Hannover  Niedersachsen bekommt Heimatschutzregiment: Was bedeutet das?

Lars Laue
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Von Lars Laue
| 20.09.2023 15:36 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Eine Reservistin erhält in der Waffenkammer ein Sturmgewehr vom Typ G36. Die Frau nimmt mit anderen Teilnehmern an einer Abschlussübung zum Projekt „Ungediente für die Reserve“ teil. Foto: Christoph Schmidt/dpa
Eine Reservistin erhält in der Waffenkammer ein Sturmgewehr vom Typ G36. Die Frau nimmt mit anderen Teilnehmern an einer Abschlussübung zum Projekt „Ungediente für die Reserve“ teil. Foto: Christoph Schmidt/dpa
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Mehr als 800 Soldaten sollen im sogenannten Heimatschutz-Regiment Niedersachsen tätig werden. Was sind ihre Aufgaben?

Zur Stärkung des Zivil- und Katastrophenschutzes sollen bundesweit bis zum Jahr 2027 mehrere Heimatschutzregimenter der Bundeswehr entstehen. Das erste wurde im April in München in Dienst gestellt, ein zweites folgte im nordrhein-westfälischen Münster und Nummer drei kommt nach Niedersachsen.

Die sogenannte Indienststellung des Truppenteils erfolgt zum 1. Oktober 2023 – der für den 10. Oktober geplante Appell stellt den formalen Beginn der Aufstellung dar. Das hat der Kommandeur des Landeskommandos Niedersachsen, Oberst Dirk Waldau, am Mittwoch in Hannover erklärt. An dem etwa einstündigen Festakt, der um 17 Uhr am Landtag beginnt, nimmt laut Oberst Waldau auch Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) teil. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (ebenfalls SPD) indes habe aus Termingründen absagen müssen.

Die Heimatschutzkräfte sind für den Einsatz zu Schutz- und Sicherungsaufgaben sowie für Objektschutz – also Szenarien der Landes- und Bündnisverteidigung – vorgesehen. In einem solchen Szenario würden sie eingesetzt, weil reguläre Einheiten der Bundeswehr mit anderen Aufträgen gebunden wären. Darüber hinaus gehören auch die Katastrophenhilfe etwa bei Hochwassereinsätzen oder Schneemassen und die Unterstützung befreundeter Streitkräfte zu ihren Aufgaben.

Zuständig ist das Regiment auch dafür, im Falle von Übungen oder im Verteidigungsfall die Verkehrswege zu sichern. Aber auch Amtshilfe zu leisten sowie die aktive Truppe zu entlasten, ist Aufgabe des Heimatschutzes.

Die Personalstärke des Heimatschutzes in Niedersachsen wird mit der Aufstellung eines neuen Regiments mehr als verdoppelt. Die Zahl der Heimatschützer soll von 360 auf 800 anwachsen, wie Oberst Dirk Waldau ankündigte.

Dazu werden die bisherigen drei Heimatschutzkompanien in Wittmund, Lüneburg und Holzminden unter dem Dach des neuen Heimatschutzregiments zusammengeführt sowie um vier weitere Kompanien in Nienburg und Hannover ergänzt. In Nienburg wird auch die Regimentsführung ihren Sitz haben. Mittelfristig soll zudem neues Material wie Fahrzeuge und Gewehre die Fähigkeiten des Heimatschutzes „signifikant erhöhen“, sagte Oberst Waldau.

In Niedersachsen sind insgesamt rund 40.000 aktive Soldaten stationiert. Knapp 40 aktive Soldaten sollen im Heimatschutzregiment eingesetzt werden. Darüber hinaus ist die Bundeswehr auf der Suche nach Freiwilligen. Dies könnten frühere Soldaten bis 56 Jahre, ehemals Gediente oder auch bisher Ungediente sein. Vorrangig richtet sich der Aufruf aber an Männer und Frauen mit Bundeswehr-Erfahrung. Das Ziel sei ein „gesunder, leistungsfähiger Mix“ aus Reservisten und Aktiven, sagte der Oberst.

Ministerpräsident Weil hatte sich im Vorfeld für den Aufbau eines Heimatschutzregiments der Bundeswehr in Niedersachsen ausgesprochen und gesagt: „Wir sind ein sehr großer Bundeswehr-Standort in Niedersachsen und wir haben, glaube ich, auch den großen Vorteil der Zentralität.“ Die Lage sei auch deshalb wichtig, weil die Heimatschutzbataillone nicht nur landesweit, sondern bundesweit tätig seien. „Da ist die Zentralität Niedersachsens für den norddeutschen Raum, aber auch insgesamt, ganz bestimmt ein großes Pfund“, betonte Weil.

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