San Francisco „Bluesky“ als Twitter-Nachfolger? Das steckt hinter der neuen Plattform
Seit Elon Musk Twitter gekauft hat, wollen viele Nutzer und Werbekunden den Kurznachrichtendienst verlassen. Nun gibt es mit „Bluesky“ eine neue Alternative, angeführt vom ehemaligen Twitter-Chef.
Seit der Übernahme von Elon Musk gibt es immer wieder Aufrufe, die Plattform X – ehemals Twitter – zu verlassen. So auch in der vergangenen Woche, als Musk einen Post teilte, in dem der Verfasser zur Wahl der AfD aufruft. Auch nach der Kritik einiger Nutzer löschte der Tech-Milliardär seinen migrationskritischen Beitrag nicht. Daraufhin wurde gerade im deutschsprachigen Raum erneut an der Richtung gezweifelt, in die sich die Plattform X unter Musks Führung bewegt.
Immer wieder gab es Konkurrenzplattformen zu Musks X – wie etwa Mastodon – die sich jedoch alle nicht durchsetzen konnten. Nun werden immer mehr Nutzer auf „Bluesky“, eine weitere Social-Media-Plattform, aufmerksam. Das besondere: Bluesky wurde bereits 2021 vom damaligen Twitter-Chef und Musk-Vorgänger Jack Dorsey gegründet.
Während X laut Medienberichten seit Ende Oktober 2022 knapp zwölf Millionen Nutzer verloren hat, erreichte Bluesky zuletzt die Eine-Million-Nutzer-Marke. Damit ist Bluesky nach X, Mastodon und Metas Ableger „Threads“ erst die vierte Kurznachrichtenplattform, die diese Nutzerzahlen erreichen konnte.
Da sich Bluesky noch in der Entwicklungsphase befindet, können jedoch nur eingeladene Nutzer auf die Plattform zugreifen. Wer einen Zugang haben möchte, muss entweder einen Code von einem bestehenden Nutzer erhalten, oder sich auf eine lange Warteliste setzen lassen. Durch diese künstliche Verknappung lässt sich zum einen die Entwicklung der Plattform besser steuern, zum anderen steigert diese Verknappung auch das Interesse der Nutzer.
Ähnlich wie das dezentrale Mastodon will auch Bluesky als dezentrales Netzwerk auftreten. Dabei soll die Konversation auf der Plattform eher an die frühen Tage des Internets erinnern, als jeder einen eigenen, persönlichen Blog starten konnte, heißt es auf der Unternehmenswebsite.
Besonders attraktiv macht Bluesky, dass es bereits von vielen Nutzern mit der alten Twitter-Plattform verglichen wird. Aufgrund der Größe der Plattform halten sich auch rassistische Beiträge in Grenzen. Auch im Aussehen und Aufbau ähnelt die relativ junge Plattform dem Konkurrenten X stark. Gegründet wurde Bluesky 2021 als Erweiterung für das damalige Twitter, ist inzwischen aber komplett unabhängig von Elon Musks X.
Besonders die politisierenden Äußerungen des X-Chefs Musk und seine umstrittenen Beiträge stören Nutzer. Auch die rückentwickelte Moderation der Plattform missfällt vielen Werbekunden.
So haben laut einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom 43 Prozent der Unternehmen in Deutschland ihre Werbung auf X zurückgefahren oder sogar ganz eingestellt. Ob Bluesky nachhaltig von den verärgerten X-Nutzern profitieren kann, ist jedoch fraglich, da auch die Meta-Plattform „Threads“ nach erster Euphorie keine Konkurrenz zu X darstellen konnte.