Impfungen im Herbst Ostfriesische Ärzte bleiben bei Corona-Impfung gelassen
Der Hausärzteverband befürchtet, dass Praxen mit der Corona-Impfung überfordert sind, und wirbelt damit viel Staub auf. Ostfriesische Ärzte sehen das anders.
Ostfriesland - Der Herbst steht vor der Tür und damit auch die Impfsaison. Neben den Grippeviren dürfte das Corona-Virus wieder kräftig anklopfen. In der Woche ab dem 18. September sollen angepasste Corona-Impfstoffe in den Arztpraxen verfügbar sein, wie das Bundesgesundheitsministerium der Nachrichtenagentur DPA gegenüber bestätigte.
Noch bevor die ersten Impfstoffe bei den Ärzten angekommen sind, klagte der Deutsche Hausärzteverband bereits darüber, dass der angepasste Impfstoff von Biontech/Pfizer wie bislang auch in Fläschchen mit jeweils sechs Impfdosen Inhalt ausgeliefert werde und nicht in Einzeldosen wie etwa Grippeimpfstoffe. „Wir werden wieder im organisatorischen Overkill enden, wenn wir jedes Mal, wenn eine Biontech-Impfung notwendig ist, entweder schnell fünf weitere Impflinge organisieren, die Impfung verschieben oder fünf Impfdosen wegschmeißen müssen“, sagte die stellvertretende Bundesvorsitzende Nicola Buhlinger-Göpfarth dem „Spiegel“.
„Wir Kassenärzte werden das schon schaffen.“
Deutlich gelassener sehen dies ostfriesische Hausärzte, mit denen unserer Redaktion gesprochen hat. „Aus einer Flasche sechs Dosen rauszuholen, ist ja wohl eine Kleinigkeit“, sagte Dr. Carsten Brinkmann, der eine Praxis in Moormerland betreibt. „Wir Kassenärzte werden das schon schaffen. Es gibt halt immer Leute, die Überforderungsphantasien haben.“ Deutlich belastender für den Praxisalltag sei zu Beginn der ersten Coronaimpfkampagne die Priorisierung der einzelnen Gruppen gewesen.
Impfungen gegen das Corona-Virus, wird es auch bei Dr. Holger Plochg, Allgemeinmediziner aus Bunde geben. „Für mich ist es ganz wichtig, dass meine Patienten wissen, dass ich bereit bin, zu impfen.“ Er werde es auf jeden Fall seinen Patienten, die zu den von der Ständigen Impfkommission benannten Risikogruppen zählen, anbieten. „Wir werden die Patienten ansprechen, wir werden sie aber nicht dazu überreden.“ Impftermine werde er anbieten, sobald die Impfstoffe in der Praxis verfügbar seien. „Schließlich wollen wir keine Termine vergeben, die wir dann womöglich wieder absagen müssen.“
Manche Praxen arbeiten mit Listen
Die Ständige Impfkommission in Deutschland empfiehlt Auffrischungsimpfungen mittlerweile nur noch bestimmten Gruppen, und diese vorzugsweise im Herbst. Dazu gehören etwa Menschen ab 60, Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen ab einem Alter von sechs Monaten, Pflege- und Gesundheitspersonal sowie Angehörige von Risikopatienten.
Die Corona-Schutzimpfung wird es auch bei Dr. Jörg Seybold in Leer-Loga geben. Er empfiehlt die Impfung ebenso wie die Grippeschutzimpfung allen, die zu den von der Ständigen Impfkommission benannten Gruppen zählen, will seine Patienten aber nicht bevormunden. „Einfach so zwischendurch geht das bei der Corona-Impfung nicht. Wir werden wohl wieder Listen anlegen und immer dann impfen, wenn wir auch reichend Personen zusammen haben, die das wollen“, sagte er mit Blick auf das Fehlen von Einzeldosen. Er erwarte allerdings auch, dass nicht jeder eine Auffrischungsimpfung haben wolle, selbst wenn sie für den Patienten empfohlen sei. „Wir werden natürlich aufklären, aber das kann schon eine Klippe sein.“
Erkrankung gefährlicher als Impfung
Dr. Wolfram Nagel, Allgemeinmediziner in Esens und Vorsitzender der Kreisärzteschaft in Wittmund, erwartet, dass er in manchen Fällen Überzeugungsarbeit leisten müsse, wenn es um die Corona-Schutzimpfung geht. Zwar habe es vereinzelt Fälle gegeben, bei denen Patienten ein Problem mit der Impfung hatten, allerdings seien dies viel weniger Fälle, als es in der allgemeinen Wahrnehmung gedacht werde. „Eine Corona-Erkrankung ist für die Risikogruppen und für Ungeimpfte viel gefährlicher als die Impfung selbst“, betonte Nagel. „Sich nicht impfen zu lassen, ist die dramatisch schlechtere Wahl.“
Auffrischungsimpfungen gibt es bei Wolfram Nagel auch für Menschen, die nicht zu den von der Ständigen Impfkommission benannten Gruppen zählen - allerdings auf eigenes Risiko. „Zwar zahlt die Kasse die Impfung, aber bei einem Impfschaden würde der Patient alleine dastehen.“
Mit Material von DPA