Sto  Wie die Bandenkriege in Schweden mit Erdogans NATO-Erpressung zusammenhängen

Jens Mattern
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Von Jens Mattern
| 27.09.2023 16:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die schwedische Regierung bekommt die ungezügelte Bandenkriminalität nicht in den Griff. Bei Schüssen in einer Kneipe gab es nun wieder Tote. Foto: dpa/AP/TT News Agency
Die schwedische Regierung bekommt die ungezügelte Bandenkriminalität nicht in den Griff. Bei Schüssen in einer Kneipe gab es nun wieder Tote. Foto: dpa/AP/TT News Agency
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In Schweden tobt landesweit ein Bandenkrieg um Drogenreviere. Die Regierung scheint ratlos. Auf der anderen Seite stellt Recep Tayyip Erdogan weitere Bedingungen für Schwedens NATO-Beitritt. Wie beides zusammenhängt.

Eine Szene wie aus der Ukraine: die Mauern eines Mehrfamilienhauses wurden aus zwei Stockwerken herausgesprengt, Kabel hängen heraus, auf dem Parkplatz davor liegen Bauschutt und andere Fragmente herum. Das Foto wurde jedoch Anfang dieser Woche in der schwedischen Stadt Linköping aufgenommen, eine Person liegt im Krankenhaus. Fast zur gleichen Zeit – in der Nacht zum Dienstag – verletzte eine Bombe im Treppenhaus eines Stockholmer Vororts drei Menschen.

Die Anschläge gelten als Teil des Bandenkriegs um Drogenreviere, der landesweit geführt wird. Bereits 42 Menschen fanden dieses Jahr in den Auseinandersetzungen den Tod. Aufgrund der Explosionen hat die Regierung eine Krisensitzung angesetzt. „Nun wird eine Führung gebraucht, die mit kraftvollen Maßnahmen die Gewalt der Gangs stoppt“, schießt Magdalena Andersson, Chefin der oppositionellen Sozialdemokraten am Dienstag gegen die Politik des bürgerlichen Regierungschefs Ulf Kristersson, der Anderson im vergangenen Oktober ablöste.

Ihr Versprechen Nummer eins: mittels Law and Order Gesetze den Krieg der Banden einzudämmen, welche vornehmlich aus Personen mit ausländischen Wurzeln bestehen. Versprechen Nummer zwei war es, Schweden in die NATO zu führen. Weder das eine noch das andere konnte umgesetzt werden und es gibt eine ungute Verquickung beider Bereiche.

Einer der Strippenzieher, der „Kurdische Fuchs“, bürgerlich Rawa Majid, orchestriert die Schießereien von der Türkei aus. Majid ist ursprünglich iranischer Staatsbürger, der als Kind nach Schweden kam. Nach einer Haftstrafe 2018 verließ er das Königreich und erhielt 2020 die türkische Staatsbürgerschaft. Eine Auslieferung ist darum erschwert, der 37-Jährige soll zudem von einem Polizeichef in Istanbul protegiert werden.

Auf der anderen Seite stellt Recep Tayyip Erdogan weitere Bedingungen für Schwedens NATO-Beitritt. Der türkische Staatspräsident hat auf dem NATO Gipfel im Juli zwar für Oktober die Ratifizierung im Parlament von Ankara versprochen, aber er kündigt seitdem immer wieder Rückzieher an. Denn Schweden würde „Terroristen“, gemeint sind zumeist kurdische Oppositionelle, demonstrieren lassen. Aktuell koppelt Erdogan den NATO-Beitritt Schwedens an die Lieferung von F-16 Kampfflugzeugen aus den USA.

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Schwedens Regierung will weder in der NATO-Frage noch in der Auslieferungs-Angelegenheit wirklich Druck machen, um Erdogan nicht zu reizen. Doch die Sozialdemokraten machen Druck. Majid müsse vor Gericht gestellt werden, denn dieser und sein „Netzwerk“, wie die Gangs sich selbst nennen, „setzt Schweden einer rücksichtslos brutalen Gewalt aus“, so der kriminalpolitische Sprecher der Sozialdemokraten, Ardalan Shekarabi.

Die Geschichte hat durchaus Sprengstoff-Potenzial. Während der Gangsterboss Bilder von seinem Luxusleben auf Yachten in den Sozialen Medien postet, sähen seine Befehlsempfänger Angst und Schrecken im skandinavischen Fürsorgestaat, auch die jüngsten Anschläge werden seinem Netzwerk „Foxtrott“ angerechnet.

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