Messehalle ist blockiert”, sagt LAB-Präsident Klaus Dierker. Die Agritechnica ist eine Messe für Landtechnik, sprich: Trecker und andere Gerätschaften werden ausgestellt. Die 1600 Bewohner wurden daraufhin auf Kommunen in Niedersachsen verteilt.

Jetzt will das Land Niedersachsen zurück aufs Messegelände mit einer Flüchtlingsunterkunft. Zum 1. Dezember soll die Einrichtung in Halle 27 eröffnet werden, gesucht wird derzeit ein Betreiber. „Der zukünftige Dienstleister soll sicherstellen, dass bis zu 4000 Menschen untergebracht werden. Das ist der maximale Wert”, sagt Dierker. Möglicherweise werden es in der Praxis also auch einige Hundert Bewohner weniger sein.

Zum Auftakt soll die Halle aber so hergerichtet sein, dass sofort mindestens 500 Menschen untergebracht werden, steht in den Ausschreibungsunterlagen. Dort ist auch folgende Anmerkung hinterlegt: „Dabei werden mehrere Umzüge erforderlich sein.” LAB-Präsident Dierker sagt: „Die Messe hat einen langfristigen Belegungsplan für ihre Halle. Im kommenden Jahr wären die Hallen, Stand jetzt, wieder blockiert durch eine Ausstellung.”

Genauer gesagt, Ende Juni muss die Flüchtlingsunterkunft in andere, kleinere Hallen auf dem Messegelände umziehen. In Halle 27 sollen die „PS Days” veranstaltet werden, eine Ausstellung rund ums Autotuning. Wenn irgend möglich, will Behördenchef Dierker das aber vermeiden: „Wir stehen noch in Verhandlungen mit dem Messe-Vorstand. Das Innenministerium unterstützt uns da.”

Das Kuriose an dieser Situation: Die „Deutsche Messe” ist ein öffentliches Unternehmen. Es gehört dem Land Niedersachsen, der Stadt Hannover und zu einem sehr kleinen Teil der Region Hannover. Chef des Aufsichtsrates ist Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD). Er wäre also ein möglicher Ansprechpartner für Innenministerin Daniela Behrens (ebenfalls SPD).

LAB-Chef Dierker jedenfalls sagt, man wolle den Menschen den Umzug nicht zumuten. „Ich bin guter Hoffnung, dass wir einen vernünftigen Weg finden.”

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