Kolumne „Artikel 1, GG“ Kritiker nicht mundtot machen
Der „Tagesschau“-Sprecher und Journalist Constantin Schreiber will sich aus der Islam-Debatte zurückziehen. Unsere Kolumnistin findet es erschreckend, dass er zum Schweigen gebracht wurde, und fordert mehr Solidarität.
Haben Sie es auch mitbekommen, dass sich Constantin Schreiber nicht mehr öffentlich zu Islam-Themen äußern will? Falls Sie sich fragen, wer denn dieser Mensch ist: Er ist Journalist und seit ein paar Jahren auch Nachrichtensprecher. In dieser Funktion hat ihn wohl jeder, der ARD schaut, gesehen und gehört.
Schreiber hat Bücher geschrieben, eines trägt den Titel „Inside Islam“. Darin setzt er sich kritisch unter anderem mit Predigten in Moscheen auseinander. Das haben ihm etliche Menschen übelgenommen und es nicht bei Animositäten belassen, sondern ihn auch zur Zielscheibe von verbalen Attacken und Ende August auch einem körperlichen Angriff gemacht.
Bei einer öffentlichen Veranstaltung an der Universität Jena ist er nämlich mit einer Torte beschmissen worden. Daraufhin gab er in einem Interview seinen Rückzug aus den Debatten rund um Islam und Muslime bekannt.
Ich war kein Fan von Schreiber – und das nicht, weil er gegen einen Artikel von mir zu „Inside Islam“ juristisch vorging. Er hatte flapsig gearbeitet, hätte differenzierter in seinen Ausführungen und in seiner Kritik an Missständen in muslimischen Communities sein können. Das ist aber kein Grund, einen Journalisten anzugreifen.
Was Schreiber in dem vergangene Woche veröffentlichten „Zeit“-Interview sagt, erschreckt mich. Aus Angst vor Torten und anderen Attacken möchte ich zu Missständen in muslimischen Communities nicht schweigen. Erschreckt hat mich auch, wie wenig Solidarität Schreiber von all denen erhielt, die sich sonst schnell als Vertreter von Opfergruppen zu Wort melden.
Auch ohne Schreibers Positionen zuzustimmen, finde ich es empörend, dass ein Kollege zum Schweigen gebracht wurde von Aktivisten, die – bewusst oder unbewusst – sich zu Handlangern von Islamisten machen. Es ist nun einmal nicht richtig, jegliche Kritik an Islam und Muslimen als Hetze gegen diese Religion zu werten und Kritiker mundtot zu machen.
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