Papenburger Sozialpädagogin gibt Tipps  Mobbing findet nicht nur in der Schule statt

Judith Bootsmann
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Von Judith Bootsmann
| 09.09.2023 10:22 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Häufig verlagert sich das Mobbing nach Schulschluss auch auf die sozialen Medien. Die Opfer leiden sehr darunter. Symbolfoto: Pixabay
Häufig verlagert sich das Mobbing nach Schulschluss auch auf die sozialen Medien. Die Opfer leiden sehr darunter. Symbolfoto: Pixabay
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Es ist eine der größten Ängste vieler Eltern: Das eigene Kind wird in der Schule gemobbt. Welche Anzeichen gibt es dafür und was können Eltern dagegen tun? Sozialpädagogin Lisa Obaia gibt Tipps.

Papenburg - Die Schule sollte für Kinder und Heranwachsende eigentlich ein sicherer Ort sein, wo sie lernen, sich austauschen und ihre Freunde treffen können. Für diejenigen, die regelmäßig Erniedrigungen aufgrund ihres Aussehens oder ihres Verhaltens durch ihre Mitschüler ausgesetzt sind, trifft das jedoch nicht zu.

Rangeleien und Konflikte gebe es in der Schule viel, erklärt Lisa Obaia. „Mobbing muss man davon aber klar abgrenzen“, erklärt Sozialpädagogin und Beraterin beim psychologischem Beratungszentrum für Eltern, Kinder und Jugendliche der Caritas in Papenburg zu Beginn des neuen Schuljahres.

Lisa Obaia berät sowohl Opfer als auch Täter von Mobbing. Foto: Bootsmann
Lisa Obaia berät sowohl Opfer als auch Täter von Mobbing. Foto: Bootsmann

Mobbing findet nicht nur auf dem Schulhof statt

„Das ist vielmehr ein gruppendynamisches Phänomen, bei dem es verschiedene Rollen gibt“, führt Obaia weiter aus. Neben dem Opfer und dem Täter gebe es auch Mithelfer, die den Mobber ermutigen und Zuschauer, die das Phänomen beobachten, ohne einzugreifen. „Als Opfer wird sich dabei häufig jemand gesucht, der wenig Selbstbewusstsein hat“, sagt sie.

Mit dem Internet seien die Grenzen fließender geworden, meint die Sozialpädagogin. Häufig verlagere sich das Mobbing nach Schulschluss auch auf die sozialen Medien. „Snapchat ist ein gutes Beispiel dafür“, sagt Obaia. Hier könnten sich Täter hinter einer anonymen Fassade verstecken. Die Hürden seien dadurch deutlich geringer als in der Realität.

Eigenes Kind ein Mobbingopfer? Diese Anzeichen gibt es

Wie erkenne ich, ob mein eigenes Kind davon betroffen ist? Indizien seien der Sozialpädagogin zufolge plötzlicher Leistungsabfall, Ängste vor der Schule, Schwänzen oder das Vernachlässigen der Hobbys. Aber auch sogenannte psychosomatische Beschwerden wie Bauchschmerzen, Durchfall, Erschöpfung oder der Rückfall in frühkindliche Verhaltensweisen wie beispielsweise das nächtliche Einnässen könnten darauf hinweisen. Psychosomatische Beschwerden können unter anderem durch seelische Belastungen hervorgerufen werden.

„Die Eltern müssen Ihre Kinder dafür genau in den Blick nehmen, damit sie ihre Belastungen und das Leid erstmal erkennen“, erläutert sie. Für die Fachberaterin ist es wichtig, den Nachwuchs in der Situation ernstzunehmen und ihnen Sicherheit zu bieten. Das gelingt, indem die Erziehungsberechtigten ihrem Kind einen Lösungsweg anbieten und ihren Kindern das Gefühl geben, dass sie nicht alleine mit dieser Situation sind.

Warum ein Schulwechsel nicht sinnvoll ist

„Im letzten Schritt geht es darum, sich Hilfe zu holen und dabei ganz klar die Schule miteinzubeziehen“, sagt Obaia. Wenn Eltern von Tätern und Opfern sowie Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter gemeinsam an einem Tisch sitzen, dürfe nicht mit Schuldzuweisungen und Vorwürfe gearbeitet werden. „Natürlich müssen die Täter auch die Verantwortung für ihre Handlungen übernehmen.“ Gleichwohl sollte das Aufkommen von Rachegefühlen seitens des Täters, der daraufhin sein Mobbing vielleicht noch verstärken könnte, vermieden werden.

Von einem Schulwechsel rät die Papenburgerin stringent ab. „Das Mobbing geht dann meistens bei einem anderen Kind weiter und im schlimmsten Fall wird das eigene Kind an der anderen Schule wieder Opfer von Schikanen“, sagt die Expertin. „Mobbing kann nur da gestoppt werden, wo es auch stattfindet.“

Zusätzliche Behandlungen können sinnvoll sein

In manchen Fällen macht laut Obaia eine zusätzliche Behandlung beispielsweise bei der psychologischen Beratungsstelle der Caritas in Papenburg Sinn. „Opfer sind nach solchen Ereignissen häufig langfristig traumatisiert“, sagt die 31-Jährige. Bei fehlender Unterstützung hätten manche Opfer ihr ganzes Leben mit Nachwirkungen wie Angstzuständen oder Wutgefühlen zu kämpfen.

Aber auch Täter sollten Obaia zufolge die notwendige Unterstützung bekommen. „Täter sind oftmals selbst Opfer, beispielsweise in eigenen Familiensystemen oder anderen Kontexten gewesen“, erklärt sie.

Präventionsarbeit durch Aufklärung und Sensibilisierung im Klassenverbund seien der Sozialpädagogin zufolge wichtig. „Kinder sollten unter anderem lernen, über ihre eigenen Grenzen, Bedürfnisse und das Thema Zivilcourage zu sprechen. Zudem sollten sie über das Phänomen Mobbing aufgeklärt werden, damit sie es in der Praxis erkennen können.“

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