Projekt in Westoverledingen  Jugendliche schlüpften in die Rolle von Politikern

Clarissa Scherzer
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Von Clarissa Scherzer
| 20.09.2023 06:13 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Während einer fiktiven Ratssitzung präsentierten Schülerinnen und Schüler vom Schulzentrum Collhusen ihre Ideen für Westoverledingen. Foto: Scherzer
Während einer fiktiven Ratssitzung präsentierten Schülerinnen und Schüler vom Schulzentrum Collhusen ihre Ideen für Westoverledingen. Foto: Scherzer
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Die Schüler des Schulzentrums Collhusen nahmen an dem kommunalpolitischen Planspiel „Pimp your Town“ teil. Sie sollen für Politik begeistert werden. Das sagen die jungen Leute zu dem Projekt.

Collhusen - Die Gemeinde Westoverledingen hat in Zusammenarbeit mit dem Schulzentrum Collhusen das kommunalpolitische Planspiel „Pimp your Town“ vom Verein „Politik zum Anfassen“ veranstaltet. Das Projekt dauerte drei Tage, in denen sich die Jugendlichen als Politikerinnen und Politiker ausprobieren konnten. Höhepunkt war eine fiktive Ratssitzung, bei der erarbeitete Ideen für die Gemeinde vorgetragen, diskutiert und beschlossen wurden. Bürgermeister Theo Douwes erhofft sich davon neue Impulse und Nachwuchs für die hiesige Kommunalpolitik.

Über 15 Anträge wurde per Handzeichen abgestimmt. Foto: Scherzer
Über 15 Anträge wurde per Handzeichen abgestimmt. Foto: Scherzer

Der Rathaussaal der Gemeinde Westoverledingen war gut besucht. Insgesamt 88 Schülerinnen und Schüler aus vier Klassen der Jahrgänge 9 und 10 der Real- und Hauptschule des Schulzentrum Collhusen nebst Lehrkräften und Schulleiter Rainer Bruns, Bürgermeister Theo Douwes, der Präventionsbeauftragten Ellen Schidak, dem Vorsitzenden der SPD-Fraktion im Rat der Gemeinde Westoverledingen Gerhard Wiechers sowie Vertreter vom Verein „Politik zum Anfassen“ versammelten sich anlässlich des Politikplanspiels „Pimp your Town“ zu einer fiktiven Ratssitzung. Im Vorfeld gab es für die Jugendlichen einen Crashkurs zum Thema Kommunalpolitik. Anschließend wurde mit Unterstützung von Ratsmitgliedern politisch gearbeitet.

Schüler befassten sich mit 15 Anträgen

Was die Schülerinnen und Schüler innerhalb kürzester Zeit alles lernten, konnten sie während der Sitzung unter Beweis stellen. Insgesamt 15 Anträge aus den drei Ausschüssen Jugend, Senioren und Soziales, Klima, Umwelt, Naturschutz und Mobilität, Kultur sowie Kultur, Sport und Schule wurden vorgetragen und diskutiert. Geleitet wurde die Sitzung von Wiechers. Vorgeschlagen wurden unter anderem günstigere ÖPNV-Tickets, Graffitiwände, Straßenlaternen mit Sensoren, Reitrouten und Plätze für Jugendliche. Für das Projekt gab es Seitens der Teilnehmenden gemischtes Feedback. „Es hat viel Spaß gemacht. Ich habe viel dazu gelernt“, freute sich Lennox Just (14) aus der R9c. „Es war sehr spannend, mit Politikern zu sprechen.“ Mit seinem Team reichte er den Antrag für den Bau eines Fußballplatzes ein. Das Projekt habe ihn beeindruckt. Politisch zu arbeiten könne er sich zukünftig vorstellen. Wiebke Köster (14) aus der R9a hatte Kritikpunkte, aber auch Spaß. „Die Projektbetreuer waren nicht greifbar. Wir wurden ins kalte Wasser geschmissen“, ärgerte sie sich, fand aber auch Positives. „Ich finde es schon cool, Entscheidungen treffen zu können und politisch mitzuarbeiten.“ Mit einer anderen Schülerin brachte sie den Vorschlag ein, in Westoverledingen mehr Automaten, zum Beispiel gefüllt mit Snacks, aufzustellen. Ob sie sich in Zukunft politisch engagieren möchte, wisse sie noch nicht.

Die Veranstaltung fand in der Größe erstmalig statt. Präventionsbeauftragte Schidak begleitete das bildungspolitische Projekt. Für sie sei es sehr spannend gewesen, die Entwicklung der Jugendlichen während der Projekttage zu sehen. „Das Interesse an politischer Arbeit ist da. Es gab zahlreiche Ideen zu ganz unterschiedlichen Themen, das war ganz toll“, so Schidak. Die Jugendlichen seien mit Ernsthaftigkeit dabei gewesen. Auch Wiechers und Bruns lobten das Projektkonzept als positive Jugendarbeit. „Es ist ein ganz großes, neues Experiment mit spannendem Ausgang. Sie haben die Erfahrung gemacht, wie aufwendig Demokratie ist. Die Gremienarbeit läuft. Jetzt müssen wir sehen, ob wir junge Leute für Politik begeistern können“, so Bruns. Die Schule werde das Projekt mit der Gemeinde im Anschluss evaluieren.

Neuer Anlauf für ein Jugendparlament

Die Idee, ein Jugendparlament in Westoverledingen zu installieren, sei in den 90er Jahren gescheitert, berichtete der Bürgermeister. Nun wünsche er sich, dass sich Jugendliche durch kurzfristige Impulse, wie die vergangenen Projekttage, für Kommunalpolitik begeistern lassen. „Ich hoffe, dass hier vieles daraus erwächst, der Rat ist sehr offen für Ideen, die hier aus der Runde kommen“, betont Douwes. „Ich hoffe, dass der eine oder andere Blut geleckt hat. Wir brauchen die Jugendlichen für die Zukunft.“

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