Bremen  „Diese eine Nacht“ am Boulevardtheater Bremen: Komödie erntet viel Applaus

Marco Julius
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Von Marco Julius
| 22.09.2023 12:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Drei Mann am Tisch - und später im Doppelbett: Im Leben von David (David Gundlach, v.li.), Bruno (Joachim Börker) und Svens (Marco Linke) Leben fährt kurz Achterbahn. Foto: Boulevardtheater Bremen/Berkhausen
Drei Mann am Tisch - und später im Doppelbett: Im Leben von David (David Gundlach, v.li.), Bruno (Joachim Börker) und Svens (Marco Linke) Leben fährt kurz Achterbahn. Foto: Boulevardtheater Bremen/Berkhausen
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Premiere am Boulevardtheater Bremen: Die Komödie „Diese eine Nacht“ von Kay Kruppa und Frank Pinkus hat am Donnerstag die neue Saison eingeläutet und dem Publikum offenkundig einen vergnüglichen Abend bereitet.

Es sind, keine Frage, keine leichten Zeiten, in denen wir leben. Aber gerade in schweren Zeiten kann leichte Unterhaltung ein Mittel sein, den Dauerkatastrophen dieser Welt zu entfliehen. Warum nicht mal wieder einen Abend unbeschwert giggeln, jauchzen, klatschen, lachen, grinsen? Die Welt da draußen mal für einen kurzen Abend anhalten. Abschalten. Und schon sind wir mittendrin im Boulevardtheater Bremen, jener Adresse im Bremer Tabakquartier, die seit zwei Jahren das hält, was der Name verspricht: professionelles Boulevardtheater.

Mit der Premiere der Komödie „Diese eine Nacht“ von Kay Kruppa und Frank Pinkus, die Kruppa selbst inszeniert hat, ist das schmucke Haus am Donnerstagabend offiziell in die Saison 2023/2024  gestartet. Und das mit Erfolg, wie nicht nur der lang anhaltende Applaus am Ende, stehend dargeboten, beweist.

Schwungvoll, launig, temporeich, mit einem Blick für allzu menschliche Schwächen: „Diese eine Nacht“ bietet all das, was man sich von einer Boulevardkomödie wünscht. Die Türen fliegen, Männer verstecken sich im Kleiderschrank, ziehen auch mal hintenrum blank (spitze Schreie im Publikum), es gibt Klamauk, Kalauer und kleine Katastrophen. Und neue Erkenntnisse nimmt der Zuschauer auch mit nach Hause: Unter anderem den Fakt, dass Werder-Coach Ole Werner in manchen Kreisen als Sexsymbol gilt.

Doch beginnen wir dort, wo alles seinen Lauf nimmt. Die Komödie führt uns in die Wand an Wand liegenden Reihenhäuser der Ehepaare Sven und Mareike, gespielt von Marco Linke und Maren Kannelon, und David und Kirsten, gespielt von David Gundlach und Sarah Kluge. Szenen einer Ehe, so wie sie vermutlich fast jeder kennt, sind zu sehen. Also Szenen zweier Ehen. Im Bett läuft in beiden kaum noch was. Der Alltag frisst die Erotik. Sven, von Linke mit Ralf-Schmitz-hafter Lust an der Übertreibung gespielt, und David sind nicht nur leidgeprüfte Werder-Fans, sie sind auch Kollegen bei der Polizei. David im Fitness- und Burpee-Wahn, Sven mag lieber Pizza. Bei den Ehefrauen hingegen ist es andersherum: Kirsten, von Sarah Kluge mit wunderbar lebensnaher Natürlichkeit gespielt, hat Salat satt, Mareike liebt gesunde Smoothies. Eigentlich sollte man mal tauschen. Und dann ist da noch Bruno (Joachim Börker), ein weiterer Kollege, Freund und Helfer. Alleinstehend und eher gemütlich.

Die Pointen sitzen bei der Alltagsbeschreibung, Klischees werden fleißig bedient, aber auch hopsgenommen, und dann, dann läuft eine Kostümparty etwas aus dem Ruder. Teufel Alkohol. Wo war ich in der Nacht von Freitag auf Montag?, fragen sich alle. Denn am Morgen danach finden sich sowohl Sven, der längst ein Auge auf die Nachbarin geworfen hat, als auch David, seiner Nachbarin ebenfalls nicht abgeneigt, splitterfasernackt im Schlafzimmer ebenjener Nachbarinnen wieder, Sven zu allem Überfluss noch mit Handschellen ans Bett gefesselt – und keiner weiß, was genau in den letzten Stunden passiert ist. Lässt sich alles vertuschen? Lassen sich die Ehen retten? Wie sich diese prekäre Situation auflöst, soll hier nicht verraten werden. Bruno jedenfalls spielt bei der Lösung eine gewichtige Rolle. Denn auch er hat amouröse Vorlieben, die er lange verborgen hat. Zwischenzeitlich heißt es sogar: drei Mann im Doppelbett.

„Diese eine Nacht“ läuft noch bis Januar 2024 am Boulevardtheater. Insgesamt sind 29 Aufführungen geplant. Der Vorverkauf läuft.

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