Herden werden reduziert Nabu Weideprojekte – Jungrinder verkauft, Bullen geschossen
Junge Heckrinder wurden aus der Herde in Coldam verkauft, außerdem wurden Bullen geschossen. Wie geht es weiter?
Coldam - Hohe Wellen hatten die Beweidungsprojekte des Nabu im Kreis Leer geschlagen. Nun hat der Nabu Tiere verkaufen können. Die Zahl der Tiere auf der Fläche Coldam ist um 19 Tiere reduziert worden, schreibt die Pressestelle des Nabu Niedersachsen. Dabei handelt es sich um junge Rinder. Diese konnten verkauft werden, da die Blutuntersuchungen dort mittlerweile durchgeführt wurden. Für die Fläche Thedingaer Vorwerk stünden die Blutuntersuchungen noch aus, erst danach können auch die Tiere von dort auf andere Flächen verbracht werden beziehungsweise weiterverkauft werden. „Auf beiden Flächen, Coldam und Thedingaer Vorwerk, wurden zudem sieben Bullen entnommen. Die Entnahme erfolgte dabei in Form von sehr tierschutzgerechten Weideschüssen“, teilt der Nabu mit.
Was und warum
Darum geht es: Um die Beweidungsprojekte des Nabu gibt es Diskussionen. Nun wurden einige Tiere verkauft.
Vor allem interessant für: Tierfreunde
Deshalb berichten wir: Der Nabu hat Rinder verkauft. Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de
Im Anschluss an den Weideschuss seien die Tiere direkt vor Ort geschlachtet und der Fleischverwendung zugeführt worden. So müsse man die Rinder keinem langen und stressigen Transport zum Schlachthof aussetzen. „Es ist uns sehr wichtig, dass der Tod eines Tieres auch einen Nutzen hat, weswegen dieses wertvolle Fleisch dem menschlichen Verzehr zugeführt wurde“, schreibt der Naturschutzbund. Die weiblichen Tiere, für die die Trächtigkeitsuntersuchungen negativ ausfallen, „könnten auch durch tierschutzgerechten Weideschuss geschlachtet oder alternativ verkauft werden.“
Was sind die Pläne des Nabu?
„Im September werden noch insgesamt vier Koniks von allen Standorten verkauft. Im November ist der Verkauf von 15 Hengsten geplant, nachdem diese kastriert worden sind“, erklärt der Naturschutzbund. Den Abbau der Herden habe der Nabu Niedersachen nach eigenen Angaben bereits vor einigen Jahren beschlossen. Eine Begründung zur Anhörung, die Beweidung bis zum 30. September zu beenden, habe man fristgerecht eingereicht. Es liege nun beim Landkreis Leer, „sich unsere Argumente anzuschauen und zu entscheiden, die Anordnung unter Umständen zurückzunehmen.“ Sollte der Landkreis weiter auf den 30. September bestehen, werde der Nabu Niedersachsen dagegen Klage einreichen, „da wir weiterhin der Auffassung sind, dass eine tiergerechte Auflösung der Herden etwa zwei bis drei Jahre Zeit benötigt.“
Was sagt der Landkreis dazu?
„Der Landkreis hatte zuvor auch darauf hingewiesen, dass zum Beispiel Blutuntersuchungen eine Gelegenheit wären, eine größere Zahl an Rindern lebend von der Weide zu holen und an andere Halter abzugeben“, erklärt Annika Krämer von der Pressestelle des Landkreises Leer. „Den Verkauf der Rinder nach einer Blutentnahme in Coldam ist ein Beleg, dass es möglich ist. Die emotionale Behauptung des Nabu, eine Auflösung der Herden bis Ende September lasse sich nur durch eine massenhafte Tötung auf der Weide erreichen, ist nicht haltbar“, erklärt der Landkreis.
„Der Landkreis Leer will, dass die Beweidungsprojekte in Thedingaer Vorwerk und Coldam vor dem Winter beendet werden. Der Nabu hat im Zuge einer Anhörung dazu Stellung genommen. Der Landkreis prüft nun kurzfristig, ob Anlass besteht, den Bescheid im Hinblick auf die Frist zu ändern“, so die Sprecherin.
Was war passiert?
Die Beweidungsprojekte hatten für Empörung gesorgt: Im Mai verletzten sich zwei Heckrind-Kälber so schwer, dass sie eingeschläfert werden mussten. Es wurden außerdem zwei verendete Konikfohlen gefunden, die sich offenbar aus einem verschlickten Graben nicht mehr befreien konnten. Bei zwei weiteren Koniks wurden Lahmheiten festgestellt, eines der Tiere musste auf Anordnung des Veterinäramts ebenfalls erlöst werden.
Es wurde außerdem Parasitenbefall und fehlende Blutproben bemängelt. „Die Tiere befinden sich in einem guten gesundheitlichen Zustand“, teilt nun der Nabu mit. „Die kürzlich durchgeführten Blutuntersuchungen in Coldam waren für alle Tiere auf der Weide negativ, weshalb diese Tiere nun vermittelt werden können.“ Das unterstreicht auch der Landkreis: „Das Ergebnis der Blutproben war, dass alle Tiere bezüglich der untersuchten Erkrankungen negativ befundet wurden“ und damit wieder den Status ‚BHV-1 frei’ haben, so konnten sie verkauft werden.