Tempolimit gefordert  Kreis Leer lehnt Tempo 70 in Klostermoor erneut ab

Elke Wieking
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Von Elke Wieking
| 11.09.2023 06:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Seit Jahren fordert Kai-Uwe Zeusel, Ortsbürgermeister von Klostermoor, dass in Höhe der Siedlung an der Birkhahnstraße auf der Kreisstraße 33 (3. Südwieke) keine 100 mehr gefahren werden dürfen. Archivfoto: Ammermann
Seit Jahren fordert Kai-Uwe Zeusel, Ortsbürgermeister von Klostermoor, dass in Höhe der Siedlung an der Birkhahnstraße auf der Kreisstraße 33 (3. Südwieke) keine 100 mehr gefahren werden dürfen. Archivfoto: Ammermann
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Der Ortsrat Klostermoor hat gerade einstimmig für ein Tempolimit auf der 3. Südwieke gestimmt, da hatte es der Arbeitskreis Verkehrssicherheit des Landkreises Leer schon abgelehnt. Wieder einmal.

Rhauderfehn - Tempo 70 statt 100: Diese Forderung hatte der Ortsrat Klostermoor vergangene Woche erhoben. Einstimmig, wie Ortsbürgermeister Kai-Uwe Zeusel gegenüber dieser Zeitung erklärt. Jetzt teilte der Landkreis Leer auf Nachfrage mit: Der Arbeitskreis Verkehrssicherheit sei übereinstimmend der Auffassung, dass in dem Bereich der Kreisstraße 33 – K 33, 3. Südwieke/Weihnachtsmannweg/Birkhahnstraße – kein Tempolimit unter den erlaubten 100 Kilometer pro Stunde erforderlich sei.

Trotz dieser Entscheidung hat der Ortsrat seine Forderung an den Tiefbau- und Verkehrsausschuss der Gemeinde weitergeleitet. Dort wird der Punkt am Donnerstag, 21. September, ab 19 Uhr beraten. Es ist nicht das erste Mal, dass die Klostermoorer ein Tempolimit auf der 3. Südwieke in Höhe ihrer Siedlung haben möchten. Bisher wurde das aber immer wieder abgelehnt. „Aber: Steter Tropfen höhlt den Stein“, sagt Zeusel.

Grund: Schwer Unfall im April

Hintergrund der Forderung ist ein schwerer Unfall, der sich im April ereignet hatte. Damals war nach Polizeiangaben ein Autofahrer von der Birkhahnstraße auf die K 33 eingebogen und hatte dabei die Vorfahrt einer Frau, die auf der K 33 unterwegs gewesen war, missachtet. Die Wagen stießen zusammen, und die Autofahrerin wurde schwer verletzt.

Bei diesem Unfall sei aber nicht überhöhte Geschwindigkeit der Grund gewesen, teilt der Landkreis Leer jetzt zur Entscheidung des Arbeitskreises Verkehrssicherheit mit. Die Vertreter der Polizei, der Straßenbaulastträger, des ADFC, der Verkehrswacht, der Fahrschulen sowie des Amtes für Schule und Bildung und des Straßenverkehrsamtes hatten zu dem Thema bereits am 11. Mai getagt.

„Unauffälliges Unfallgeschehen“

Die Kreuzung 3. Südwieke/Birkhahnstraße/Weihnachtsmannweg sei auch kein Unfallschwerpunkt, teilt der Landkreis Leer zu den Ergebnissen des Arbeitskreises mit. Dort habe es in den vergangenen fünf Jahren zwei Verkehrsunfälle gegeben: Einmal seien zwei Radfahrer auf dem Radweg zusammengestoßen, der zweite Unfall war der im April dieses Jahres. Fazit: „Das Verkehrsunfallgeschehen ist unauffällig, eine besondere Gefahrenlage liegt nach Auskunft der Polizei hier nicht vor.“

Was ist mit den Kindern?

Morgens müssen aber Kinder und Jugendliche, die aus der Siedlung rund um die Birkhahnstraße kommen, die Kreisstraße überqueren, um zur Bushaltestelle zu kommen. Was sagt der Arbeitskreis dazu? Und was hat eine Verkehrszählung mit Geschwindigkeitsmessung im Sommer ergeben?

Autofahrer dürfen auf der 3. Südwieke zwischen der Papenburger Straße bis zur Gronewoldstraße Tempo 100 fahren. Auch deshalb, weil dort keine Wohnbebauung sei, argumentiert der Arbeitskreis Verkehrssicherheit. Die Siedlung in Klostermoor ist westlich über die Birkhahnstraße an die 3. Südwieke angeschlossen.

135 von 3572 Fahrern viel zu schnell

Dort hatte das Straßenverkehrsamt nach Mitteilung von Kreissprecherin Maike Kuch am 27. Juni eine Verkehrszählung über 24 Stunden gemacht. In diesem Zeitraum seien auf der Kreisstraße 53 bei der Kreuzung Birkhahnstraße/Weihnachtsmannweg 3572 Kraftfahrtzeuge gezählt worden. Die zulässige Geschwindigkeit von 100 Kilometer pro Stunde sei von 3,8 Prozent der Autofahrer – das sind 135 – „vorwerfbar überschritten“ worden. 85 Prozent der Kraftfahrer seien aber nicht schneller als 103 gefahren, die Durchschnittsgeschwindigkeit habe bei 85 Kilometer pro Stunde gelegen. „Die Zählung zeigt, dass die Autofahrer eigenverantwortlich die zulässige Höchstgeschwindigkeit beachten“, teilt der Landkreis Leer mit.

Außerdem werde aufgrund der Straßen-, Verkehrs- und Sichtverhältnisse „erfahrungsgemäß“ eine Höchstgeschwindigkeit von Tempo 70 von den Autofahrern nicht beachtet und zu einer höheren Verkehrssicherheit führen. „Die Reduzierung würde lediglich eine Scheinsicherheit erzeugen, die insbesondere den schwächeren Verkehrsteilnehmern wie den Fußgängern und Radfahrern nicht geboten werden sollte.“

Ausschuss: Weiter Tempo 100

Deshalb sei der Verkehrssicherausschuss „übereinstimmend“ der Auffassung, dass eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf der 3. Südwieke (K 33) in Höhe der Birkhahnstraße und des Weihnachtsmannweges nicht erforderlich sei, heißt es weiter. Das Straßenverkehrsamt des Landkreises werde aber die Verkehrssituation dort im Auge behalten und „bei Bedarf“ die „erforderlichen Verkehrsregelungen“ treffen, so Kreissprecherin Kuch.

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