Schleswig-Holstein  Landesforst-Experte erklärt: Das macht der Klimawandel mit unseren Wäldern

Mahé Crüsemann
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Von Mahé Crüsemann
| 28.09.2023 19:49 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Jens-Birger Bosse weiß: Mischwälder sind klimaresilienter als Monokulturen. Foto: Marcus Dewanger
Jens-Birger Bosse weiß: Mischwälder sind klimaresilienter als Monokulturen. Foto: Marcus Dewanger
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Jens-Birger Bosse ist Leiter der Abteilung für Biologische Produktion der Landesforsten Schleswig-Holstein. Im Gespräch erzählt er, wie sehr unsere Wälder unter dem Klimawandel leiden.

Stärkere Stürme und trockene Sommer – das sind nur zwei der Herausforderungen, die auf unsere Wälder zukommen werden. Schuld ist der Klimawandel. Jens-Birger Bosse von den Landesforsten SH aber mag den Ausdruck Klimawandel nicht, er spricht lieber von Klimaveränderung, denn „Wandel klingt so abgeschlossen“. Wir hätten es schließlich mit einem Prozess zu tun, der andauere.

Aber was genau machen die steigenden Temperaturen und klimatischen Veränderungen mit unserem Wald? „Der Wald, in seiner jetzigen Form, ist durch die Klimaveränderung tatsächlich gefährdet“, sagt Jens-Birger Bosse. Das beunruhige ihn aber erstmal nicht. „Der Wald als solcher wird es überleben, nur in einer ganz anderen Form.“ Ein neues Gleichgewicht werde sich einpendeln. „Die Frage, die wir uns eher stellen sollten, ist, ob er für uns weiterhin die Funktion erfüllen kann, die er bisher erfüllt hat, ob er also sozusagen unseren Anforderungen gerecht werden kann“, so Bosse.

„Die Klimaveränderungen laufen in einer Geschwindigkeit ab, dass eine normale Resilienz, also eine Anpassungsfähigkeit der Bäume und Wälder, nicht hinterherkommt.“ Das sei aus seiner Sicht das größte Problem, sagt Bosse. Bäume unter Schutz zu stellen funktioniere nur noch bedingt als einzige Maßnahme. Herrsche in einem Wald viel Varianz, sei dieser schneller anpassungsfähig. Die Landesforsten setzten daher alles daran, gemischte Wälder zu etablieren. „89 Prozent unserer Wälder sind schon als Mischwald deklariert.“

„Auch ist unsere Waldbrandgefahr wirklich vergleichsweise gering“, sagt Bosse. „Ich will das nicht herunterreden, und natürlich gibt es auch bei uns ein Gefahrenpotenzial und jeder Quadratmeter, der abbrennt, ist einer zu viel“, so der Experte. Dennoch sei das überhaupt nicht mit den Situationen vergleichbar, die etwa im Sommer in Brandenburg herrschten.

Und nicht nur Mischwald, sondern auch die geografische Lage Schleswig-Holsteins begünstige die Resilienz unserer Wälder. „Unsere Lage zwischen den beiden Meeren ist klimatisch gesehen eine relativ günstige Ausgangssituation“, sagt Bosse, denn „die höhere Luftfeuchtigkeit, hervorgerufen durch die Meere, kompensiert bestimmt 50 bis 100 Millimeter Niederschlag.“

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