Einkaufen im Oberledingerland  Was der digitale Einkaufswagen kann – und was andere Märkte planen

| | 15.09.2023 12:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Franziska Schmidt erklärt die neue Technik mit den Easy Shoppern. Foto: Hellmers
Franziska Schmidt erklärt die neue Technik mit den Easy Shoppern. Foto: Hellmers
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Am Montag sollen die Easy Shopper im Edeka auch im Oberledingerland starten. So funktioniert die Technik. Aber auch andere Märkte wollen künftig auf digitale Technik setzen.

Oberledingerland - Die grünen und vor allem elektronischen Einkaufswagen stehen schon seit einigen Tagen im E-Center in Westrhauderfehn sowie im Edeka-Markt in Ostrhauderfehn bereit. „Viele Kunden haben schon gefragt, wann die damit einkaufen können“, sagt Franziska Schmidt. Auch, wenn es ganz einfach sei, wurde in den vergangenen Tagen das Personal geschult – ab Montag soll es in den beiden Märkten losgehen. Wir haben die Technik vorab ausprobiert.

Ganz neu sind die elektronischen Einkaufswagen in der Region nicht mehr. Bei Multi wurden sie bereits vor zwei Jahren eingeführt. „Die Kunden nehmen das sehr gut an“, sagt Fritz-Rudolf Brahms, der sich im Multi Nord in Leer um die Einführung gekümmert hat, und betont: „Nicht nur die Jungen, sondern Kunden aller Altersgruppen.“ Sie würden regelmäßig genutzt werden. Die Technologie bei Multi ist die gleiche wie nun im Oberledingerland. In etwa 150 der insgesamt 1500 kooperierenden Märkte gibt es die neuen Einkaufswagen bereits, heißt es bei Edeka.

Somit gehören auch die beiden Geschäfte im Oberledingerland zu den ersten zehn Prozent, die die Easy Shopper einführt. Der Begriff ist Englisch und bedeutet grob übersetzt: „Einfach Einkäufer.“ Und einfach soll es auch gehen, das wird in der Werbung immer wieder betont. Das sagt auch Schmidt. Der angepriesene Vorteil: An der Kasse soll es schneller gehen. An der Zahl der Arbeitsplätze soll sich laut Schmidt durch die neue Technik nichts ändern.

Die Einkaufswagen stehen bereit. Oben ist die Kamera (ganz oben) und der Scanner (grün) zu erkennen.
Die Einkaufswagen stehen bereit. Oben ist die Kamera (ganz oben) und der Scanner (grün) zu erkennen.

Schritt 1: Die App

Los geht‘s. 36 Einkaufswagen stehen ab Montag in Rhauderfehn bereit. In Ostrhauderfehn sind es 18. „Dazu braucht man die App“, sagt Schmidt. Welche, dass erklärt unter anderem ein QR-Code auf einem Plakat, dem Bildschirm sowie in Prospekten. Das Programm für Smartphones heißt wie die Einkaufswagen auch „Easy Shopper“ und kann für iPhones und Android-Smartphones geladen werden. Eine Registrierung ist nicht erforderlich. Da es im Supermarkt auch W-Lan gibt, kann die Software vor dem ersten Einkauf auch dort unabhängig vom Mobilfunknetz geladen werden.

Wer sie vorher lädt, kann seinen Einkaufszettel auch über sein Smartphone organisieren. Alternativ kann auch die App der Deutschlandcard genutzt werden. Wer die Technik nicht nutzen möchte, könne auch wie immer einkaufen, so Schmidt.

Schritt 2: Der Start

Bei diesem Test wird die Easy-Shopper-App genutzt. „Die Bedienung ist intuitiv“, sagt Schmidt. Oben am Wagen hängt eine Kamera mit einem Scanner. Dass erinnert etwas an die Antenne eines Autoscooters auf einer Kirmes. Zum Start muss auf dem Handy ein Button „Einkauf“ aktiviert werden. Ein QR-Code erscheint, der vor die Kamera gehalten werden muss. Schon kann es losgehen. Wenn ein Einkaufszettel erstellt wurde, erscheint der nun auf dem Bildschirm des Einkaufswagens. Ansonsten ist da nun der noch leere digitale Einkaufswagen zu sehen.

Was auffällt: Der Wagen ist nicht mehr mit den Gittern der herkömmlichen Behälter umgeben. Was auf der Ablage liegt, kann also leichter herausfallen. Das liegt am Konzept. Denn es soll mit mitgebrachten Taschen eingekauft werden. Die lassen sich so leichter in den Kofferraum heben.

Die Ablagefläche des Easy Shoppers.
Die Ablagefläche des Easy Shoppers.

Schritt 3: Der Einkauf

Das Einkaufen ist in der Tat kinderleicht. Die Ware – in diesem Fall eine Schachtel Pralinen – wird vor einen Scanner gehalten und erscheint prompt auf dem Bildschirm. Mit einem Druck auf den Touchscreen wird das betätigt und gegebenenfalls die Menge verändert. Auf dem Bildschirm erscheint dann die Summe und auch Werbung für andere Produkte, die Kunden, die diese Pralinen ebenfalls gekauft haben, in ihren Einkaufswagen packen. Werbung, wie sie auch bei Online-Shops wie Amazon häufig erscheint.

In diesem Fall werden etwa zwei unterschiedliche Tafeln Schokolade sowie weitere Pralinen empfohlen. Lose Waren, wie Obst und Gemüse funktionieren übrigens genauso. Sie werden nach wie vor gewogen und der Aufkleber mit Gewicht, Preis und Strichcode eingescannt.

Auch loses Obst lässt sich einscannen.
Auch loses Obst lässt sich einscannen.

Schritt 4: Der Diebstahlschutz

Wer jetzt denkt, man könne einfach den Einkaufwagen vollpacken und bestimmte Sachen nicht registrieren, hat die Technik nicht bedacht. „In dem Einkaufswagen ist eine Waage“, sagt Schmidt. Und die Kamera wurde bereits erwähnt. Die scanne die Auslage. So würde die Technik bemerken, wenn der digitale Einkaufswagen weniger Artikel enthält, als der Tatsächliche.

Schritt 5:Die Rückgabe

Im Einkaufswagen liegen nun mehrere Artikel. Aber etwas soll zurück ins Regal. In der Einkaufsliste können die Waren angeklickt werden – und die Menge verändert werden. In dem Fall wäre die Anzahl „null“. Schmidt sagt, dass gehe bei fast allen Artikeln. Ausnahme seien hochpreisige Artikel, die meist in Vitrinen sind. Als Beispiel nennt sie hochwertigen Gin. Da müsse das Personal beim Löschen helfen. Die Mitarbeiter können übrigens über den Einkaufswagen gerufen werden. Dafür ist ein Fragezeichen auf dem Bildschirm.

Schritt 6: Das Bezahlen

Zum Abschluss kommt das Bezahlen – und da soll der beworbene Hauptvorteil liegen. Das soll deutlich schneller gehen, da die Waren direkt im Korb bleiben können. Dafür gibt es eine zusätzliche Kasse. Auf dem Einkaufswagen muss der Monitor per Tastendruck beendet werden. Dann erscheint ein Strichcode, mit dem die Summe an das Kassenpersonal übermittelt wird – und nur die muss noch an der Kasse abgerechnet werden. Beim Bezahlvorgang ändert sich nichts mehr.

Eine grüne Straße soll die Kunden zur Easy-Shopper-Kasse führen. Foto: Hellmers
Eine grüne Straße soll die Kunden zur Easy-Shopper-Kasse führen. Foto: Hellmers

Wo gibt es die Technik?

Im Landkreis Leer gehört außer den bereits erwähnten Multi-Märkten auch der Edeka in Weener zu den Vorreitern bei den Easy Shoppern. Ein weiterer Edeka mit den Einkaufswagen gibt es in Remels. Im Landkreis Cloppenburg wird das laut einer Karte nur bei Edeka in Friesoythe angeboten. Schmidt, die auch einen Markt in Harkebrügge betreibt, sagt, dass dort noch kein Start der Technik geplant sei.

Was machen die Mitbewerber?

Ein weiterer großer Einzelhändler in der Region, Bünting, setzt mit seinen Combi-Märkten auf eine ähnliche Technologie. Sie nennt sich „Scan &Go“. Das bedeutet so viel wie „scannen und gehen“. Sie läuft über die hauseigene Kundenkarte „Moin-Card“. Dabei werden die gekauften Waren mit dem eigenen Smartphone gescannt. Diesen Service gibt es laut Bünting-Sprecherin Eva Antonia Hahn etwa in Papenburg.

Im Oberledingerland werde das derzeit nicht angeboten. Weiter schreibt sie auf Nachfrage: „In unseren Verbrauchermärkten in Rhauderfehn und Ostrhauderfehn und Ihrhove haben wir diesen Service noch nicht, jedoch wird in den kommenden zwei Monaten in allen diesen Verbrauchermärkten der Abholservice ,Click & Collect‘ eingeführt.“ Das bedeutet übersetzt „klicken und sammeln“ Weitere Details zu den Planungen könne sie noch nicht nennen.

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