Stadt kündigt Schwimmlehrer Warum in Leer fast 170 Kinder ihren Schwimmkurs-Platz verlieren
Knapp 170 Kinder verlieren Ende des Jahres ihren Schwimmkurs-Platz im Plytje. Ihrem Schwimmlehrer wurde gekündigt. Die Eltern sind verärgert, die Stadt und das Plytje geben keinen Grund an.
Leer - Fast 170 Kinder können im Leeraner Schwimmbad Plytje künftig ihre gewohnten Schwimmkurse nicht mehr besuchen. Der Grund: Dem Schwimmlehrer Andreas Kuppe wurde zum Jahresende gekündigt. „Warum, weiß ich auch nicht so genau“, sagt der 51-Jährige. Seit viereinhalb Jahren habe er als privater Anbieter in dem Bad mehrmals wöchentlich Kurse für Kinder gegeben, sagt Kuppe – von Wassergewöhnung bis hin zum Goldabzeichen. Nach einer Sitzung des Aufsichtsrats habe vor gut einer Woche der Leeraner Bürgermeister Claus-Peter Horst (parteilos) dann zu einem Gespräch gebeten und die Kündigung ausgesprochen. Einen Grund habe der Rathauschef nicht genannt und auch eine Stellungnahme sei Kuppe verwehrt geblieben, berichtet der Schwimmlehrer.
Was und warum
Darum geht es: Dem Kinder-Schwimmlehrer Andreas Kuppe wurde gekündigt – warum, weiß er nicht. Er und die Eltern der Kinder halten das für fatal. Das Plytje und die Stadt haben Pläne für das eigene Angebot.
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Deshalb berichten wir: Eltern deren Kinder, die Schwimmkurse bisher besucht hatten, haben sich bei dieser Zeitung gemeldet. Die Autorin erreichen Sie unter: r.heinig@zgo.de
Auf Nachfrage der Redaktion teilt die Schwimmbadleiterin Anja Buse in Abstimmung mit dem Bürgermeister mit, dass der Aufsichtsrat der LB Leeraner Badbetriebs GmbH in seiner letzten Sitzung einstimmig beschlossen habe, das Vertragsverhältnis mit der Schwimmschule von Andreas Kuppe ordentlich zum Jahresende zu kündigen. „Gleichermaßen hat der Aufsichtsrat den Bürgermeister als Aufsichtsratsvorsitzenden aufgefordert, Herrn Kuppe dieses Votum persönlich mitzuteilen. Das ist mittlerweile passiert“, schreibt sie weiter. „Zu den Gründen für die Kündigung äußern wir uns nicht.“
Eltern sind verärgert
Die Leidtragenden seien nach Meinung von Andreas Kuppe die Kinder, die bei ihm die Kurse besucht haben. „Es ist schlimm, dass das Schwimmbad so viele Kinder vor die Tür setzt“, findet auch Samira Schneider. Alle sechs Kinder der Patchworkfamilie der 31-Jährigen hatten bei Kuppe innerhalb der vergangenen zwei Jahre Schwimmkurse belegt.
„Es gibt seit Corona sowieso schon zu wenig Plätze. Und nun müssen wir uns wieder auf Wartelisten setzen lassen“, ärgert sie sich. Das sei Schneiders Meinung nach gerade in Ostfriesland ein Problem, denn „wir sind hier an der Küste und dazu gibt es viele Seen. Es geht um das Wohl der Kinder. Und mit der Meinung bin ich nicht alleine“.
Schwimmlehrer kann sich Kündigung nur schwer erklären
Wie es zur Kündigung kam, kann sich Kuppe nur schwer erklären. Nachdem Anja Buse Anfang dieses Jahres die Leitung des Plytje übernommen hatte, sei es zwar immer wieder zu kleineren Auseinandersetzungen gekommen, so Kuppe. „Aber nichts, was eine Kündigung rechtfertigt“, findet der 51-Jährige. Eine erste Mail habe er von der Leitung erhalten, nachdem er ein Mädchen, das seinen Seepferdchen-Kurs besucht hatte, auf dessen Wunsch im Planschbecken auf ihren Bruder hat warten lassen. Dieser habe am selben Tag einen Kurs besucht, der etwas länger dauerte. „In der Mail stand, dass das Mädchen nicht unbeaufsichtigt im Planschbecken sein darf. Das ist auch nicht noch einmal vorgekommen, sie hat dann auf einer Bank gewartet“, erzählt Kuppe.
Außerdem habe eine Frau der Schwimmbadleitung eine Beschwerde zukommen lassen. Sie will beobachtet haben, wie der Schwimmlehrer ein weinendes Kind ins Wasser gezogen hätte. „Das war während einer Wassergewöhnung. Das Kind hat geweint, weil es im tieferen Becken etwas kälter war und es Angst hatte. Ich habe es – um ihm Sicherheit zu geben – an den Händen gehalten und ihm geholfen, ins Wasser zu gleiten“, erklärt Kuppe. Statt mit ihm darüber zu sprechen und die Erklärung anzuhören, habe er eine Abmahnung erhalten. Samira Schmidt kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen. „Wir sind selber oft bei den Kursen dabei. Andreas und sein Team gehen mit den Kindern toll um“, erzählt die 31-Jährige.
So will das Plytje die Kurse auffangen
So wie Schmidt hätten auch viele weitere Eltern Sorge, neue Plätze in Schwimmkursen für ihre Kinder zu finden, berichtet Kuppe. „Derzeit überarbeiten wir vollumfänglich unser eigenes Kursprogramm und sind unter anderem dabei, im Bereich der Anfängerkurse aufzustocken. In Kürze werden diese Kurse in unserem Plytje-Shop hochgeladen und bereitgestellt“, heißt es dazu von Anja Buse.
Da die Kündigung zum 31. Dezember dieses Jahres ausgesprochen wurde, könne die Schwimmschule von Kuppe ihre Kurse noch bis zu diesem Zeitpunkt durchführen und habe somit ausreichend Zeit, diese dann ordnungsgemäß zu beenden, so die Schwimmbadleiterin. In den daraufhin frei werdenden Becken- und Bahnenzeiten werde weiterhin ein entsprechendes Kursangebot vom Plytje angeboten, versichert sie.