Hamburg Welche Promis für und welche gegen Gendern sind
Das Gendern sorgt immer wieder für Aufregung. Zuletzt gingen die kritischen Stimmen von Schlagersänger Heino und Schauspielerin Senta Berger durch die Medien. Welche Promis lehnen Gendern ab – und welche befürworten es?
Das Gendern ist für viele Menschen ein Reizthema. Für die einen ist es die Möglichkeit, alle Geschlechter und Identitäten sprachlich gleichzubehandeln. Für die anderen stellt es eine Verhunzung der deutschen Sprache dar.
Auch unter Promis wird das Thema viel und öffentlich diskutiert. Zuletzt viral gegangen ist beispielsweise ein Ausschnitt vom Sat.1-„Frühstücksfernsehen“, in dem Schlagersänger Heino über das Gendern flucht. Auch Schauspielerin und Filmproduzentin Senta Berger hat sich nun zum Gendern geäußert und Zweifel über dessen Sinnhaftigkeit angebracht. Eine Auswahl dazu, welche Promis das Gendern verteufeln – und welche dafür einstehen.
Schlagersänger Heino: Im Sat.1-Frühstücksfernsehen antwortete der 84-Jährige auf die Frage des Moderatoren Matthias Killing, wie er zum Gendern stehe: „Denen haben sie ins Gehirn geschissen, so wie wir im Rheinland sagen. Ich stehe da überhaupt gar nicht zu. Ich werde weiter von der schwarzen Haselnuss singen, ich werde weiter ,Lustig ist das Zigeunerleben‘ singen. Da lass ich mich von keinem Menschen abbringen.“ Und weiter: „Es kann von mir aus gendern, wer will, ich werde es ganz sicher nicht tun.“
Schauspielerin Senta Berger: Im Interview mit unserer Zeitung sagte die 82-Jährige: „Ich habe den Eindruck, er mag falsch sein und meinem Alter entsprechen, dass in der Filmakademie ‚gegendert‘ wird, weil man das jetzt eben so macht. Ob es inhaltlich richtig ist, wage ich zu bezweifeln. Es geht um eine Korrektheit, die aus Teilen der amerikanischen Gesellschaft kommt. Man sieht heute den vollkommen unbedachten, alltäglichen Rassismus und Sexismus der Vergangenheit und möchte es wiedergutmachen – indem man alles besonders korrekt macht.“
Musiker Heinz Rudolf Kunze: Im Interview mit unserer Zeitung reagierte der heute 66-Jährige auf eine frühere Aussage von ihm, dass beim Gendern ihm der Kragen platzen würde, und sagte: „Gendern ist für mich der Tod des künstlerischen Umgangs mit Sprache. Ich jedenfalls lasse mir von niemandem vorschreiben, mit welchen Worten ich Menschen respektiere. Man sollte mir doch bitte glauben, dass ich Menschen aller Art respektiere.“
Schauspieler Christoph Maria Herbst: Der 57-Jährige sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass er mit dem Gendersternchen hadere: „Frauen muss in der Sprache Rechnung getragen werden. Ein Problem habe ich allerdings mit Sternchen oder Doppelpunkten mitten im Wort“, sagte der Film- und Fernsehstar. „Das lässt sich zwar prima lesen, aber schlechterdings sprechen. Dieses Päuschen bekomme ich nicht hin.“ Er spreche dagegen von Kolleginnen und Kollegen, egal wie knapp die Zeit sei. „Kolleg:innen gibt es bei mir nicht. Das hat für mich mit Respekt zu tun.“
Scooter-Frontmann H. P. Baxxter: In einem Interview mit „Radio Hamburg“ sagte der 59-Jährige: „Gendern finde ich zum Kotzen.“ Er legte direkt mit deutlichen Worten nach und bezeichnete das Gendern als „Verunglimpfung der Sprache“ und als ohnehin „völlig irre“. „Das hat ja nichts damit zu tun, dass man Frauen akzeptiert“, so der Musiker. Die geschlechtergerechte Sprache sei für ihn „Idiotensprache“ und „dieses -innen, -dschinnen, -minnen“ seien ebenfalls furchtbar.
Schauspielerin und Moderatorin Sophia Thomalla: Die 33-Jährige hält offenbar nicht viel vom Gendern. So machte sie erst kürzlich Werbung für einen Parfümhersteller für Männer – und nahm mit dem Schriftzug „Für echte Männer*innen“ die Debatte auf die Schippe. Zudem sagte sie bei einem früheren Auftritt in der WDR-Sendung „Hart aber fair“: „Wer als Frau ständig für Gleichstellung und gegen Sexismus wettert, hat offenbar noch nie ein Kompliment bekommen.“
Journalistin Petra Gerster: Die frühere ZDF-Moderatorin fiel in ihren Moderationen für den Sender mit Gendersprache auf. Im Interview mit der „Berliner Morgenpost“ erklärte sie vor einiger Zeit, dass durch Gendern Frauen sichtbar mache. Zu Kritikern, denen Gendern zu weit geht, sagte sie: „Mir ging es vor Kurzem ja auch nicht anders. Es zeugt aber auch von wenig Offenheit, wenn man sich einer so intensiven Debatte dauerhaft verschließt.“
Pur-Frontmann Hartmut Engler: Der 61-Jährige hat sich der „Augsburger Allgemeinen“ zufolge mit der Gendersprache angefreundet. „Ich versuche, mich langsam umzugewöhnen und einiges in meinem Sprachgebrauch mit aufzunehmen“, sagte er der Zeitung. Als er sich selbst dabei ertappte, dass er nur „Lieber Hörer“ gesagt habe, sei ihm das „unangenehm“ gewesen.
Comedian Carolin Kebekus: Im Interview mit dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ sagte die 43-Jährige: „Das Gendern ist ein wichtiger Schritt zu mehr Sichtbarkeit von Frauen. Es gibt sehr viele Belege dafür, dass dies wichtig und richtig ist, weil sich einfach mehr Frauen angesprochen fühlen und dadurch auch verantwortungsvoller handeln. Aber ich bezweifle, dass es sinnvoll ist, die gendergerechte Sprache zu diesem Riesenthema aufzuwerten, wie es gerade geschieht. Es wird nicht die Welt verbessern, wenn wir alle gendern, und genauso wenig wird die Welt untergehen, wenn wir alle gendern.“
Bestseller-Autorin und Moderatorin Anne Gesthuysen: Die frühere Moderatorin des ARD-„Morgenmagazins“ sagte im Podcast des „Kölner Stadt-Anzeigers“: „Zu sagen, die Sprache wird durchs Gendern verhunzt, finde ich total absurd.“ Sie finde es „selbstverständlich, dass junge Leute Sprache ändern wollen“, so die heute 53-Jährige weiter. „Ich finde es auch richtig und bin sicher, es wird sich eine Form durchsetzen, die gangbar ist. Wir sprechen schon lange nicht mehr so, wie Goethe geschrieben hat. Sprache verändert sich.“
Comedian Anke Engelke: Im Interview mit „t-online“ sagte die 57-Jährige zum Gendern: „Ja, das ist mir wichtig. Aber das muss jede:r für sich entscheiden dürfen, finde ich, ohne Vorschriften. Meiner Ansicht nach brauchen wir eine Veränderung, ein Umdenken. Ich habe in Kauf genommen, dass das auch ein bisschen anstrengend sein kann, dass das Gendern andere irritiert oder stört, aber mir fällt das nicht schwer.“
Musiker Herbert Grönemeyer: Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur sagte der 67-Jährige, dass er beim Einsatz für mehr Frauenrechte auch die Notwendigkeit für umstrittene sprachliche Veränderungen sieht. „Die Aufregung ums Gendern verstehe ich nicht“, so Grönemeyer. „Ich halte es für absolut richtig und wichtig, weil wir überhaupt erst mal begreifen, wie unsichtbar viele sind.“