Medizinische Versorgung  Mehr Patienten klagen über Sprachbarrieren bei Ärzten

Nora Kraft
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Von Nora Kraft
| 06.09.2023 18:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Wegen des Ärztemangels werden immer mehr Mediziner aus dem Ausland in deutschen Kliniken beschäftigt. Symbolfoto:Vennenbernd/dpa
Wegen des Ärztemangels werden immer mehr Mediziner aus dem Ausland in deutschen Kliniken beschäftigt. Symbolfoto:Vennenbernd/dpa
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In Niedersachsen wächst bei vielen Erkrankten die Sorge um den Behandlungserfolg. Auch in ostfriesischen Kliniken sind Mediziner beschäftigt, die Deutsch lernen.

Ostfriesland/Osnabrück/Hannover - Angesichts der stetig steigenden Zahl ausländischer Ärzte in Deutschland fordern Patientenschützer ein höheres Niveau bei den alltagssprachlichen Prüfungen der Mediziner. „Gerade hochbetagte Patienten, die auch an Schwerhörigkeit oder Demenz leiden, brauchen Ärzte mit Sprachgefühl“, betonte Eugen Brysch, Vorsitzender der Deutschen Stiftung Patientenschutz.

Auch in Ostfriesland sind Fachärzte beschäftigt, die ihre Wurzeln nicht in Deutschland haben. An den Kliniken Aurich-Emden-Norden kommen die meisten ausländischen Ärzte etwa aus Ländern des Mittleren Ostens, Osteuropa, dem Balkangebiet und Nordafrika, sagt Annika Weigelt, Sprecherin der Trägergesellschaft der Kliniken, auf Nachfrage unserer Redaktion.

Sprachkenntnisse in Kliniken

Zur Verbesserung der Deutschkenntnisse böten die Krankenhäuser Sprachkurse an. „Um in den Kliniken arbeiten zu können, müssen die Bewerber das Sprachniveau B1 nach dem gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen nachweisen“, sagt Weigelt.

Brysch reicht dieses Sprachniveau nicht aus. Es müsse zusätzlich zu den bereits eingeforderten Nachweisen allgemein- und fachsprachlicher Prüfungszertifikate, einen bundesweit geltenden C1-Standard in der Patientenkommunikation geben. Bislang gebe es eine solche Regelung nur im Saarland.

Mehr Ärzte aus dem Ausland als Konsequenz des Ärztemangels

Ausländische Ärzte am Borromäus-Hospital in Leer müssen das Sprachniveau C1 nachweisen, um einen Arbeitsvertrag zu erhalten, sagt Kliniksprecher Hauke Mucha. Die Ärzte am Borromäus-Hospital kommen ihm zufolge etwa aus Paraguay, Syrien, der Türkei, der Ukraine, Argentinien oder Kenia. „Der niedersächsische Zweckverband zur Approbationserteilung schreibt vor, dass Ärztinnen und Ärzte die deutsche Sprache mindestens auf B2-Niveau beherrschen müssen. Ein entsprechendes Zertifikat ist nötig, um eine Approbation zu beantragen“, sagt Mucha. Auf die Nachfrage, ob Situationen im Berufsalltag der ausländischen Ärzte vorkommen, bei denen Sprachbarrieren für Schwierigkeiten in der Kommunikation mit Kollegen oder Patienten sorgen, antwortet Mucha: „Da unsere Fachärzte das Sprachniveau C1 vorweisen müssen, sollten Sprachbarrieren nicht auftauchen.“

Dass Krankenhäuser zunehmend ausländische Ärzte einstellen, sei eine Konsequenz des Ärztemangels, sagt Anne Hage, Pressesprecherin des niedersächsischen Sozialministeriums. Das Ministerium hat 2016 die Stabstelle einer Landespatientenschutzbeauftragten eingerichtet, die Patienten bei Fragen zu medizinischer Versorgung beratend zur Seite steht und sich für deren Rechte einsetzt. Dort meldeten sich Hage zufolge regelmäßig Patienten, die aufgrund vorhandener Sprachbarrieren unzufrieden mit dem Arzt-Patienten-Kontakt seien. Sie stünden einer Behandlung hilflos und ängstlich gegenüber. Die Anfragen angesichts schwieriger Gesprächssituationen mit Ärzten aufgrund vorhandener Sprachbarrieren häuften sich. „Die defizitären Sprachkenntnisse im Arzt-Patienten-Dialog können zu problematischen Missverständnissen führen“, sagt Hage.

Die Aufklärung über und damit das Verständnis für medizinische und pflegerische Leistungen sei durch Sprachbarrieren erschwert. „Dies wiederum ist verbunden mit Ängsten, Ärger, Frust, Überforderung, Unsicherheit oder Hilflosigkeit“, folgert die Sprecherin des Ministeriums. Patienten fürchteten um den Behandlungserfolg. Patientenschützer Brysch zufolge sei eine gute Arzt-Patienten-Kommunikation die Grundlage für den Therapieerfolg. Alltagssprachliche Deutschkenntnisse über das C1-Niveau hinaus seien für ausländische Ärzte daher unabdingbar.

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