Medikamenten-Engpässe  Lauterbachs Pläne stoßen in Ostfriesland auf Kritik

Martin Alberts
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Von Martin Alberts
| 14.09.2023 18:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Eine Mutter verabreicht ihrer Tochter eine Dosis Fiebersaft. Unter anderem Schmerzsäfte für Kinder waren während der letzten Infektionswellen im Winter knapp. Foto: Schmidt/DPA
Eine Mutter verabreicht ihrer Tochter eine Dosis Fiebersaft. Unter anderem Schmerzsäfte für Kinder waren während der letzten Infektionswellen im Winter knapp. Foto: Schmidt/DPA
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Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will Engpässe bei Kinderarzneien wie im vergangenen Winter verhindern. Die Maßnahmen wären schon 2022 sinnvoll gewesen, meint ein Leeraner Apotheker.

Berlin/Leer - Eltern können aus Sicht von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach in diesem Winter auf eine stabilere Arzneiversorgung für ihre Kinder zählen – auch mit gegenseitiger Rücksichtnahme. „Wir sind deutlich besser aufgestellt als im letzten Jahr“, sagte der SPD-Politiker am Donnerstag nach einem Gespräch mit Vertretern von Apotheken, Ärzten und Herstellern in Berlin.

Die Produktion etwa von Schmerzmitteln, Fiebersäften und Antibiotika habe im Vergleich zum vergangenen Winter deutlich gesteigert werden können. Wenn nun keine große Infektwelle komme, werde man dem Problem Herr werden können. Aber was, wenn die Fallzahlen doch nach oben schnellen? Cornelis Buurman, Inhaber der Hirsch- und der Ring-Apotheke in Leer, sagte unserer Redaktion: „Ich denke, dass es für uns und die Ärzte ein anspruchsvoller Winter wird, wenn die Welle kommt.“

Lauterbach warnt vor Hamsterkäufen

Lauterbach appellierte an die Eltern: „Bitte keine Hamsterkäufe.“ Der Minister rief zu Solidarität beim Kauf von Kindermedikamenten auf: „Ein kleiner Hausvorrat ist immer sinnvoll.“ Horten sei es aber nicht. „Wenn wir uns hier zusammennehmen, dann wird uns das Gleiche gelingen, was uns auch in der Gaskrise im letzten Winter gelungen ist“, sagte der Minister. „Knappheit war angesagt. Die Menschen haben sich vernünftig verhalten, und wir sind gut durchgekommen.“

In der vergangenen Erkältungssaison waren nach einer Infektwelle Lieferprobleme etwa bei Fieber- und Hustensäften eskaliert. Um den Nachschub von Medikamenten besonders für Kinder abzusichern, trat im Juli bereits ein Anti-Engpass-Gesetz in Kraft. Als Sicherheitspuffer macht es Vorräte von mehreren Monatsmengen für vielgenutzte Mittel zur Pflicht. Im Blick stehen nun aber schneller wirkende Maßnahmen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel hat eine „Dringlichkeitsliste“ mit gut 30 Kinderpräparaten veröffentlicht, die derzeit mit höchster Priorität zu besorgen sind. Darauf stehen verschiedene Antibiotika, Nasentropfen, fieber- und schmerzlindernde Säfte und Zäpfchen.

Mehr Flexibilität wird von Apothekern begrüßt

Apotheken sollen zudem mehr Flexibilität bekommen, um bei fehlenden Mitteln ausweichen zu können. So soll es etwa leichter werden, die Darreichungsform etwa von Tropfen zu Tabletten zu wechseln, ohne dass extra Rücksprache mit dem Arzt oder ein neues Rezept nötig sind. „Dass uns ein bisschen mehr Beinfreiheit gegeben wurde, ist das Positivste“, sagte Buurman. Neu sei das aber eigentlich auch nur auf dem Papier: Schon im vergangenen Winter hätten die Apotheker zeitweise die Darreichungsformen geändert – dann allerdings auf eigene Verantwortung. Der Ostfriese krisitiert, dass das mehr an Flexibilität erst jetzt komme, und nicht bereits 2022. „Da ist manchmal die Realität eine andere als am Schreibtisch, wo die Gesetze gemacht werden“, sagte Buurman.

Die Produktion an Arzneien habe teils um bis zu 100 Prozent gesteigert werden können, berichtete Lauterbach. Werke seien sieben Tage die Woche rund um die Uhr im Drei-Schicht-Betrieb aktiv. Auch viele Arztpraxen wappnen sich schon für die Erkältungssaison. Man müsse sicher auch wieder von einer Infektwelle ausgehen, machte der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, deutlich.

Wie viel Fiebersaft sollen Eltern denn nun besorgen?

Aber was genau bedeutet Lauterbachs Appell, nicht zu horten? Das sei eine Augenmaßentscheidung, sagte der Minister. Da Fieber oft über Nacht auftrete, sei „eine kleine Reserve“ Fiebersaft gut, um sofort reagieren zu können. Fischbach erläuterte, es gehe darum, dass sich Eltern helfen könnten, wenn das Kind nicht direkt zum Arzt müsse. Das könne mit einer Flasche Ibuprofensaft gelingen.

Lauterbach sagte, wenn es nun eine starke Grippewelle und eine starke Welle von Infektionen mit Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) geben sollte, seien Engpässe nicht komplett auszuschließen. Sollte es dazu kommen, würden zusätzliche Importe ermöglicht.

Mit Material von DPA

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