Bonn  „Mitte-Studie“: Immer mehr junge Menschen teilen rechtsextremes Weltbild

Jule Pinno
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Von Jule Pinno
| 22.09.2023 19:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Rechtsruck in Deutschland entwickelt mittlerweile mehr bei jüngeren Menschen. Foto: IMAGO IMAGES / CHROMORANGE
Der Rechtsruck in Deutschland entwickelt mittlerweile mehr bei jüngeren Menschen. Foto: IMAGO IMAGES / CHROMORANGE
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Laut einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung teilen immer mehr Deutsche ein rechtsextremes Weltbild. Auch unter den jungen Menschen ist die Zahl gestiegen. Das sind die Gründe.

Die „Mitte-Studie“ der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung hat herausgefunden, dass die Zahl der Befürworter rechtsextremer Einstellungen zugenommen hat. Gerade immer mehr junge Menschen teilen ein rechtsextremes Weltbild, so die Studie.

Alle zwei Jahre werden die politischen Einstellungen der sogenannten gesellschaftlichen Mitte in Deutschland abgefragt. Demnach haben acht Prozent der deutschen Bevölkerung ein rechtsextremes Weltbild, was in etwa jedem zwölften Erwachsenen entspricht. In den vergangenen Jahren lag dieser Anteil bei lediglich zwei bis drei Prozent.

Die Studie misst die Einstellungen der Befragten anhand von unterschiedlichen Faktoren. Bei allen Indikatoren sind Anstiege zu verzeichnen. Dazu zählen „Befürwortung einer rechtsgerichteten Diktatur, Nationalchauvinismus, Verharmlosung des Nationalsozialismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Sozialdarwinismus.“

Bei der „politischen Selbstverortung“ ist auffällig, dass sich zwar mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Befragten als „genau in der Mitte“ verorten, der Anteil der „eher rechts“ gerichteten aber um die Hälfte gestiegen ist. Gegenüber der letzten Befragung hat sich der Wert von sieben Prozent auf 14 Prozent verdoppelt, heißt es in der Studie.

Die Infografik zeigt, wo sich die befragten Menschen politisch verorten.

Die Untersuchung der Altersgruppen bei 18- bis 34-Jährigen zeigt einen Anstieg bei der „Verharmlosung des Nationalsozialismus, Antisemitismus und Sozialdarwinismus.“ Insgesamt weisen zwölf Prozent der Befragten ein rechtsextremes Weltbild auf.

Bei der Befürwortung einer Diktatur unterscheiden sich die jüngere und mittlere Altersgruppe nicht. Eine positive Entwicklung ist, dass die älteren Befragten ab 65 Jahren bei fast allen befragten Faktoren die geringsten Zustimmungswerte aufweisen. Besonders niedrig mit einem Prozent war der Wert bei „der Verharmlosung des Nationalsozialismus.“ Laut der Studie „setzt sich eine Trendumkehr fort, die sich in den vergangenen Jahren angedeutet hatte.“ Ein Rückgang von rechtsextremen Einstellungen bei älteren Menschen, aber gleichzeitiger Zunahme bei jungen Menschen.

Die Infografik zeigt, die Zustimmung zu den Dimensionen nach Altersgruppen.

Ein Grund für die steigenden Zahlen kann laut der Studie sein, dass das Vertrauen in Institutionen und die Demokratie verloren geht. Nur knapp unter 60 Prozent gaben an, noch Vertrauen in das deutsche System zu haben.

Ein anderer Grund, gerade bei den jüngeren Menschen, ist die Beschaffung von Informationen aus dem Internet. „Jugendliche, die ihre Informationen bevorzugt aus den sozialen Medien beziehen, sind zunehmend mit Falschnachrichten online oder in den sozialen Medien konfrontiert“, heißt es.

76 Prozent der 14- bis 24-Jährigen berichten davon, einmal pro Woche oder öfter Falschnachrichten zu begegnen. Über das Internet in Berührung mit Verschwörungserzählungen gekommen, sind 43 Prozent. Fast die Hälfte gibt zudem an, im Internet ebenfalls mit extremen politischen Meinungen konfrontiert gewesen zu sein.

Die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung veröffentlicht seit 2006 alle zwei Jahre eine neue Ausgabe der sogenannten „Mitte-Studie“. Für die aktuelle Erhebung wurden zu Beginn dieses Jahres 2027 Menschen repräsentativ befragt.

Die Studie analysiert den Zustand der „demokratischen Mitte“. Die Menschen werden durch Zufall in Telefongesprächen befragt und haben fünf verschiedene Antwortmöglichkeiten: „stimme voll und ganz zu“, „stimme eher zu“, „teils-teils“, „stimme eher nicht zu“, „stimme überhaupt nicht zu“. 

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