Aufschub Nabu bekommt mehr Zeit für Auflösung der Weideprojekte
Eigentlich muss der Nabu seine Heckrinder- und Konikherden bis Ende September auflösen. Jetzt gewährt der Landkreis dem Nabu eine Fristverlängerung bis Ende Oktober. Doch der Aufschub ist zu kurz.
Coldam/Nüttermoor - Verendete Konikfohlen, schwer verletzte Heckrind-Kälber, die eingeschläfert werden mussten – die Missstände bei den Beweidungsprojekten des Nabu im Landkreis Leer hatten bei Tierfreuden große Empörung ausgelöst. Das Veterinäramt zog schließlich die Reißleine und forderte die Beendigung der Beweidungsprojekte. Bis zum Ende des Monats sollte der Nabu die Konik- und Heckrinderherden auflösen. Nun hat der Landkreis dem Nabu einen kleinen Aufschub eingeräumt.
Was und warum
Darum geht es: Um die Frage, wie es mit den Beweidungsprojekten des Nabu weitergeht.
Vor allem interessant für: Tier- und Naturfreunde
Deshalb berichten wir: Wir wollten wissen, ob der Landkreis Leer dem Nabu mehr Zeit für die Auflösung der Herden einräumt. Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de
„Als Frist wurde der 31. Oktober 2023 gesetzt. Bis dahin müssen die Herden aufgelöst werden“, teilte Landkreissprecher Philipp Koenen auf Nachfrage mit.
„40 Rinder konnten allerdings zwischenzeitlich entgegen der falschen Behauptung, dies sei nur mit einem tierschutzwidrigem Abschuss aller Tiere möglich, lebend von der Fläche aus Coldam zu neuen Haltern verbracht werden“, erläuterte Koenen. Der neue Geschäftsführer der Landschaftspflege und Naturerlebnis gGmbH Ostfriesland (LUNO) habe dies in kurzer Zeit realisieren können.
Nabu kündigt Klage an
Der Nabu hat inzwischen Kenntnis von der Anordnung erhalten. Die Haltung des Nabu hat sich nicht geändert. „Eine vollständige Auflösung der Herden bis Ende Oktober bleibt tierwohl- und tierschutzgerecht unmöglich, was dem Landkreis bekannt sein dürfte“, teilt Dr. Holger Buschmann, Vorsitzender des Nabu Niedersachsen, auf Nachfrage mit. Die LUNO werde daher auch gegen diese Anordnung beim Gericht Klage einreichen müssen. „Dies wird dann bereits die fünfte Klage gegen den Landkreis und seine Anordnungen sein.“
Einige wenige Bullen seien nach Buschmanns Worten per Weideschuss getötet und vor Ort geschlachtet worden. „In Coldam konnten wir Blutuntersuchungen durchführen. Ergebnis: alle Tiere waren wohlauf und gesund“, so der Landesvorsitzende weiter, „daraufhin war es möglich, die gesamte Rinderherde von der Fläche zu nehmen und an drei Viehhalter, darunter auch ein anderes Beweidungsprojekt in Deutschland, zu verkaufen.“
Blutuntersuchungen stehen noch an
Bei den rund 50 Rindern auf der Weide Thedingaer Vorwerk soll möglichst bald eine Blutuntersuchung durchgeführt werden. Anschließend folge laut Buschmann eine 30-tägige Quarantäne, wonach eine zweite Blutuntersuchung vorgenommen werden müsse. Erst dann könne man sich um das Verbringen der Tiere kümmern. „Da es bisher keine weiteren Interessenten in anderen Beweidungsprojekten gibt, ist mit einer schnellen Entfernung von der Fläche nicht zu rechnen“, macht Buschmann das Problem deutlich. Hinzu komme, dass ein Teil der Kühe trächtig sei. Eine Schlachtung dieser Tiere werde daher nicht möglich sein. „Schon allein aufgrund der Fristen für die Blutuntersuchungen ist eine Entfernung aller Tiere bis zum 31. Oktober nicht möglich.“
Jan Tayep teilt diese Einschätzung. Der 29-Jährige hat am 1. September als Geschäftsführer des Nabu Woldenhofs und der LUNO die Nachfolge von Uwe Betten angetreten. Betten hatte im Februar nach langjähriger Tätigkeit in diesen Funktionen aus gesundheitlichen Gründen gekündigt. Wie der Woldenhof-Homepage zu entnehmen ist, ist Tayep gelernter Tierpfleger. Er fungierte zuvor als Landwirt und Geschäftsführer eines Wildparks und konnte neben seines Landwirtschaftsstudiums zahlreiche zoologische Stationen durchlaufen. Er betreute, versorgte und züchtete er insgesamt rund 40 verschiedene Tierarten, darunter Rinder, Schalenwild und sogar Braunbären.
„Wir brauchen zur Auflösung der Herden einfach mehr Zeit. Allein durch die Wartezeit zwischen den Blutproben ist die Frist bis Ende Oktober nicht einzuhalten“, sagt Tayep. Hinzu komme, dass die Witterungsverhältnisse schlechter würden. Ein geschlechtsfähiger Bulle befinde sich noch immer auf der Weide Thedingaer Vorwerk. „Wir wissen zum jetzigen Zeitpunkt nicht, wie viele der Kühe tragend sind“, macht er deutlich. Die Auflösung der Herde lasse sich nicht im Hauruckverfahren umsetzen. „Das darf nicht zu Lasten der Tiere gehen, denn die können am wenigsten für die Situation.“
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