Erneuerbare fürs Klima  Solar an der Autobahn – was bringt das den Anwohnern?

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 13.09.2023 18:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ein Solarpark ist geplant. Foto: Pixabay
Ein Solarpark ist geplant. Foto: Pixabay
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In Weener und Bunde will ein Leeraner Unternehmen jetzt hektarweise PV-Anlagen bauen. Wieso scheint das so einfach und was haben die Bürger davon?

Weener/Bunde - Energie aus Sonnenlicht: Hektarweise Photovoltaik soll bald auf Flächen in Weener (39,7 Hektar) und Bunde (8,5 Hektar) entlang der Autobahn aufgestellt werden. Der Ausschuss der Stadt Weener war jedenfalls einstimmig dafür. Wir erklären, was es mit den Plänen auf sich hat. Ganz wichtig: Haben die Rheiderländer was davon?

Was und warum

Darum geht es: An der A31 sind weitere PV-Flächen geplant.

Vor allem interessant für: diejenigen, die in der Nähe leben

Deshalb berichten wir: Wir wollten über die Pläne informieren und wissen, was diejenigen davon haben, die die Anlagen vor der Haustür haben.

Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de

Wer stellt die PV-Anlagen auf?

„Die Enercity Erneuerbare GmbH mit Sitz in Leer ist eine hundertprozentige Tochter der Enercity AG, ehemals Stadtwerke Hannover. Man könnte das mit der EWE vergleichen“, erklärt Hannes Mörtel vom Projektmanagement Photovoltaik bei Enercity. Er war als Bürger in der Ausschusssitzung, an der er sonst als Grünen-Politiker teilnimmt. Der Hauptsitz ist in Hannover, beim Standort in Leer seien 100 Personen beschäftigt, so Mörtel.

Wieso dieses Unternehmen?

Auf die Frage, wieso Enercity das ausführende Unternehmen ist, erklärt Weeners Stadtsprecherin Kerstin Beier: „Die Stadt ist in der Angelegenheit lediglich für die Bauleitplanung der Flächen, die sich auf dem Gebiet der Stadt Weener (Ems) befinden, zuständig. Die betreffenden Flächen, auf denen die Anlagen errichtet werden, sind jedoch privat. Die Wahl des Anbieters wurde daher durch die Privateigentümer getroffen.“

Was ist genau geplant?

Auf der geplanten Photovoltaik-Freiflächenanlage könnten auf einer Gesamt-Flächengröße von rund 48 Hektar jährlich rund 44.000 Megawattstunden erneuerbarer Strom erzeugt werden, heißt es im Projektsteckbrief. Das entspreche rechnerisch dem Verbrauch von rund 12.500 Dreipersonenhaushalten. Eine zusätzliche Nutzung, beispielsweise als Schafweide, für die Gewinnung von Heu (in extensiver Bewirtschaftung) und/oder für Imkerei sei denkbar. Der Ausschuss in Weener sprach sich dafür aus, den Bebauungsplan so zu ändern, dass der Weg für den Park geebnet wäre.

Damit sei aber nichts in Stein gemeißelt, darauf wies Bauamtsleiter Andreas Sinningen hin: „Ein kleiner Teil könnte auch einer Hundefreilauffläche gewidmet werden, wenn die Planungen konkreter würden“, sagte er. Die Flächen für den Solarpark liegen zwischen dem Klärwerk Bunde und den Ortsteilen Beschotenweg/Tichelwarf, westlich der Bundesautobahn 31 sowie südlich der Bahnstrecke Weener – Bunde – Winschoten.

Was sind das für Flächen?

Teile der Flächen liegen im 200-Meter-Nahbereich der Autobahn und sind damit für eine Nutzung durch Freiflächen-PV privilegiert. Entlang von Autobahnen und Bahnstrecken kann man ohne Bauleitverfahren bauen. Vorteil: Investoren sparen Zeit und Kommunen personelle Ressourcen. Hintergrund ist ein neues Gesetz. Damit will die Bundesregierung den Ausbau der erneuerbaren Energien beschleunigen.

Die meisten Flächen, die nicht in diesem Korridor liegen, sind im Konzept für Freiflächenphotovoltaik der Stadt Weener teils oder ganz als „Gunstflächen“ ausgewiesen (300-Meter-Korridor an der Autobahn). Aber ein „kleines Dreieck am Sielweg“ gehe darüber hinaus, so Sinningen. Der Ausschuss war einstimmig dafür, auch diese Fläche in die Pläne aufzunehmen.

Bis dato war sie als landwirtschaftliche Fläche deklariert gewesen. „Die Teilfläche wäre für sich gesehen landwirtschaftlich nicht mehr nutzbar“, schreibt das Unternehmen im Projektsteckbrief. „Zu klein, schlechter Zuschnitt“, heißt es.

Und die Landwirte?

Bei den Landwirten bereitet das Thema Flächen-PV Bauchschmerzen. Die Konkurrenz um freie Flächen mit Landwirten ist schon lange ein Thema, erklärte Rudolf Bleeker, Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Ostfriesland, Kreisverband Leer, bereits Ende vergangenen Jahres. „Wir sehen das kritisch. Denn bei den steigenden Lebensmittelpreisen zeigt sich derzeit, wie wichtig es ist, regional zu produzieren. Und dafür braucht es landwirtschaftlich genutzte Flächen“, sagt er. Gleichzeitig stehe aber außer Frage, dass erneuerbare Energien ebenso unerlässlich seien. Bereits durch Straßen und Co. beeinträchtigte Flächen kämen eher infrage als die freie Landschaft. Mehr Potential sehe man aber in der Windkraft, sagt er. „Norddeutschland hat den Wind, Süddeutschland die Sonne.“

Was haben die Bürger davon?

„Die Bürger profitieren indirekt durch Gewerbesteuereinnahmen, darüber hinaus ist eine finanzielle Beteiligung der Kommune gesetzlich möglich“, schreibt Stadtsprecherin Kerstin Beier. Das schreibt auch Enercity: „Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gibt einen Rechtsrahmen vor, wonach Gemeinden freiwillig ein Angebot unterbreitet werden darf, je erzeugter Kilowattstunde Strom eine Erlösbeteiligung von 0,2 Cent zur freien Verwendung im kommunalen Haushalt zu zahlen.“ Erst einmal ist es also den Unternehmen überlassen, ob sie der Kommune etwas zahlen wollen. Aber: „Wir schöpfen die Möglichkeiten dieses Rechtsrahmens bei jedem unserer bisherigen Projekte aus“, heißt es von Enercity.

Außerdem gebe es durchaus Projekte des Unternehmens, die auch Bürgerbeteiligung zuließen, sagte Projektleiter Mörtel. „Das ist ein Abstimmungsprozess“, man müsse sehen, ob es politischer Wille sei, fügte Bauamtsleiter Sinningen hinzu.

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