Hannover Vertrauliche Gespräche? SPD wirft AfD „hemmungslose Lüge“ vor
Spricht die AfD in Niedersachsen mit Landtagspolitikern von CDU und SPD? AfD-Fraktionschef Stefan Marzischewski jedenfalls behauptet das. So deutlich fallen die Reaktionen aus.
Stefan Marzischewski bleibt dabei: Er führe vertrauliche Gespräche mit Landtagspolitikern von CDU und SPD. Diese Behauptung hatte der Fraktionsvorsitzende der AfD im Landtag bereits Mitte August aufgestellt und jetzt im Interview mit unserer Redaktion noch einmal bekräftigt.
„Ich spreche auf Landesebene mit einigen Politikern von der CDU und auch von der SPD. Ich kann hier versichern: Es bewegt sich was“, beharrt Marzischewski auf seinen Angaben und ruft damit nun bei CDU und SPD einmal mehr Empörung hervor.
Während die CDU die Äußerungen Marzischewskis auf Nachfrage als „abwegig“ bezeichnet, geht Grant Hendrik Tonne als Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion noch deutlich weiter: „Diese behaupteten Gespräche sind eine hemmungslose Lüge und der erbärmliche Versuch, Aufmerksamkeit zu erhaschen“, weist Tonne die von der AfD in den Raum gestellte Annäherung weit von sich und fügt hinzu: „Ich sage es erneut in aller Klarheit: Es gibt keine Zusammenarbeit und es wird keine Zusammenarbeit zwischen der niedersächsischen Sozialdemokratie und der AfD geben.“
Die SPD stehe seit 160 Jahren entschieden gegen den Rechtsextremismus und für gelebte Demokratie. „Die AfD verkörpert in jeder Hinsicht das genaue Gegenteil. Sie gefährdet unsere Demokratie und wird für uns niemals für irgendeine Art von Zusammenarbeit auch nur infrage kommen“, stellt SPD-Fraktionschef Tonne klar.
Für die CDU bezieht Generalsekretär Marco Mohrmann Stellung und sagt: „Wir haben mit der Partei der Putin-Freunde nichts am Hut. Auch das Wiederholen etwaiger Märchengeschichten erhöht deren Wahrheitsgehalt nicht.“
Mit wem er sich unterhalte, wollte Marzischewski im Interview nicht sagen. „Ich werde keine Namen nennen. Das wissen auch diejenigen, mit denen ich spreche. Ich würde diese Politiker ja verbrennen und an den Marterpfahl ihrer Partei und ihrer Fraktion stellen. Das werde ich nicht tun“, betonte der AfD-Politiker und fügte hinzu: „Ich habe übrigens ganz bewusst auch die SPD genannt. Auch dort gibt es Politiker, die wirklich an Sachlösungen interessiert sind.“ Für ihn sei klar: „Die sogenannte Brandmauer zur AfD wird nicht länger aufrechtzuerhalten sein.“
Überdies machte Marzischewski deutlich, dass er von einer Regierungsbeteiligung der AfD nach der nächsten Landtagswahl in Niedersachsen ausgehe. „Die Chancen dafür sind jedenfalls sehr groß.“ Für am wahrscheinlichsten halte er eine Zusammenarbeit mit der CDU. „Ich kann mir aber auch alles andere vorstellen“, sagte Marzischewski.