Wieder ein totes Heckrind Nabu geht von Weideunfall in Nüttermoor aus
Die Reihe der Unfälle beim Nabu-Weideprojekt in Nüttermoor reißt nicht ab. Nachdem dort im Mai zwei Konik-Fohlen und zwei Heckrinder zu Tode kamen, gibt es jetzt schon wieder ein totes Tier.
Nüttermoor - Beim Nabu-Weideprojekt Thedingaer Vorwerk in Nüttermoor ist erneut ein Heckrind zu Tode gekommen. Das verendete Tier wurde Freitagvormittag mit einem Trecker von der Weide geschafft und von einem Kadaverwagen zur Oldenburger Fleischmehlfabrik in Kampe gebracht. Leser hatten den Abtransport beobachtet und die Redaktion dieser Zeitung informiert. Nach den Vorkommnissen der vergangenen Monate wird das Geschehen auf den Weiden von Tierfreunden und Kritikern des Weideprojekts aufmerksam verfolgt.
Was und warum
Darum geht es: Im Weideprojekt des Nabu in Nüttermoor ist ein weiteres Heckrind zu Tode gekommen. Zuvor waren zwei Heckrinder und zwei Konikfohlen ums Leben gekommen.
Vor allem interessant für: Tierfreunde
Deshalb berichten wir: Der Nabu hat angekündigt, dass er die vom Landkreis gesetzte Frist zur Auflösung der Herden bis Ende Oktober nicht einhalten kann. Beharrt der Landkreis auf den Termin? Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de
Wie das Rind ums Leben gekommen ist, ist der Veterinärbehörde des Landkreises offenbar nicht bekannt. „Der Nabu hat den Landkreis Leer am Freitagnachmittag von sich aus informiert, dass ein Heckrind auf der Weide Thedingaer Vorwerk verendet sei“, teilte Landkreissprecher Philipp Koenen auf Nachfrage mit. Das Veterinäramt habe noch am Freitag versucht, einen Transport in die Tierpathologie zu organisieren, um das Rind untersuchen zu lassen. Dies sei allerdings gescheitert, weil die mit solchen Transporten beauftragte Fleischmehlfabrik Kampe dafür keine Kapazitäten freigehabt habe und das Tier erst am Montag in die Pathologie hätte bringen können. „Das wäre für eine Untersuchung schon zu spät gewesen. Insofern bleibt die Todesursache unbekannt“, so Koenen weiter. Ob es auf den Weiden in der Zwischenzeit noch weitere Verluste gegeben habe, sei dem Landkreis nicht bekannt. „Weitere Meldungen sind nicht erfolgt.“
Nabu bedauert den Unfall
Jan Tayeb, seit Anfang dieses Monats neuer Geschäftsführer des Nabu-Woldenhofs und der Landschaftspflege und Naturerlebnis Ostfriesland gGmbH (LUNO), ist die Todesursache nach eigenen Angaben allerdings sehr wohl bekannt. „Wir bedauern den Vorfall und können versichern, dass es sich um einen tragischen Unfall handelt, der leider nicht verhindert werden konnte“, so der 29-Jährige. Die LUNO befinde sich auf der Weide zurzeit in den Vorbereitungen für die Blutproben. „Zwei Mitarbeiter haben Isolatoren an einem Weidezaun installiert und dabei leider beobachten müssen, wie ein Heckrind auf der Weide gestürzt ist“, berichtet Tayeb auf Nachfrage, „die Kollegen standen in etwa 100 Meter Entfernung und konnten sehen, dass das Tier aus unersichtlichen Gründen ausgerutscht ist und sich dabei das Genick gebrochen hat. Das Tier war sofort tot.“ Er selbst sei kurz nach dem Unfall dazu gekommen und habe in direkter Kommunikation den weiteren Ablauf mit dem Veterinäramt Leer abgesprochen und umgesetzt.
Die Vorbereitungen für die Blutentnahme der Rinder auf dieser Weide laufen weiter. Wie schon erfolgreich in Coldam praktiziert, soll auch hier wieder das Cattle Driver Team zum Einsatz kommen. Reiter mit Pferden, die den Umgang mit Rindern gewohnt sind, sollen die Heckrinder stressfrei und ruhig zusammentreiben und so die Blutproben ermöglichen. Dies allerdings bis zu der vom Landkreis gesetzten Frist bis Ende Oktober zu schaffen, ist laut Tayeb nicht zu schaffen. Allein schon wegen der beiden im Abstand von 30 Tagen noch zu nehmenden Blutproben reiche diese Frist nicht aus.
Kreis hält an Zeitvorgabe fest
Der Landkreis Leer will von dieser Zeitvorgabe offenbar aber nicht abrücken. Er hat bereits vor geraumer Zeit angekündigt, dass die Beweidungsprojekte in Thedingaer Vorwerk und Coldam vor dem Winter beendet werden sollen. „Insofern ist dies dem Nabu längst bekannt und er konnte sich darauf einstellen“, macht Landkreissprecher Koenen deutlich. Dass im Zusammenhang mit Blutuntersuchungen, bei denen die Tiere zusammengetrieben werden müssen, ein durchaus zügiger Verkauf an andere Tierhalter möglich sei, habe der Nabu unlängst selbst bewiesen: „Innerhalb kurzer Zeit ist es gelungen, 40 Heckrinder von der Weide in Coldam abzutransportieren – und zwar lebend.“
Die jetzt vom neuen Woldenhof-Geschäftsführer angekündigten Blutuntersuchungen sind laut Koenen längst überfällig. Das Veterinäramt habe sie bereits vor längerer Zeit angeordnet, betonte der Landkreissprecher. Der Landkreis beabsichtigt offenbar bei seiner gesetzten Frist zu bleiben. „Es liegt jetzt beim Tierhalter, dafür zu sorgen, dass die Herden fristgerecht und tierschutzgerecht aufgelöst werden“, so Koenen abschließend. Es würden weiterhin Kontrollen erfolgen und bei Bedarf Anordnungen getroffen.
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