Ostrhauderfehner leitete ehrenamtlichen Einsatz Reservisten pflegen den Lagerfriedhof Esterwegen
Sechs Reservisten pflegten bei einem ehrenamtlichen Einsatz die Gräber auf dem Lagerfriedhof in Esterwegen. Dabei war Disziplin und Muskelkraft gefragt.
Ostrhauderfehn/Esterwegen - Seit fast 20 Jahren ist der 71-jährige Peter Weyers, der Oberstleutnant im Ruhestand ist, mit seinem Team auf Militärmärschen und Kriegsgräbereinsätzen im In- und Ausland unterwegs. Doch auch in der Region sorgt sich der seit drei Jahren in Ostrhauderfehn lebende Weyers um die Erinnerungskultur. Er ist Initiator der Grabpflege auf dem Lagerfriedhof Esterwegen. Ende September reinigte Weyers bei einem ehrenamtlichen Einsatz zusammen mit weiteren sechs Reservisten zahlreiche Gräberreihen. Für eine derart gründliche Grabpflege ist im Niedersächsischen Innenministerium kein Geld vorgesehen.
Bereits im Jahr 2021 meldeten sich der 71-Jährige und sein sechsköpfiges Team für die ehrenamtliche Tätigkeit auf dem Lagerfriedhof. Auch dieses Jahr waren sie wieder für zwei Wochen zur ehrenamtlichen Grabpflege in Esterwegen im Einsatz. Bei diesem Ehrenamt sind Disziplin und Muskelkraft gefragt. Von morgens 8 bis etwa 17 Uhr war körperlicher Einsatz angesagt. Die Gedenkstätte Esterwegen stellte dem Team kostenlos eine Halle als Unterkunft mit Feldbetten und Fernseher zur Verfügung.
Die Pflege ist Herzenssache
Alle anfallenden Kosten für Verpflegung und Benzin zahlten die Ehrenamtlichen aus eigener Tasche. Der Einsatz in Esterwegen ist ihnen eine Herzenssache. „Es ist natürlich traurig, dass hier so etwas passiert ist. Es ist schon ergreifend, bedrückend. Es sind insgesamt 65 Grabreihen, 22 davon haben wir in einer Woche geschafft“, sagt der Oberstleutnant im Ruhestand und blickt über die endlos scheinenden Reihen.
„Zwischen den Grabeinfassungen müssen die Grassoden, die mit Unkraut durchsetzt sind, herausgenommen werden. Auch junge Bäume, die dort wachsen, werden entfernt. Anschließend wird frischer Rindenmulch ausgebracht“, sagt Weyers.
Ungefähr 1500 Häftlinge bestattet
Hans Jungsthöfel, technischer Hausmeister der Gedenkstätte Esterwegen, unterstützte sie tatkräftig. Ursprünglich wurden auf dem Lagerfriedhof ungefähr 1500 Häftlinge aus den nördlichen Emslandlagern Börgermoor, Esterwegen und Neusustrum bestattet. Wie viele aktuell dort noch liegen, wisse man nicht. „Viele wurden nach dem Krieg exhumiert und in ihre Heimat überführt. Die meisten davon gingen nach Belgien und in die Niederlande“, berichtet Weyers.
Ab September 1933 wurden die ersten KZ-Häftlinge auf dem Lagerfriedhof Esterwegen beerdigt. An jeder Grabreihe stehen kleine Pfähle mit Nummern. Pro Reihe sind 15 Menschen bestattet. Jedes Grab hat seinen eigenen Stein, entworfen vom Landschaftsarchitekten Oswald Langerhans. Die Form der Grabsteine solle an Moorsoldaten erinnern, so Weyers.
Bestattungsbuch ist verloren gegangen
„Es waren ursprünglich alles Einzelgräber. Die Zuordnung ist jetzt nicht mehr möglich, da das Bestattungsbuch offiziell in den 50er Jahren verloren gegangen ist“, ergänzt die 28-jährige Jacqueline Meurisch, Leiterin der Gedenkstättenpädagogik. Sie ist froh über das ehrenamtliche Engagement. „Die Reservisten leisten hier sehr umfangreiche Pflegearbeiten. Wir sind sehr dankbar darüber, was sie hier alles in kurzer Zeit schaffen“, betont Meurisch.
„Insgesamt 250.000 Euro wurden aus Landesmitteln kürzlich bereitgestellt für einen neuen Zaun, neue Wege und die Ausbesserung von gepflasterten Flächen. Die Gelder reichen aber nicht für eine derart gründliche Grabpflege“, sagt die 28-Jährige. Die Reservisten hoffen, auch im nächsten Jahr weitere Gräber in Esterwegen pflegen zu können.