Hamburg  „Nehmen Dritten Weltkrieg in Kauf“: Wagenknecht gegen weitere Waffenlieferungen für die Ukraine

Jakob Patzke
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Von Jakob Patzke
| 18.09.2023 11:20 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Sahra Wagenknecht war am Sonntagabend in der Talkshow von Anne Will zu Gast. Foto: imago images/Jürgen Heinrich
Sahra Wagenknecht war am Sonntagabend in der Talkshow von Anne Will zu Gast. Foto: imago images/Jürgen Heinrich
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Erst die Waffen, dann die Soldaten? Diese Befürchtung hegt Sahra Wagenknecht mit Blick auf Hilfslieferungen im Ukraine-Krieg. In der Talkshow von Anne Will warnte die Linken-Politikerin vor weitreichenden Konsequenzen, sollte der Westen noch weiter in den Konflikt hineingezogen werden.

In den kommenden Tagen möchte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) über die Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine entscheiden. Das militärische Gerät könnte eine Wende für die schleppende Gegenoffensive der ukrainischen Streitkräfte bedeuten. Doch das Vorhaben ist längst nicht unumstritten.

Sahra Wagenknecht betonte in diesem Zusammenhang einmal mehr ihre ablehnende Haltung gegenüber Waffenlieferungen für die Ukraine. „Die furchtbare Situation beenden wir doch nicht, indem wir Waffensysteme liefern wie den Taurus, eine Waffenart, die auch nuklear bestückt ist“, sagte die Linken-Politikerin am Sonntagabend in der ARD-Talkshow „Anne Will“.

Sie habe die Befürchtung, dass die Nato mit der Lieferung von Marschflugkörpern einen weiteren Schritt in Richtung Kriegspartei gehe. Gleichzeitig bezweifelt Wagenknecht, dass mit dieser Strategie ein Ende des Ukraine-Krieges erreicht werden könnte. „Es ist doch viel mehr so, dass die Ukraine immer mehr ihre Streitkräfte aufreibt. Die Zeit arbeitet nicht für die Ukraine, sondern für Putin.“

Und die umstrittene Linken-Politikerin geht noch einen Schritt weiter. „Wenn die Ukraine weiterhin so viele Soldaten verliert, dann wird sie nicht nur nach Waffen, sondern auch nach Soldaten rufen.“ Das sei für die Nato eine prekäre Situation, so Wagenknecht. „Dann stellt sich die Frage, ob wir zusehen, wie die Ukraine militärisch untergeht oder ob wir dann wirklich bereit sind, mit Soldaten in diesen Krieg einzugreifen.“

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Dies würde bedeuten, dass der Westen einen Dritten Weltkrieg in Kauf nimmt. „Ich finde, so weit darf es nicht kommen“, sagte Wagenknecht.

Der ebenfalls anwesende Osteuropahistoriker Karl Schlögel widersprach Wagenknecht indes vehement. „Sie sind gemeinsam mit der AfD die putinsche Stimme Deutschlands“, warf er der Linken-Politikerin vor. Schlögel erklärte in der Sendung Waffenlieferungen für unausweichlich. „Man soll die Waffen liefern, die es der Ukraine erlauben, den Feind aus dem Land zu vertreiben. Für mich stellt sich die Frage: Wie kann Europa, wie können die Europäer zuschauen, dass die bedeutendsten Städte des Landes aus der Luft angegriffen, bombardiert und zerstört werden?“

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