Hamburg  Hannah Herzsprung: „Ich war diejenige, die keine Barbie haben durfte“

Laura-Cäcilia Wolfert
|
Von Laura-Cäcilia Wolfert
| 06.10.2023 06:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 8 Minuten
Schauspielerin Hannah Herzsprung in Berlin. Foto: Imago Images / APress
Schauspielerin Hannah Herzsprung in Berlin. Foto: Imago Images / APress
Artikel teilen:

Sie ist 42 Jahre alt, hat zwei bekannte Eltern und wohnt in Berlin. Viel mehr weiß man nicht über Schauspielerin Hannah Herzsprung, die ihr Privatleben meistens aus der Öffentlichkeit heraushält. Wer Sie jedoch über Ihre Freunde befragt, kann die tollsten Geschichten aus ihr herauskitzeln.

Der Roman „Das fliegende Klassenzimmer“ von Erich Kästner aus dem Jahr 1933 wurde bereits drei Mal verfilmt, nun soll im Oktober eine weitere Variante in deutschen Kinos laufen. Neben Tom Schilling und Trystan Pütter ist Hannah Herzsprung zu sehen, in der Rolle der Schuldirektorin Kreuzkamm.

Wir haben mit der 42-jährigen Schauspielerin über Erich Kästner, Tischkicker und Klavierstunden gesprochen:

Frage: „Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt, ist ein Mensch“ – ein Zitat von Erich Kästner. Sind Sie noch ein Kind, Frau Herzsprung?

Antwort: Hannah Herzsprung: Ein Kind bin ich auf jeden Fall nicht mehr. Aber ich denke, ein Teil von einem selbst bleibt immer kindlich – zumindest das eigene Empfinden. Das Spannende am Älterwerden ist: Wann setzt das ein, dass man sich so alt fühlt, wie man ist? 

Frage: Was denken Sie, wann denn?

Antwort: Vielleicht nie. Vielleicht fühlt man sich immer kindlicher als man ist. Ich glaube, es muss beides da sein: der kindliche und der erwachsene Anteil. Es ist doch cool, erwachsen zu sein, all die Erfahrungen gemacht zu haben und gleichzeitig eine gewisse kindliche Neugier und Offenheit beizubehalten. 

Frage: Der Film „Das fliegende Klassenzimmer“ fängt an mit den Worten: „Das hier ist eine Geschichte über Freundschaft“. Erzählen Sie uns Ihre Geschichte über Freundschaft?

Antwort: Für mich bedeutet Freundschaft alles. Freunde sind wie eine Familie, die man sich ausgesucht hat. Eine kleine Anekdote: Vor zwei Jahren klingelte am Morgen meines 40. Geburtstags ein Lieferant, der mir einen Blumenkranz mit einer Karte überreichte. Auf dieser stand: “Hannah, du wirst um 13 Uhr abgeholt”. So bin ich dann ins Taxi eingestiegen, hatte aber keine Ahnung, was passiert, wohin es geht, oder wer auf mich wartet. Der Fahrer hat vor einem Restaurant gehalten. Ich bin ausgestiegen und hineingelaufen, mit dem Blumenkranz auf dem Kopf. Im Innenhof des Restaurants saßen meine liebsten Menschen und alle hatten eine Maske auf, mit meinem Gesicht – im Alter von 80 Jahren.

Frage: Und wie sehen Sie im Alter von 80 Jahren aus?

Antwort: Das kann ich schlecht beschreiben, aber es gibt diese Filter auf Social Media. Damit wurde ein Foto von mir bearbeitet. Das sah sehr lustig aus, all meine Freunde mit dieser Maske zu sehen. Ich hatte den größten Lachkrampf. Es hat deswegen etwas gedauert, bis ich das alles realisieren konnte, wer da sitzt und was diese tollen Menschen nur für mich gemacht haben. Überall hingen Luftballons! Schöner und humorvoller hätte man mich nicht überraschen können. 

Frage: Ist Freundschaft wichtiger als Liebe?

Antwort: Freundschaft hat mit Liebe zu tun. Das ist so ein starkes Gefühl der Zuneigung, der Offenheit und des Vertrauens. Das sind alles Eigenschaften, die auch die Liebe mit sich bringt. 

Frage: Und wenn der Partner der beste Freund ist?

Antwort: Das ist der bestmögliche Fall, dann fühlt man sich wohl und aufgehoben. 

Frage: „Das fliegende Klassenzimmer“ erschien im Jahr 1933 als Buch. Wann haben Sie es gelesen und was haben Sie gefühlt?

Antwort: Da muss ich 15 Jahre alt gewesen sein. Die Geschichte ist wunderschön geschrieben und steht für sich, sie ist zeitlos. Erst habe ich das Buch gelesen und dann den Film von 1973 mit meinem Vater angeschaut, der damals unter der Regie von Werner Jacobs mitgespielt hat und in die Rolle des schönen Theodors geschlüpft ist. Umso mehr habe ich mich gefreut, bei der Neuverfilmung mitzuwirken. Es ist toll, ein Teil von etwas zu sein, das schon so lange existiert. 

Frage: Warum hat die Herzsprung-Familie so einen Bezug zum „Fliegenden Klassenzimmer“?

Antwort: Dass ich und mein Vater beide in einer „Das fliegende Klassenzimmer”-Verfilmung zu sehen sind, ist reiner Zufall. Meine Rolle hat zudem nichts mit dem schönen Theodor zu tun. Ich spiele Frau Kreuzkamm, die Schuldirektorin. In der Geschichte, dem Buch von Erich Kästner, ist sie eigentlich ein Mann. Ich finde es schön, dass nach wie vor die Lust und Neugierde besteht, „Das fliegende Klassenzimmer” neu zu interpretieren und an die Zeit anzupassen – um auch neue Generationen abzuholen. 

Hier sehen Sie den Trailer zur Neuverfilmung von „Das fliegende Klassenzimmer“:

Frage: Ihr Familienleben halten Sie aus der Öffentlichkeit heraus. Auch auf Social Media geben Sie wenig Privates preis, ihr Instagram-Profil sieht aus wie eine Seite des Modemagazins „Vogue”. 

Antwort: Instagram betreibe ich auf einer professionellen Ebene. Wenn ich etwas Bestimmtes finden möchte, nutze ich auch mal die Suchfunktion und lasse mich inspirieren. Ansonsten nutze ich Social Media privat gar nicht.

Frage: Zuletzt haben Sie gepostet, dass Sie auf der Premiere des Films „Barbie“ waren. Verraten Sie, welche früher Ihre liebste Barbie war?

Antwort: Ich hatte leider keine Barbie, ich war diejenige, die keine haben durfte. Nur wenn ich bei meiner Freundin war, haben wir mit ihnen gespielt. Sie hatte alle Barbies! Wir haben die aber nur an- und ausgezogen – deswegen habe ich mich zu keiner Puppe so richtig nah gefühlt. 

Frage: Nach Vogue und Barbie, eine Modefrage: Welches Kleidungsstück passt immer?

Antwort: Der klassische, dunkelblaue Blazer. Egal zu welcher Hose, zu welchem Shirt oder zu Kleidern – der geht immer. Ich muss außerdem feststellen, dass mir die klassischen Sachen am besten stehen. Selbst wenn ich mal Lust habe, etwas Neues auszuprobieren – am Ende denke ich mir dann, oh, hätte ich das lieber mal gelassen (lacht). 

Hannah Herzsprungs Outfit für die Premiere des neuen Barbie-Films:

Frage: Obwohl es wenig Privates über Sie im Netz zu finden gibt, habe ich trotzdem eine lustige Sache gefunden: In einem YouTube-Interview, das allen Anschein in Ihrer Wohnung gedreht wurde, sieht man im Hintergrund einen Tischkicker! 

Antwort: Das in dem Video war nicht meine Wohnung und ich habe leider keinen Tischkicker zu Hause (lacht). Aber mir macht das tatsächlich Spaß! Wir haben einen Italiener um die Ecke, da steht ein Kicker. Manchmal habe ich Lust, mit Leuten eine Runde zu spielen.

Frage: Spielen Sie dann lieber Figuren in der Abwehr oder im Angriff? 

Antwort: Abwehr! Irgendwie kann ich mich da besser konzentrieren. Wobei es auch Spaß macht, den Ball ins Tor zu kickern. 

Frage: In dem Film „Vier Minuten” aus dem Jahr 2007 spielen Sie Jenny, eine drogenabhängige, talentierte Klavierspielerin. Um die Rolle zu ergattern, täuschten Sie vor, bereits Klavier spielen zu können, was eine der Voraussetzungen der Rolle war. Wie täuscht man Klavierspielen vor?

Antwort: Ich habe einfach behauptet, dass ich es könnte. Ein Klavier stand nicht da, ich musste also nichts vorspielen. Ich habe nach der Zusage für meine Rolle einfach sehr viele Klavierstunden genommen. So schnell lernt man das aber nicht, man bekommt eher nur ein Gefühl dafür. Nach so viel Übung denkt man aber irgendwann selbst, dass man es wirklich könnte (lacht). 

Frage: Das scheint geklappt zu haben. Sie spielen nun im zweiten Teil mit – in „15 Jahre“, die Fortsetzung des Kinoerfolgs „Vier Minuten“.

Antwort: Ja, der Film erscheint im Januar. Für die Dreharbeiten musste ich wieder lernen, Klavier zu spielen und komplett neu anfangen. Ich kann es aber nach wie vor nicht wirklich.

Frage: Woher wissen Sie als Schauspielerin, dass Sie gut spielen? 

Antwort: Ich glaube, das kann man gar nicht. Es gibt nur den Moment, auf den man sich gut vorbereiten und dann sein Bestes geben kann. Es gibt in der Schauspielerei kein Richtig oder Falsch. Der Regisseur entscheidet, ob ihm das gefällt. Ich bin eigentlich nur neugierig, welche Szene es am Ende in den Film geschafft hat und was insgesamt daraus geworden ist. Es gibt bestimmt Filme, die nicht so geworden sind, wie ich mir das gewünscht oder vorgestellt habe.

Frage: Sie scheinen sich sehr gut vorzubereiten. Sie sind für Ihre dicken Drehbücher bekannt, die Sie wohl mit allerlei Notizen und Fotos befüllen. 

Antwort: An einem Drehtag passiert so viel! Szenen werden durcheinandergedreht, das wird nie chronologisch gefilmt. Da brauche ich dieses Drehbuch, um zwischendurch mal reinzuschauen und zu wissen: wo bin ich jetzt, was muss ich jetzt machen? Das ist mein Arbeitsmaterial. Mir helfen meine Markierungen und Notizen, um Zeit zu sparen. Sonst würde es ewig dauern, bis ich gefunden habe, was ich suche. Und wenn am Set schöne Bilder entstehen, klebe ich da einfach mit rein – das sind schöne Erinnerungen. 

Frage: Nun haben Sie schon in vielen Filmen mitgespielt. Haben Sie ein extra Zimmer für all Ihre dicken Drehbücher, oder werden die weggeworfen?

Antwort: Die muss ich leider irgendwann entsorgen, nur die letzten Projekte hebe ich auf. Und das Drehbuch meines ersten großen Films habe ich noch behalten, zu „Vier Minuten”. Das war ziemlich praktisch, als ich 15 Jahre später den zweiten Teil gedreht habe. Meine Notizen und die ganzen Materialien waren so viel wert!

Ähnliche Artikel